Kürzer geht nicht. Das ist schon nahe an: Ich Robinson. Du Freitag.
Herzlich Rudi
... geschrieben von Walter Mathois,
August 01, 2008
Und dann, und DANN, UND DANN, U N D D A N N ? Es läßt so Vieles offen. Ich liebe Geheimnisse in den Haikus. Liebe Grüße Walter
... geschrieben von Heike Gewi,
August 01, 2008
Do'an im Canyon der grüne Fluß - Palmenwald - noch ohne Fußbad. Schwarz verschleiert kommt Regen.
Zuerst am Wadi.. Kamelschatten
Lieber Rudi, ga ich keine KG und/oder Artikel geschrieben habe, kann ich nicht bedauern, dass Du Dich allein auf einer Insel siehst. Das tanbun/tibun zumindest drei der "Sechs W des Journalismus" (Wer? Was? Wo? Wann? Wie? Warum?; Reihenfolge je nach Bedeutung), die auch Geschichtenschreiber im ersten Ansatz bringen sollen. Von Personenvorstellung ist ja eineindeutig nicht "die Rede". Insel mit Canyon gleichstellen finde ich hier unangebracht, fast unsachlich *grins*. WO? - Canyon Do'an/Du'an, von dem ich grad zurueck bin, WANN? - Monsunzeit/Regenzeit, WAS? - das mit Palmenwaeldern gefuellte, beruehmte Flussbett des Wadi Du'an (so heisst auch die Gruppe von Doerfern, die sich an den Felsen "hochzieht" - aus Lehmziegeln gebaut) und weiterfuehrend die schwarze WAND, die den Regen bringt/birgt und Kamele die es zum Wasser treibt, ganz ohne Treiber (duerfen dort frei rumlaufen und blockieren mitunter die neue Strasse). Die Schatten waren schneller als die Kamele selbst und die Kinder, die im "Sejl"/ flood water/ reissenden Wasser baden/spielen.
Da das Haibun [tibun/tanbun] nicht den Regeln der KG folgen muss, sah ich keinen Grund fuer weitere Begruendungen und Ausfuehrungen.
Zur Interpunktion allerdings, lass ich mich gern eines Besseren belehren.
Herzlichst Heike
Ja, Walter, etwas mehr Mystik im Haiku (generell) ist mir sehr lieb ;-))
... geschrieben von Heike Gewi,
August 01, 2008
da Da DA
... geschrieben von 1o2 1o2 1o2,
August 01, 2008
Liebe Gabriele,
es tut mir leid, dass Du mich nicht verstanden hast, dass wir uns nicht verstanden haben. Ich weiß auch nicht, was Du mit "KG" meinst. Ich hoffe nicht, dass dies eine Bildungslücke ist. Ganz bewusst hielt ich meinen Kommentar ganz kurz. Es war eine Anspielung auf Deinen Text. Ich hoffte, Du hättest die Anspielung verstanden.
Wenn Du Haiku der Altvorderen liest (Du hast doch sicher eine kleine Sammlung von Büchern), dann wirst Du keinen einzigen Text darunter finden, der im Telegrammstil gehalten ist und Rätsel aufgibt. Die gebotene Kürze im Haiku oder Tanbun bedeutet nicht, dass man um Worte zu sparen, ins Niederschreiben von Wortfetzen verfällt. Gerd Börner z.B. schrieb in letzter Zeit auch Tanbun, aber es waren keine Wortfetzen, die mich an die Sprache von Migranten erinnern. Kürze im Haiku oder Tanbun oder Haibun darf nicht in Gestammel ausarten. Das wäre der Tod dieser Poesie, mit der wir uns beschäftigen. Kürze ja, aber nicht Amputation der Sprache. Das ist nicht Haiku gemäß.
Herzlich Rudi
... geschrieben von 1o2 1o2 1o2,
August 01, 2008
Schande! Ich entschuldige mich reumütig für die Anrede "Gabriele", liebe Heike. Man(n) kommt durcheinander.
Gute Nacht. Rudi
... geschrieben von 1o2 1o2 1o2,
August 02, 2008
Guten Morgen Heike. Ich schicke Dir hier noch zwei Links zu den Tanbun Gerd Börners, von denen ich sprach: http://www.haiku-heute.de/Archiv/Vier_Tanbun_Gerd_Boerner/vier_tanbun_gerd_boerner.html http://members.aon.at/bregen/chrysantenum/chrys2/haibundeutsch.htm Die Prosateile mit höchstens 31 Silben sind folgende: a) Eine alte Gardine weht aus dem Fenster im Haus am Bahndamm. b) Die Bäume sind die alten – größer, ja – aber die Sprache ist verschwunden. c) An das Glas schlägt der Ring des anderen d) die ganze Nacht Neonlicht in den Linden e) In der Unterführung flackert die Lampe nicht mehr. f) In der letzten Welle rollen bunte Kiesel hin und her. Der rote in meiner Hand ist grau nun. -------------------------- Börner bemühte sich um eine kurze Aussage in großer Dichte und konzentrierte sich dabei auf eine Beobachtung. Er versuchte nicht, einen längeren Text auf einen mit höchstens 31 Silben zusammenzustreichen, wie Du es getan hast, um den Preis unvollständiger Sätze. Ich finde, er hat uns richtiggehend demonstriert, was ein Tanbun ist.
Herzlich Rudi
... geschrieben von Heike Gewi,
August 02, 2008
Guten Morgen, Rudi!
Da Du mich erstmals kommentierst hier im Forum, moechte ich Dir sehr fuer Deine Muehen danken. Weiss gar/schier nicht, ob mein Text diese Muehe wert ist. Irgendwie scheinst Du es aber anders zu sehen, was mich freut. Eigentlich habe ich erreicht, dass man sich jetzt auch endlich im LUX mit tanbun auseinandersetzt. Mir liegt fern, Herrn Boerner nachzueifern ... aber Anregungen sind willkommen - natuerlich. Gut! Was meinst Du zu der zweiten Variante?
Im Canyon ein Flußbett voll Wald. Schwarz verschleiert nähert sich der Palmen Fußbad.
Zuerst am Wadi ... Kamelschatten
Biba, Heike
... geschrieben von 1o2 1o2 1o2,
August 02, 2008
Den Palmen im Canyon nähert sich ein schwarzer Regenschleier.
Das wäre mein Vorschlag für den Prosateil, liebe Heike. Wenn da drin "Flussbett" steht, hast Du eine Dopplung zu "Wadi". Dopplungen soll man ja tunlichst vermeiden. Das "Fußbad" ist eine Antizipation, die den Augenblick verlässt und den unmittelbaren Eindruck des Lesers stört, meine ich. Ich würde ganz im Augenblick bleiben.
Herzlich Rudi
... geschrieben von Heike Gewi,
August 02, 2008
Langsam entwickele ich ein Gespuer fuer das, was Du sagen willst, Rudi. Das ist ein gutes Zeichen, denn das mit den Dopplungen und der Momenthaftigkeit selbst im Haibun ist mir neu. Habe schon viele Haibun gelesen. Wenn ich davon ausgehen kann, dass der Leser beim Stichwort Canyon einen Fluss assoziiert, der in unserem Fall aber vom palm grove gefuellt ist und sich jaehrlich zur gleichen Zeit ein "Fussbad" holt, dann wuerde ich gerne Deine Variante uebernehmen, Deinen Erfahrungen vertrauend. Obwohl ich meine Variante witziger finde (auch die Frauen in Do'an, denen ich meine Version erzaehlt habe - bzgl. der Anspielung auf den schwarzen Schleier, der sonst nur ihnen vorbehalten bleibt und die " nassen Fuess' "). Schade, dass sich die anderen nicht melden; Fachkenntnisse sind (wie man an mir sieht) keine Voraussetzung *grins*.
Das Foto dazu koennt ihr dann gerne auf meiner HaPe sehen.
Biba, Heike
... geschrieben von Heike Gewi,
August 02, 2008
Ein weiteres tanbun von mir:
Mit seinem Stock beruehrt der Alte die Steine.
Klack klack tickt der Weg zwischen Lehmziegeln
[mit Foto - demnaechst]
LG - Heike
... geschrieben von 1o2 1o2 1o2,
August 02, 2008
Liebe Heike,
wenn Du die Tanbun von Gerd Börner liest, wirst Du merken, dass das Haiku nach dem Prosateil ein weites Denkfeld eröffnet und nichts aus dem Prosateil wiederholt. In meinem Haibun "Hocketse" erwähnte ich den Brunnen nicht. So eröffnete der Brunnen im Schlusshaiku eine neue Perspektive und einen weiteren Horizont. In Deinem neu eingestellten Text ist eine Dopplung: Steine/Lehmziegel. Das Berühren der Steine korrespondiert wiederum mit dem "Klack klack" - eine weitere Dopplung. Somit ist Prosateil und Haikuteil in sich selbst gefangen. In einem Haiku werden üblicherweise zwei Motive miteinander verknüpft, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber sich nach genauerem Nachdenken miteinander verbinden. Ein schell ausgesuchtes Beispiel aus der letzten Ausgabe von haiku-heute.de: Zwischen den Steinen werfen Ameisen Sand auf. Mein Schreibtisch wartet. (Hans Lesener)
Was haben die Ameisen mit dem Schreibtisch zu tun? Anscheinend nichts, aber wenn man ein wenig nachdenkt, stehen sie für Fleiß und damit sind wir beim wartenden Schreibtisch.
Zwei Motive sollten auch in einem Tanbun in Beziehung gesetzt werden. Der anscheinend Blinde, der mit dem Stock tastet, steht aber bei Dir in direktem Zusammenhang zu dem Klacken auf dem Weg. Somit ist dem Leser nicht die Weite eröffnet, die ein Haiku oder Tanbun bieten sollte. Dass der Weg zwischen Lehmziegeln tickt, ist mir noch verschlüsselt. Ich hätte die Steine, auf die der Stock schlägt, als Lehmziegel betrachtet. Somit ist der Text für mich noch nicht ganz klar. Das ist aber eine andere Sache als die erste, die ich erklärte. Primär scheint mir das Problem zu sein, dass der Prosateil und der Haikuteil dasselbe aussagen und keine weitere Perspektive zum Assoziieren eröffnet wird.
Gute Nacht. Rudi
... geschrieben von Heike Gewi,
August 03, 2008
Zwei Motive sollten auch in einem Tanbun in Beziehung gesetzt werden.
Gut, Rudi! Weiter im Zwiegespraech...
Natuerlich kann ich nicht von allen Lesern verlangen, sich etwas zu Hadhramaut anzulesen; denn in diesem fall liegt eine tiefe Kluft zwischen den Steinen (Fels-/Schiefersteine) und Lehmziegeln, auf denen niemand "laufen" wuerde, da sie dem Hausbau vorbehalten bleiben, bzw. sich "in" den Waenden der "Hochhaeuser" befinden. Stein - Beschaffenheit des Weges (nur bei Nennung von Stein schon eine Dopplung mit Weg????); Lehmziegel - Haeuserwaende (ja wo geht er denn...hin?). Ob blind oder alt - spielt hier meiner Meinung nach nicht die Geige.
Das zweite Motiv - wo ist das erste?
eins: "Beruehrung" der Steine; erfordert Sensibilitaet, denn ich war bei der Gefaehlichkeit der steilen Berwege und der Gebrechlichkeit im Alter geruehrt.
zwei: und dies schon "sein Leben" lang und hier - seinen letzten Lebensabschnitt [ich kann ja durch die Momenthaftigkeit nicht alle Gebraeuche und Aspekte behandeln!] - die Zeit tickt wie im Uhrtakt. Fuer mich ergibt sich hieraus die "neue" Perspektive. Das "seit je her" und die Vermutung, so schnell aendert sich nichts. Was also das zweite Tanbun angeht, auch wenn Du es fuer nicht gelungen haelst, so werde ich nichts aendern.
Schlaf gut. Heike
... geschrieben von Heike Gewi,
August 03, 2008
Natuerlich --> "Stocktakt"
... geschrieben von Angelika Wienert,
August 03, 2008
"...so werde ich nichts aendern..."
Hättest du ein `momentan` dazu geschrieben, dann wäre die Aussage m.E. sinnvoller.
Ich erlebte mal in einem amerikan. Forum, das es schon längere Zeit nicht mehr gibt, dass Ray Rasmussen die X. Fassung eines Haibun vorstellte. Ray Rasmussen, der doch so große Haibun-Erfahrung hat! Und diese X. Fassung veränderte sich im Forum dann nochmals und nochmals...
Und wer weiß, was mit dem Text noch außerhalb des besagten Forums passierte...
... geschrieben von Heike Gewi,
August 03, 2008
Du schreibst mir ueberraschend (?) aus der Seele, Angelika. Diesbezueglich, da mir sehr viel an Rudis Meinung gelegen ist (und jeder der mich kennt, meine Aenderung an Texten [re-writing nach 6 Monaten]), habe ich mich entschlossen noch meine Ur-Haiku-Fassung vorzustellen... Rudi hat das Talent, Leute an ihrem Ehrgeiz zu packen (mir faellt spontan Konfuzius' Definition des edlen Menschen ein; meine Verehrung, Rudi, wenn ich das FRAU mal so formulieren darf *grins*).
War mir anfangs nicht sicher, da ich sehr stark am Essay von Lydia Bruell zum Haibun geklebt habe, was sich nicht mit R.P.'s Meinung beisst [tibun=tiny haibun und so war fuer mich der Prosateil nur eine Kurzfassung eines laengeren Textes ... beim Haiku im Haibun (Essay) war nicht unbedingt die Rede davon, eine neue Perspektive zu eroeffnen; eher, den nachhall der Prosa zu verstaerken - es "muenden" lassen in...
ich danke Dir für Deine lieben Worte. So viel Lob ist mir nicht recht - sehe ich mich doch auch als ein Suchender, der erkunden will, was ein Haiku ist, ein Haibun, ein Tanbun, ein Tanka... Wenn ich das alles wüsste, könnte ich nichts mehr schreiben.
Aus dem Aufsatz von Lydia Brüll zitiere ich folgende Passage: "Oft hält der Prosatext im Moment äußerster Spannung inne, dann folgt das Haiku. Dieses sollte so komponiert sein, dass es das Haibun ausklingen und weiterschwingen lässt. Dennoch darf das Haiku nicht als eine simple Zusammenfassung, sozusagen als eine Kurzfassung der vorangegangenen Prosa aufgefasst werden. Es sollte auch unabhängig vom Prosatext als lyrisches Gedicht verstehbar sein."
Eindeutig ist diese Aussage nicht. Ich lege Sie für mich so aus, dass das Haiku sich vom Prosateil entfernen kann ("unabhängig vom Prosatext als lyrisches Gedicht verstehbar sein"). Sicher gibt es verschiedene Auffassungen. Ich habe das auch schon beim Lesen verschiedener Haibun erlebt. Ich für mein Teil möchte zu große Nähe zum Prosateil vermeiden. Mögen die Gedanken weiter schweifen, wenn das Schlusshaiku gelesen wurde. Im Idealfall schließt sich der Kreis. Das Denken in Kreisen betrachte ich als Zeichen besonderer Klarheit.
Gute Nacht. Rudi
... geschrieben von Heike Gewi,
August 04, 2008
Lieber Rudi,
Lobeshymnen sind mir zuwider. Es war nur eine Feststellung bzgl. des Umgangs mit Menschen, bei dem ich zum gleichen Schluss kam wie Konfuzius:
Der Edle verlangt alles von sich selbst, der Primitive stellt nur Forderungen an andere.
Zi Gong fragte, was einen Edlen ausmache. Konfuzius sprach: "Er predigt nur das, was er zuvor schon selbst in die Tat umgesetzt hat."
Das ist schon nahe an:
Ich Robinson.
Du Freitag.
Herzlich
Rudi