|
© Susanne Jäggi
|
|
24. 11. 2008 |
|
Der Frost hat die
Landschaft fest in seinem Griff. Eine dünne Schicht Neuschnee bedeckt den
Boden. Durch lichter werdenden Kiefernwald erreiche ich den Rand eines Moores
und halte inne.
Zwischen
verschneiten Bulten und Heidekrautbüscheln verliert sich die Spur eines
Fuchses. Dort drüben am Hang glitzern die Birken rauhreifweiss im Sonnenlicht.
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen …
In der glasklaren
Luft hängen klonkende Kolkrabenlaute, bald hier, bald dort, ohne dass ich die
schwarzen Vögel zu erblicken vermöchte.
Novembermorgen -
unter meinen Schritten
bricht das Eis
|
ist dir klar, dass das haiku eine Art Paukenschlag ist? Du reisst ja am Ende den Leser weg von der Landschaft und richtest seine Augen auf dich.
Der Gedanke, warum du jetzt weiter in das Moor gehst, wo man doch einbrechen und versinken kann, will aber nicht zuende gedacht werden!
Der Gedanke, dass unter deinen Schritten oder unter deinem Gewicht das Eis bricht - also dass unter deinem Einfluss am Ende der Geschichte schliesslich etwas passiert - wäre auch komisch. Soviel Ego und finale Fokussierung auf die eigene Person wird hier doch nicht angedacht sein.
Bleibt die Unaufmerksamkeit. Also doch zu weit ins Moor gewagt. Dann werden es aber nicht "all meine" folgenreichen Schritte sein, sondern ein einziger, also ein
Novembermorgen
plötzlich bricht
Eis
Fazit: das haiku-riskante oder irreführende "unter meinen Schritten" könnte m.E. doch einfach entfallen, oder?
Klaus