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Landscape near Caux
© Markus Sulzberger   
22. 03. 2007
Ferdinand Hodler weilte ab und zu in Caux und malte die wunderbare Aussicht auf den Genfersee und die angrenzenden Berge. Seine Bilder sind sehr licht gehalten mit viel blau, rosa und goldgelb. Es ist anzunehmen, dass dies seinem Empfinden während der Arbeit an den Gemälden entsprach. Wer schon dort war kann sich das sehr gut vorstellen! Ist es doch erhebend von über 1100 Metern ü.M. auf den Genfersee hinunter zu blicken und die vielfältigen Form- und Farbnuancen auf sich wirken zu lassen. Fernab der Zivilisation - so scheint es - dicht unter dem Himmelsgewölbe. In der Nacht spannt sich das Firmament mit myriaden von Sternen und unterhalb gruppieren sich die Lichter von Montreux bis Vevey.

das Sternenmeer
oberhalb und unterhalb
das Lichtermeer


Bevor es Nacht wird kann man nicht selten ein besonderes Schauspiel erleben, dann nämlich, wenn eine dicke Nebeldecke wie Watte sich über die Ausdünstungen der dicht bewohnten Gebiete vom Wallis bis nach Genf legt und gegen Abend hin den glühend roten Sonnenball reflektiert. Das Nebelmeer verstärkt den Eindruck der Abgehobenheit und Leichtigkeit und lässt nur noch erahnen in welchem Kampf man doch den grössten Teil seiner Zeit im Tal verbringt. Gedanken über Unsinn und Sinn des Daseins können vielleicht die eine oder andere Eispanzerung im eigenen Selbst zum schmelzen bringen.

Eiswasser tropf
vom Tempeldach
direkt ins Meer


Doch es gibt auch eine ganz andere Stimmung! Wenn gegen Abend hin ein Sturm aufzieht oder im Begriff ist, sich wieder zu verziehen, bilden schwere Wolken am Fuss der französischen Berge von Montreux aus gesehen, seltsame Wirbel. Von erhöhtem Standpunkt aus betrachtet, spiegeln sich die Wolken im See und er wird grau - alles Leben scheint aus ihm gewichen - nur bleierne, giftige Schwere bleibt. Es wirkt sehr bedrohlich. Doch oftmals reisst dann im Abendrot ein Streifen den Grauschleier auf und es bietet sich ein Bild das Programm ist.

bleigrau der See
am Fuss der Schneeberge
goldener Glanz
Kommentare (2)Add Comment
...
geschrieben von hans lesener, April 18, 2007
Hallo Markus ,
seit der ersten Lektüre Deines Haibun beschäftigt mich dieser Text.
Das liegt vielleicht daran , dass ich die von Dir geschilderten Landschaften und Stimmungen einigermaßen kenne :
Den Sternenhimmel über dem Genfer See, das -gut bernisch gesprochen-
"Näbbelmäär", das ich in Mürren oft erlebt habe , und den goldenen Glanz am Fuße der Schneeberge sowie den rötlichen Schimmer auf ihren Gipfeln, der nach so kurzer Zeit wieder ins Grau verblasst.
Das alles sind legitime Gegenstände für ein Haibun. Gerd Börner betont ausdrücklich , dass der Autor beim haibun große Freiheit bei der Stoffauswahl habe, und dass alles - Landschaften , Stimmungen, Reflexionen des Autors- zum Gegenstand eines haibun gemacht werden könne .
Daraus ergibt sich für mich ein erster Einwand : Was Ferdinand Hodler sich angesichts der beobachteten Landschaft wohl gedacht oder was er gefühlt haben mag , ist m.E. Spekulation . Vielleicht wäre es stimmiger , hier nur bei den Empfindungen des Autors zu bleiben?
Sehr schön finde ich deine Reflexionen angesichts des Nebelmeers.In der Tat verstärkt die Wolkendecke, die alles überlagert , den Eindruck von Abgehobenheit , ja Entfremdung und führt zu einer Rückbesinnung, die vielleicht die eine oder andere "Eispanzerung" zum Schmelzen bringen kann. Vom seelischen Eispanzer kommst Du dann zum Tropfen des Eiswassers, ein direkter logischer Schritt ; nur verstehe ich nicht , woher der "Tempel direkt am Meer" kommt - da lässt mich Dein Text ratlos zurück...
Im Übrigen hat mir Dein Haibun eine eigene frühere Arbeit wieder zurückgerufen, die vor Jahren mal in Mürren im tiefsten Nebelmeer enstanden ist :

In diesem Bergdorf

zwischen Erde und Himmel
zwischen gestern und morgen

alle Pflichten
verschlungen vom Nebelmeer

Schritte und Gedanken
schwankend

Dass es zu den schönsten Erlebnissen überhaupt gehört , das Nebelmeer zu durchstoßen, etwa mit dem Flieger oder der Seilbahn, und plötzlich dem strahlenden Sonnenlicht entgegenzusehen, unter sich ein Fantasialand aus Wolken , möchte ich hier der lieben Erinnerung halber nicht ungesagt lassen .
Ein ähnlich eindrückliches Erlebnis ist die letzte von Dir geschilderte Wetterstimmung : Wenn alle Welt im Grau versinkt , und dann doch ein Streifen Abendrot, ein Streifen Goldglanz wieder Vertrauen und Hoffnung weckt -ohne dass man dies als "Programm"ausdrücklich ankündigen müsste (m.E.). Ob ich den Text kürzen würde ? Ich weiß es nicht. Ich selbst habe zwar auch lange Haibun geschrieben, von der Fülle der Fakten überwältigt, aber je länger ich mich mit Haibun beschäftige , desto kürzer ja lakonischer werden sie - vielleicht solltest Du nochmal kritisch unter diesem Aspekt drangehen.
Ramona Linke würde an dieser Stelle sagen :"... Meine Gedanken dazu...".
Ich kann nur sagen , Dein Haibun hat bei mir die unterschiedlichsten Gedanken und Erinnerungen ausgelöst, und das ist , da bin ich sicher , sehr viel.

Grüße aus dem Münsterland !
Hans.
...
geschrieben von Markus Sulzberger, April 18, 2007
Hallo Hans - mit deinen Gedanken dazu habe ich keine Probleme.

Als ich Deinen Kommentar las, setzte ich mich weg vom Bildschirm, auf einen Stuhl und dachte über Deine Gedanken nach. Ist Haibun nicht eine 'Reisebeschreibung' dachte ich. Reiste ich nicht vom Bild Hodlers das auf dem Internet mit den Titel des Haibuns angepriesen wird durch seine Empfindungen zur Landschaft und zu meinen Empfindungen? Klar, es ist etwas ungewohnt aber als ich das oder die Bilder von Hodler sah erkannte ich die Landschaft unmittelbar.

Die Geschichte mit dem Tempel wurde schon einmal von anderer Seite bemängelt und ich dachte: ist das wichtig? Muss der Leser das spezifiziert haben? Ich denke, dass ich das offen lassen möchte und fragte mich, ob das machbar ist.

Mitten in diesen Überlegungen, als ich tief einatmete - soeben - platzte mein sicher 20 Jahre alter Gürtel, den ich stets trug seit mir jemand sagte, dass man Hosen mit Gürteln trage...

Nun denn so wird das Orakel wohl dahin gedeutet werden, dass das Haibun nun schon Geschichte geworden ist und wohl oder übel so bleiben muss...

Liebe Grüsse
Markus

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