Startseite Haibun Nautilus Pompilius
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© hans lesener
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24. 06. 2007 |
Nautilus Pompilius
Auf den beiden Fensterbänken des winzigen Fischerhauses entdecke ich viele kleine Gefässe, Schalen und Schüsselchen, gläserne Krüge, Vasen und Becher, alle gefüllt mit Muscheln, und sorgfältig beschriftet. “Baltische Plattmuschel” lese ich, “Gemeine Islandmuschel”, “Artemis-Muschel”, “Norwegische Herzmuschel” und “Pfeffermuschel”.
Gefleckt, gepunktet und gestreift, geriffelt oder glatt, stumpf
braun-weiß, bläulich-grün-rosa schimmernd wie Perlmutt. Dazwischen
liegen, auf Sand gebettet, einzelne besonders schöne Stücke. Einige
stammen aus dem Mittelmeer , andere aus Neuseeland, Florida und von den
Fidji-Inseln.Auch Meeresschneckenhäuser gibt es.
Eins fasziniert mich besonders: purpurn geflammt, sicherlich eine
Handspanne groß, “Nautilus Pompilius”. Ein ganz ähnliches lag in
Großmutters Vitrine und durfte von uns Kindern nur höchst selten in die
Hand genommen und ans Ohr gehalten werden. "Da hörst Du etwas !” hieß
es, und wir staunten.Plötzlich öffnet sich die Hautür und eine Frau
kommt heraus. Ob mir ihre Muschelsammlung gefalle? Als ich bejahe,
erzählt sie, dass sie ihrem Hobby seit Jahren nachgehe, auch hier am
Nordseestrand suche : ”Nichts ist so entspannend !” Manche Muscheln
würden ihr geschenkt, und gelegentlich bringe ihr Mann von seinen
Reisen welche mit. Kaufen, nein, das komme nicht in Frage. Ihre Freude
sei es, die ganze Welt auf der Fensterbank wiederzufinden; oft seien
Muscheln ja auch sehr alt, und so habe sie nicht nur die fremden
Strände im Haus, sondern auch die Überbleibsel vielleicht aus
Jahrhunderten, sagt sie, und fügt hinzu ”den Raum und die Zeit ... “.
Meeresrauschen
Silberstrände und Palmen -
noch nie eine Kreuzfahrt ...
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über dem Kamin
das Südseeposter
Früher gab es die Grosswildjäger und Weltenbummler, die ihre Wohnungen voller Trophäen aus der ganzen Welt hatten.
Heute kann sich jeder eine "Sammlung" zulegen von "Andenken" aus der ganzen Welt - allerdings auch von Orten, wo er nie gewesen ist.
An den Träumen ändert sich offenbar nichts. Und wie wir sehen: auch wenn wir heute hundertmal mehr in der Lage sind, diese Träume "ein Stück weit" in die Hand zu nehmen - EINEN unerfüllten Traum wird es immer geben - und den brauchen wir wohl auch. Und das Gefühl, ganz dicht dran zu sein.
Klaus