... geschrieben von Andrea D Alessandro,
April 26, 2007
Na ich! Oder man nimmt einen Spiegel zur Hand, wenn grad niemand in der Nähe ist.
Oh Hans, der erste Teil ist so ein richtig "nettes" Haiku und dann dieser Zusatz! Einfach zum Schmunzeln.
Ja, nehmen wir nicht alles so bieder ernst. Gefällt mir gut.
Einen schönen Abend, Andrea
... geschrieben von Beate M. Conrad,
April 27, 2007
Hallo zusammen, lieber Hans,
eine frühmorgendlich, eigentlich noch verschlafene Atmosphäre, mit dem Mond könnte sie sogar romantisch sein. Durch die Wahl von Katze und Fasan als solches tritt eine relativ offensichtliche Grundspannung von Jäger und Beute dazu. Durch das "Beäugen" bleibt es im Vorfeld dessen, was wir uns weiter ausmalen können. Hier wird zugleich eine stark symbolische Ebene angesprochen. Die Katze, die in alten Kulturen auch mit dem Mond in Verbindung gebracht wurde, als fürsorgende Mutter, in manchen Religionen steht sie auch für ein langes Leben, Fruchtbarkeit und Glück, hingegen der Fasan eher für ein mögliches Unheil. Das "reglos" schärft konzentriert das Bild auf den Akt des Beäugens in der Gesamtszenerie. Hilft, sich auf das zu konzentrieren, was sein könnte, wofür es äusserlich jedoch noch kein Anzeichen gibt, doch dem genauen Betrachter den Zeitpunkt des Umschlagens verrät. Die Spannung wird sinnlich spürbar.
Mit dem "Oh, Mensch!" - ich glaube, diese Schreibweise würde ich vorziehen und für gleich ausdrucksstark halten - empfinde ich als erstes einen Ausruf, die zuvor aufgebaute Spannung im Aussprechen zu entlassen. Doch mit der nächsten Zeile werde ich als Leser stärker involviert als zuvor. Bin beteiligt .. und zugleich allein .. oder doch nicht? Hier geht es in die "Innenschau des Bäugens" - beäugt mich mein Partner/in, Freund, mein Nachbar, der Staat, der Nachbarstaat? Narzisstische, egozentristische Eigenschau? - Da fängt das Lacheln vom vom spielerisch Amüsanten mehr in die Halsgegend zu verrutschen. Wer hält hier wen "in Schach" bzw. wo bleibt die Balance? Oh, Mann!!!!! oder Oh, oh, oh!!!! Das Fabelhafte, Spielerische und Anschauliche des ersten Teils kontrastiert bestens mit dem Ernsthaften auf der gedanklichen Ebene und eröffnet somit die Fragen zu tatsächlichen und vermeintlichen Kräfte- und Machtverhältnissen von Mensch zu Natur bzw. Natur zu Natur. Das "Unterm" mit dem gleich folgenden Morgenmond in Segment a will mir nicht so recht von der Zunge fliessen.., but other than that?
Wunderbar gestaltet und wohl durchdacht, sodass es zu einer sehr interessanten Wendung (Wohl oder Wehe?), die Witz und Eleganz aufweist, kommt. Meine Anerkennung und beste Grüsse Beate
... geschrieben von Beate M. Conrad,
April 27, 2007
Eben noch eingefallen: oben wird diese frühmorgendliche Verschlafenheit durch die Wachsamkeit des Beäugens kontrastiert.
Weiss, nicht ob das nun überinterpretiert ist, doch man könnte die Sache auch auf dem Paradisischen Hintergrund verstehen (erster Teil: Gleichgewicht in der Natur), das "Oh, Mensch!" wird dann auch zu einem evtl. mahnenden Anruf eines Schöpfers, der die Sache beäugt. Ist dann nur noch die Frage wie lange dann noch gilt "und es sah, es war gut"?
Schönes Wochenende Beate
... geschrieben von Horst Ludwig,
April 27, 2007
Vice Versa
Ein Hase sitzt auf einer Wiese, des Glaubens, niemand sähe diese.
Doch, im besitze eines Zeißes, betrachtet voll gehalt´nen Fleißes vom vis-a-vis geleg´nen Berg ein Mensch den kleinen Löffelzwerg.
Ihn aber blickt hinwiederum ein Gott von fern an, mild und stumm.
Christian Morgenstern
... geschrieben von hans lesener,
April 27, 2007
Hallo Horst Ludwig -
Volltreffer ! That's it !
Hallo Beate Maria ,
die Situation und ich sind sehr einfach gestrickt . Und nicht ohne Grund hab ich's als Comic eingestellt- ist zwar ernst, aber so ernst auch wieder nicht : Wildernde Katze will Fasan fressen. Katze wartet auf Gelegenheit zum Sprung, Fasan wartet auf richtigen Zeitpunkt zum Abflug. Mensch,verschlafen ,beobachtet, ob und was passiert. Da im Moment nichts passiert, schaut er zum Himmel, sieht Mann im Mond, fühlt sich seinerseits beobachtet. Schaut noch höher , denkt an die eben entdeckte Erde 2 : "Ob die wohl von dort aus ... bis hierhin ....? Bloß nicht...!" und legt sich nochmal hin.
Das "OH MENSCH" verdankt sich der (vielleicht etwas zu intensiven) Lektüre barocker Lyrik und ist eher ironisch gemeint ( aber nicht nur), deshalb die 3 Ausrufezeichen. Siehe z.B. Johann Rist (1607 - 1667) "Ernstliche Betrachtung / der unendlichen Ewigkeit" : "Wach auff O Mensch vom Sündenschlaff / ermuntre dich verlohrnes Schaff / und bessre bald dein Leben ..." Du hast aber recht , Beate : Ein einziges Ausrufezeichen würde es auch tun. Das "unterm" ergibt sich aus dem 5-7-5 Schema, vielleicht ändere ich diesen Sündenfall. Ich hoffe, Beate , Du bist nicht enttäuscht , dass es hier so prosaisch zugeht. Ich habe aber auf jeden Fall aus Deinen ausführlichen Kommentaren viel gelernt, wusste nichts über die symbolische Ebene von Katze und Fasan und hatte auch über das Kräfteverhältnis Mensch/Natur nicht wirklich nachgedacht, nur die von Dir treffend erkannte Grundspannung von Jäger und Beute sehr deutlich gespürt. Eine theologische Dimension lag mir fern. Ich bin Dir für Dein gedankliches Eindringen in den Text wirklich sehr dankbar und fühle mich geschmeichelt !
Euch beiden vielen Dank und beste Grüße, Hans .
... geschrieben von Beate M. Conrad,
April 29, 2007
Hallo zusammen, lieber Hans,
enttäuscht bin ich ganz und gar nicht. Eher im Gegenteil! Es sei mir erlaubt, wenn auch etwas stümperhaft, dem Aufbau des Humors Deines Textes zu meinem besseren Verständnis nachzuspüren. Ganz generell scheint mir die Gestaltung von Witz und Humor ein recht anspruchsvolles Handwerk zu sein. Zumal sein Verständnis, also das Lachen, ein kultur- (resp. Subkultur), zeit-, sozialisations- und bildungsbezogenes ist. Ebenso fußt es zu Teilen auf dem dem Sujet innewohnenden, ernsthaften Verständnis.
Bei dem von Horst eingebrachten Morgenstern-Erklärungsbeispiel wirkt die Konstruktion relativ einfach und klar: das Grundprinzip ist die Naivität (sich unbeobachtet fühlen, sein Terretorium kontrollieren), dessen leicht überhöhte Steigerung den Menschen etwas lächerlich aussehen lässt in seinem Bewußtsein, sich vom Tier durch seinen "entwickelten Horizont und Eifer" zu unterscheiden, aber doch nicht besser als der Hase dran ist in Anbetracht ihm unbewußter und ihm überlegener Wesenheiten. Hier liegt also ein einfaches, logisch durchgehaltenes Prinzip, dessen Übersteigerung zur Pointe führt, vor.
Dein Text weist zwar eine ähnliche Pointen-Konstruktion, aber auch noch etwas anderes auf. In dieser Abweichung liegt für mich die humorvolle bis an den Rand des schwarzen Humors gehende, sogar ironische Pointe Deines Textes, Hans. Die verlangt den Rekurs auf die Ernsthaftigkeit unseres Zeitgeschehens. Die Beobachtung des Beobachtenden der Beobachteten als Steigerung in ihrer Naivität nimmt eine neue Wendung. Denn es gibt in diesem Aufbau keine höhere Wesenheit(en). Sie erfährt eine Verquickung mit dem Kräfte- bzw. Jäger - Beute - Thema. So wie Du es angelegt hast, beinhaltet dieses ein sich gegenseitiges, bewußtes Beobachten auf gleicher Ebene (Tier - Tier). Als logische Reihe impliziert Tier :Tier, Mensch : Mensch. Folglich findet sich die höhere Wesenheit in der menschlichen Selbstprojektion (kosmisch und/oder religiös, kriegerisch bezogen) und nicht als ein höheres System bzw. nächster Steigerungsschritt (wie bei Morgenstern) wieder. Die Natur regelt, kontrolliert sich auf ihre Weise, indem der Mensch sich selbst zum Feind hat. Er zugleich Jäger und Beute ist, die Menschheit (im Kleinen wie im Großen) beäugt, bespiegelt und belauert sich selbst in recht eigenartiger Weise und nicht mehr stumm und mild wie ein Gott von fern. Darin liegt die überraschende Wendung. Es handelt sich um eine Verkehrung des Steigerungprinzips auf die Naturebene zurück. Allerdings besitzt diese nun ihre Eigendynamik und läßt den Menschen, der vermeintlicherweise die Natur beherrscht, mindestens ebenso naiv wie Katze und Fasan innerhalb des eingeführten Jäger-Beute-Schemas aussehen.
Herzliche Grüße an alle Beate
P.S: Ferner, also unabhängig von Deinem Text, die Frage in den Raum gestellt wie Humorgestaltung im Haiku (und haiku-verwandten Formen) auf dem Hintergrund internationaler Verständnisgültigkeit ("World Haiku") wohl ausfallen kann? Übereinstimmungen - Unterscheidungen - Unmöglichkeiten?
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Oder man nimmt einen Spiegel zur Hand, wenn grad niemand in der Nähe ist.
Oh Hans, der erste Teil ist so ein richtig "nettes" Haiku und dann dieser Zusatz! Einfach zum Schmunzeln.
Ja, nehmen wir nicht alles so bieder ernst. Gefällt mir gut.
Einen schönen Abend,
Andrea