Statistiken

Besucher: 249950

Archiv

CBE Login

Benutzername   Passwort
 
Angemeldet bleiben
Passwort vergessen?

Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren

Startseite arrow Haibun arrow Sommersprossen
Sommersprossen
© hans lesener   
11. 01. 2010

Sommersprossen

 

Acht Jahre ist der Junge alt, und der Krieg fünf.

Immer heftiger werden die Bombenangriffe. Auch heute nacht muss er wieder mit den Eltern in den Bunker. Am Morgen fragt seine Mutter : „Erinnerst du dich noch an Tante Hannel ? Die wohnt jetzt weit weg, im Vogtland, wo sie geboren ist. Dort fallen keine Bomben, dort ist es sicher. Vati und ich möchten, dass Du zu ihr fährst. Willst Du ?“

 

Tante Hannel -  natürlich erinnert er sich an sie .Er hat sie ein paarmal besucht, ihre Tochter ist so alt wie er. Tante Hannel sieht er genau vor sich : Sie ist blond, hat ein blaues Sommerkleid an, das im Wind weht; um den Hals trägt sie eine Kette aus roten, vielfach geschliffenen Kugeln. Ihre Haut ist ganz weiß, besonders am Hals und oben über dem Kleid; dort hat sie auch Sommersprossen, viele.  Einmal hat sie ihn in die Arme genommen. Weich und warm, und sie duftete. Noch jetzt spürt er diesen Duft nach Milch und Parfüm. Das hat er nicht vergessen. Ihre Sprache ist lustig, anders als seine Eltern sprechen . „Wein e bissel, lach e bissel!„  hat sie gesagt , als er sich mal ein Knie aufgeschürft hatte. 

Tante Hannel , zu der fährt er gerne. 

 

Allein mit 2 Kindern - 

unter ihrem Kopfkissen 

der Revolver .

Kommentare (1)Add Comment
...
geschrieben von Klaus Stute, January 12, 2010
Hallo Hans,
die Sommersprossen gefallen mir gut - als haibun natürlich. Vom Inhalt her geht es ja eher um Unerfreuliches.

Schön finde ich die Vergegenwärtigung der damaligen Geschehnisse in der durchgängigen Gegenwartsform des Textes. Erst im haiku erfolgt dann der (innere) Sprung in die tatsächliche Gegenwart und der Rückblick mit einem Resümieren im Setzen eines finalen Fokus.

Im Nachklang müssen wir feststellen: Kinder bekommen halt doch viele Sachen mit, die man eigentlich von ihnen fern halten will. Das diese Dinge prägend und unvergesslich sind, beweist das haibun sehr ausdrücklich.

Wenn ich mir das heutige Weltgeschehen ansehe, erscheint es mir doch beachtlich, welch ein Glück "unsere" Weltkriegskinder eigentlich damals hatten. Die heutigen Kinder, bei denen sich solche verstörenden Dinge durch die gesamte Kindheit ziehen, leben diese Erlebnisse weiter und kommen aus dem Kreislauf eines kriegerischen Lebens kaum mehr heraus.

Klaus

Kommentar schreiben
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben. Bitte registrieren, wenn Sie noch kein Konto haben.

busy
 
weiter >

Letzte Kommentare

die sonne
Immerhin bilden 491 und 5...
die sonne
Mit Verlaub, "Wenn ein Fi...
die sonne
Mit Verlaub, das sehe ich...
die sonne
Da wir das Lux ja wunderb...
die sonne
Liebe Heike, vielen Dank ...
die sonne
P.S.: Auch heute noch seh...
am ufer
Ja - das haiku hat einige...
die sonne
Ein starkes Thema, das na...
die sonne
Die Sorge ums Universum.....
die sonne
Walter, ich gucke aus de...
hänge nun
Idiomatische Ausdruecke w...
am ufer
Moeglich, Klaus. Aber Han...
am ufer
Ich nehme an, die Rede is...
am ufer
Lieber Hans, beim Kasus ...
Von Wind getragen
Vielen Dank hier für die...
Am Fenster lehn ich
Hallo Klaus, etwas arg ve...
Von Wind getragen
Mir fallen an diesem Text...
Sommersprossen
Hallo Hans, die Sommerspr...
Unter dem Schnee
sehr schönes Bild!
Schnee schauen
Hallo Hans, die Urhebersc...
© 2010 LUXARIUM Haiku und Wordicht Forum Winterthur Schweiz
Design:: LUXARIUM