Hallo Andrea- meine spontane Reaktion : Soll sich die letzte Zeile auch auf die "Blicke" beziehen , also "Blicke in einer fremden Sprache" ? Das könnte sehr interessant sein ; aber sind nicht Blicke allgemein verständlich, sozusagen international , nicht sprachen-abhängig ? Wie hast Du es gemeint ? Und : Ist das eine typische "Frauensituation", allein im Cafe? Könnte das Haiku auch von einem Mann stammen ?
Einen guten Freitag den 13. wünscht Hans.
... geschrieben von Andrea D Alessandro,
April 13, 2007
Guten Morgen Hans,
freut mich, von dir zu lesen! Na, so was - eine Fassung, die ich nicht wagte einzustellen lautet:
Allein im Café - vom Nebentisch Blick einer fremden Sprache
Hmm, für die meisten Leser wird das schon ein "frauentypisches" Haiku sein. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass es auch Männer gibt, die sich unwohl fühlen, wenn sie nicht verstehen, was die Gäste am Nebentisch reden. Die Blicke spürt man, wenn dann auch noch gelacht und geredet wird, ist das gar keine angenehme Situation.
Meinst du, man könnte auch "Blick einer fremden Sprache" schreiben?
Einen schönen Tag und bis dann, Andrea, die heute noch nicht gestolpert ist und das auch nicht vor hat
... geschrieben von hans lesener,
April 13, 2007
Hallo Andrea ,
ich bin nicht ganz sicher , was ich antworten soll. Meine Neigung geht zu "Blick in einer fremden Sprache" . Bei "Blick einer fremden Sprache" habe ich ein wenig grammatische Bedenken; es könnte so verstanden werden , als wenn der Blick Dir von der fremden Sprache zugeworfen würde. Aber ich will auch nicht zu pedantisch sein. Beide Fassungen haben ein sehr interessantes Moment : Sie lassen das Irrationale, Rätselhafte, Verschleierte(vielleicht sogar Erotische) des Blicks deutlich hervortreten - und das ist so eine poetische Kombination, da ist Dir wieder etwas Schönes gelungen. Vielleicht kommt sogar diese Poesie stärker bei "Blick einer fremden Sprache" zum Ausdruck , ich glaube , zu dieser Fassung tendierst Du ohnehin , weil sie das Fremdartige stärker zum Ausdruck bringt.
Ich fürchte , ich bin Dir keine große Hilfe ; schreib einfach , was Dir so von der hand geht ...
Noch einen schönen Abend ! Hans.
... geschrieben von Andrea D Alessandro,
April 16, 2007
Hallo Hans,
"Blicke" sollte es natürlich heißen! Hmm, ganz ehrlich? Ich wollte es einfach vermeiden, die letzte Zeile so in die Länge zu ziehen, deshalb habe ich das Wörtchen "in" weggelassen. Aber wahrscheinlich hast du recht, es klingt "richtiger" wenn dieser kleine Zusatz dabei steht. Mir kommt es drauf an zu erfahren, wie es auf den Leser wirkt, wenn man Blicken eine Sprache gibt. Eigentlich gibt es sowas ja nicht, aber vielleicht wird trotzdem oder grade deshalb dann ja deutlich, wie diese Blicke wirken (?) "Das Fremdartige zum Ausdruck bringen" und diese Unsicherheit, die man manchmal spürt, grade wenn man alleine von fremden Menschen und einer fremden Sprache umgeben ist, genau das wollte ich in Worte fassen.
Einen schönen Frühlingstag, Andrea
... geschrieben von Heike Gewi,
April 16, 2007
Liebe Andrea, mich irritieren (als LeserIn) 'Blicke als Laute'. Eine marokkanische Schreiberin meinte nach ihrem Besuch in Deutschland, dass die Deutschen durch ihre Sprache 'geometrische Figuren' im Munde fuehren muessen, weil diese auf sie kantig (vielleicht verletzend) wirkten. Sie stellte sich Dreiecke und Vierecke, die aus den Muendern kommen, vor (Latifa Bagha).
Allein im Cafe - Blicke gehen um Ecken. Mein Tisch dazwischen.
Nur so in Gedanken Heike
... geschrieben von Horst Ludwig,
April 21, 2007
[Allein im Café. / Blicke und Wortfetzen / einer fremden Sprache] Liebe Andrea, "Worte" setzen schon einige Kenntnis der Sprache voraus (woher wüßte ich sonst, daß da nur "Fetzen" von einzelnen Wörtern sind?); "Sprachfetzen" wäre dann schon besser. Und was die "Länge" von c (= "letzte Zeile") angeht: "in fremder Sprache". Ich habe das Gefühl, daß das auch genau das ist, was gemeint ist: Auch die derartigen Blicke gehören in einem selbst hier fremde Sprache. — Ein etwas anderes Haiku wäre das nicht Gewagte, aber mein Vorschlag c würde, meine ich, hier noch besser passen: "Allein im Café - / vom Nebentisch Blicke / in fremder Sprache". — Und da dies eben auch ein Werkstattgespräch ist: Ich würde statt "vom Nebentisch" "vom nächsten Tisch" schreiben, — um durch den Anklang ("Nächsten-Tisch"!) das biblische "Wer ist denn dein Nächster?" und dessen ganze kulturelle Implikation ("diese Unsicherheit" trotz 2000 Jahre alter froher Botschaft) mit in Betracht zu bringen.
... geschrieben von Andrea D Alessandro,
April 22, 2007
Liebe Heike, diese "geometrischen Figuren", die "die Deutschen durch ihre Sprache im Mund führen müssen" haben ich mich zum Schmunzeln gebracht. Stellt man sich das mal bildlich vor und hört die Laute dazu, einfach köstlich, der Vergleich.
Aber ich denke, dass es uns vielleicht allen mehr oder weniger ähnlich geht, wenn wir eine uns ganz fremde und unbekannte Sprache hören. Ich denke mir da auch manchmal, wie die Menschen es bloss schaffen, diese Worte zu formen, so schnell zu reden und das dann auch noch verstehen... Klar, dass es Nichtdeuschsprechenden genau so geht!
Lieber Horst, wenn ich mir das so überlege, dann trifft das mit den "Wortfetzen" schon zu. Aus einzelnen Wortfetzen, die man irgendwo aufschnappt, kann man sich eine Geschichte zusammenreimen, aber dazu muss man die Wortfetzen auch verstehen. "Sprachfetzen"? Hmm, gibt es dieses Wort so? Aber wieso eigentlich nicht? Selbst wenn es das Wort nicht gäbe, würde das auch ein wenig auf das Fremde hindeuten. Dann allerdings könnte ich die letzte Zeile "in (einer) fremden Sprache" der Wortdoppelung wegen nicht mehr verwenden.
Somit wäre die Ursprungsversion dann geplatzt...
Die Idee mit dem "nächsten Tisch" gefällt mir sehr gut!
Danke für eure Meinungen und einen schönen Sonntag, Andrea
... geschrieben von Horst Ludwig,
April 22, 2007
"Somit wäre die Ursprungsversion dann geplatzt..." — Liebe Andrea, nicht zu dem Grade, daß nichts übrig ist! "Aus einzelnen Wortfetzen, die man irgendwo aufschnappt, kann man sich eine Geschichte zusammenreimen,..." beinhaltet, daß man doch wenigstens eben etwas Sprachmaterial aus der fremden Sprache versteht. Und dann wäre für c "aus fremder Sprache" möglich. — "Sprachfetzen": Natürlich gibt es das Wort! Ich habe es doch benutzt, und Sie haben es verstanden. Wörter sind doch nicht nur die, die der Duden (ein unmögliches Buch heutzutage sowieso) auflistet! Ein Haikufreund hat denen mal angeregt, das Wort "Eisprung" aufzunehmen, und die haben's dann in der nächsten Ausgabe getan. Als ob's das Wort nicht vorher schon gegeben hätte und Leute nicht schon vorher — wenn auch vielleicht hinter vorgehaltener Hand — davon gesprochen hätten! — Eine schöne Sonntagsrast in Ihrem Sonntagsrest Ihnen und allen Haikufreunden! (Alle Hauptwörter dieses Satzes stehen nicht im Duden. Was verstehen die da eigentlich noch von der wirklichen Welt?!?)
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meine spontane Reaktion : Soll sich die letzte Zeile auch auf die "Blicke"
beziehen , also "Blicke in einer fremden Sprache" ? Das könnte sehr interessant sein ; aber sind nicht Blicke allgemein verständlich, sozusagen
international , nicht sprachen-abhängig ?
Wie hast Du es gemeint ?
Und : Ist das eine typische "Frauensituation", allein im Cafe? Könnte das Haiku auch von einem Mann stammen ?
Einen guten Freitag den 13. wünscht
Hans.