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dieses
spiel hatte ich von klein an gespielt. nach einem besonderen tagesereignis
setzte ich mich in gedanken auf einen stein, schaute hinunter und betrachtete
mir das erlebte. die einzelnen szenen des tages öffneten sich in meinem kopf
wie zimmer einer puppenstube in die ich von oben hineinblickte und die
menschen, denen ich begegnet war, spielten mir zwanghaft im zeitraffer noch
einmal alles vor. die blickwinkel waren verengt, und die gefühle, die ich beim
ablauf und danach gehabt hatte, waren klebrige bänder, die mich mit dem
erlebten verbanden und es bis heute an mir haften lassen.
aha, sagte ich dann also, dort sitzt
anna und brüllt. anna war an dem tag meine kontrahentin im sandkasten gewesen.
annas mutter war während des geschreis aus dem haus gelaufen und hatte
schließlich die gewünschten sandförmchen herbeigeschafft. weil anna aus einer
laune heraus nicht zufrieden gewesen war, hatte sie ihrer mutter sand ins
gesicht geschmissen. ihre mutter war mit kläglichem gewimmer wieder verschwunden.
die ist blöd, hatte anna geknurrt. das verstand ich nicht, denn meine mutter
war nie blöd, schon gar nicht, wenn sie mir sandförmchen hinterhertrug. aber
bei anna war das anders.
auf meinem stein sitzend, dachte ich an
annas mutter. die war jetzt im haus und wartete darauf, wie der kuckuck aus der
uhr hervorzuschießen, nur weil anna glaubte, dass es zeit dazu wäre. mehr als
den kuckuck und die uhr konnte ich mir nicht vorstellen, weil ich doch noch ein
kind war. aber das reichte schon, um eine gewisse monotonisierung im ablauf der
welt zu erkennen. und weil das mit anna und mit barbara und mit peter ähnlich
war, mit kleinen abwandlungen natürlich, (ramonas, kevins und michelles waren noch nicht geboren), prägte sich mir das bild der welt als ein
habgierig schnappendes maul ein, das in die hand, die ihr futter gab,
hineinbiss.
gleichmäßig
pocht
im
gehäuse das uhrwerk
in
meinem kopf
zu
füßen dieses steins vollzogen sich allabendlich ganze bühnenstücke, aus dem was
mir der tag so geboten hatte. es reihte sich z.b. auch die szene beim
arztbesuch ein. ich hatte mich bei einem sturz an der hand verletzt. die
ärztin, die mir beim verbinden meiner hand erst scherzend geraten hatte nicht
zu weinen, weil sie es schrecklich fände, wenn kinder grundlos herumbrüllten,
hatte kurz darauf begonnen lauthals auf ihre assistentin zu schimpfen. die wäre
jetzt nicht da und hätte sogar vergessen neues verbandszeug auf dem tisch
bereitzulegen.
ich wollte ihr sagen, was ich beobachtet
hatte: kurz bevor ich in das untersuchungszimmer gerufen worden war, hatte ich
aus dem augenwinkel heraus beobachtet, dass draußen der bäckerjunge
blutüberströmt und mit dreck an stirn und wangen von der assistentin unter
mithilfe meiner mutter auf eine liege verfrachtet worden war. ich kam nicht
dazu. es hatte wohl zu lange gedauert, bis ich die worte beisammen hatte um das
bild zu beschreiben, denn sie wartete nicht. man könne sich auf niemanden
verlassen, jammerte sie, zurrte meinen verband fest und bugsierte mich
entschlossen zur tür. da stand der bäckerjunge. seine stirn war frisch
gewaschen, seine wangen sauber, seine hände vom blut befreit, nur am kinn sah
man eine wunde. die ärztin wandte sich ihrer assistentin zu und sagte wie
nebenbei, dass niemand fürs rumstehen bezahlt würde. mit einem
scherzhaften-entschuldigenden blick an meine mutter fügte sie aber noch hinzu,
dass sie den gemütlichen plausch jetzt leider unterbrechen müsse, da es noch
viel zu tun gäbe. als sie einen nassen fleck auf dem kleid meiner mutter sah,
den ich vorher nicht gesehen hatte, wich ihr wohlwollendes lächeln einem
geringschätzigen grinsen, sie zuckte mit der schulter und wandte sich ab. meine
mutter wollte etwas sagen, hatte aber keine gelegenheit mehr dazu, da die drei
mit hastigem gemurmel im behandlungszimmer verschwanden. als ich verwirrt nach
der hand meiner mutter griff, spürte ich, dass diese zitterte.
schamesröte
die
augenlider gesenkt
staub auf schuhspitzen
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Aber meines Wissens ist das schon eine Kurzgeschichte.
Ich-Perspektive, Praeteritum/Perfekt/Plusquamperfekt.
Haibun sollten doch (wenn ich mich recht entsinne) im Praesens geschrieben
werden. Bitte korrigiere mich, falls ich was verpasst habe.
In sich geschlossene Sache mit schoenen Bildern, z.Bsp.:
HAIKU:
gleichmäßig pocht
im gehäuse das uhrwerk
in meinem kopf
>> 2 x "in"!
gleichmäßig pocht
das gehäuse des uhrwerks
in meinem kopf
Nur ein Denkanstoss meinerseits ... und nur EINE Meinung.
LG - HG ;-)