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Nichts für Dich
© hans lesener   
04. 08. 2007
Nichts für Dich

Spätnachmittags, lesend. Ins Wohnzimmer nebenan scheint die tiefstehende Sonne.  Rot leuchten die Mahagoni-Möbel, der verblichene Gobelin schimmert farbig, Lichtreflexe spielen über Bilder und Wände, Staub flimmert golden. Einen Augenblick lang alles überdeutlich.“Das ist es”, denke ich, “das war’s. Nie wieder wirst du das so sehen, nie wieder dein Zuhause in dieser gläsernen Klarheit wahrnehmen , in deinem ganzen Leben nicht.”Und während ich versuche, die hellsichtig gesteigerte Wirklichkeit noch einen Atemzug länger festzuhalten, verschattet sie sich schon wieder, wird alltäglich und grau.

Ich nehme ein Buch aus dem Regal
höre Vater flüstern
“Das ist nichts für Dich" 
Kommentare (5)Add Comment
...
geschrieben von hans lesener, August 05, 2007

Kürzere Fassung des Schluss-Haiku :

Ich nehme ein Buch zur Hand
höre Vater flüstern
"Das ist nichts für Dich"

...
geschrieben von Heike Gewi, September 30, 2007
Warum habe ich das noch nicht gelesen?
Warum, lieber Hans, alltaeglich und grau?
Wie viele Eltern freun sich, wenn Kinder sich an gehobene Lektuere wagen. Er wollte es Dir sicher schmackhafter machen - nach dem Motto:
"Verbotne Fruechte schmecken besser."

Oder "Lesen schadet...!"

Eigentlich reagiert man mit diesem von Dir geschilderten scharfen Blick (mit dem Hoeren zwischen den Zeilen):
"Jetzt erst recht!!!"

So gesehen scheinen mir die "Umstaende" nur etwas fragwuerdig. Hat die Bemerkung Dich davon abgehalten es DOCH zu lesen?

Zur haiku-Schreibweise (naja, mein Stil eben...):

Ich nehme ein Buch zur Hand.
Höre Vater flüstern:
"Das ist nichts für Dich"

Ich haette das Haibun lustiger ausklingen lassen. Habe es aber sehr spannend gefunden, da sich eventuell ein "Konflikt" angebahnt hat, mit dem aber der Leser leider entlassen wird.

Naja, es ist keine Kurzgeschichte, sondern ein Haibun, aber...vielleicht doch?

In Gedanken
Heike


...
geschrieben von Heike Gewi, October 01, 2007
ups! Mir ist was entflattert.

Hat die erste Zeile nicht 7 Silben?
7/6/5

--> Nehme ein Buch zur Hand...
6/6/5

Du kannst auch bei der Originalfassung bleiben und ein Tanka draus machen (
...
geschrieben von hans lesener, October 01, 2007
Hallo Heike -
vielen Dank für Dein Interesse !

Ich hoffe doch sehr , dass es ein Haibun geworden ist und keine Kurzgeschichte...
Der Text ist über Monate hinweg auf diese Sätze zusammengeschmolzen.
Er konzentriert sich auf den Gegensatz von plötzlicher Wahrnehmung und
deren plötzlichem Ende , der Rückkehr in den Alltag ,so wie er immer ist, eben "alltäglich" und ohne Glanz, "grau". Das ist nicht wertend gemeint.

Das Haiku ist spontan entstanden. Abgesehen von der Änderung der ersten Zeile , die zunächst noch länger war, steht es so da, wie es eingefallen ist. Die jetzigen 7 Silben in der 1.Zeile muß ich in Kauf nehmen. Das Flüstern meines schon lange toten Vaters und seine Worte - darüber möchte ich mich nicht verbreiten. Ich habe meine Vermutung, aber letztlich muß der Text für sich selbst stehen.

Beste Grüße ,
Hans.
...
geschrieben von Heike Gewi, October 01, 2007
Alles klar, lieber Hans! smilies/wink.gif
Nach Lydia Brüll (Zum Sujet des Haibun) muss ein Haibun nicht mit einem Haiku ausklingen. Haenge doch einfach das Haiku als Schlußsatz an. Dann hast Du auch noch die Moeglichkeit, auf den verstorbenen Vater hinzuweisen. D.h., so formulieren, dass es aus dem Schluss lesbar wird.

Schoene Woche
Heike

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