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Area di servizio
© Andrea D Alessandro   
13. 07. 2008

Area di servizio -
eine Zigeunerin
spuckt vor mir aus


Kommentare (12)Add Comment
...
geschrieben von Heike Gewi, July 13, 2008
Musste google's Sprachtool in Anspruch nehmen, um den SERVICE-BEREICH auszubaldovern.

Awer glewwer, de Andrea!
Da daedsch misch doch glei bedanken und graeftsch riewerschniewen. Un e hebbschen gegriend haeddsch ooch.

supa!
sachd de Heike ;-)))))))
...
geschrieben von Heike Gewi, July 13, 2008
was heesd: ariwidaertschi!
...
geschrieben von Klaus Stute, July 13, 2008
Das, liebe Andrea bzw. Heike, ist jetzt aber wirklich ein haiku, das eigentlich ein dazugehöriges haibun erzwingt. Die Besonderheit: es zwingt den Leser, sich in Ruhe das Umfeld zu dem haiku dazuzudenken.

Man kann sich natürlich nach dem Standpunkt des Autors fragen. Aber es wird schnell klar, dass das ein Ausflüchten wäre. Gefragt ist der eigene Standpunkt, das Stellung beziehen.

Mein Einstieg war - heute und zufällig(?) - folgender:

heute nachmittag stand ich mit meinem Sohn hinter dem Auto; wir holten etwas aus dem Kofferraum. Auf dem Bürgersteig ging ein 8-10 jähriger Junge vorbei, südländisches Aussehen. Er spuckte neben uns auf den Bürgersteig.

Natürlich habe ich zu meinem Sohn gesagt: hast du gesehen, wie der kleine Wichser gespuckt hat!?

Im Nachhinein hoffe ich natürlich, dass der Junge das nicht mehr gehört hat. Falsche Ansätze können auch durch Fehler - umgangssprachlich: in dieselbe Kerbe reinhauen - einer anderen Seite weiter zementiert werden.

Statt Wichser lese ich jetzt das Wort "Zigeuner". Das ist schon lange out (man sagt Sinti oder Roma) und damit quasi ein Unwort. Es entspricht also meinem Schimpfwort aus meiner Vorgeschichte und für beide gilt: es wirft ein Stück der entgegengebrachten Verachtung zurück.

Nun können wir wohlerzogenen Deutschen uns zugute halten, dass wir diese fremdenfeindliche Verachtung - genauer gesagt: das Zeigen derselben - eigentlich nicht an den Tag legen; und dass die beschriebenen Reaktionen eben "nur" Reaktionen waren.

Aber bei genauem Hinsehen ist das "nur" ein kleiner Knopfdruck - und schon schallt es aus dem Wald so zurück, wie hineingespuckt wurde.

Das Kopfschütteln über den anderen müsste denn wohl jetzt nahtlos in ein Kopfschütteln über uns selber übergehen.

Nein! Natürlich nicht. Weder die eine, noch die andere Seite wirft sich selber etwas vor. Wir berufen uns ja immer auf etwas: sei es auf einen aktuellen Affront - sei es auf uralte Geschichten; Wunden, die "uns" vor langer Zeit beigebracht wurden und die Verachtung für die Täter-Nachkommenschaft rechtfertigen...

Diese Dinge wollen wir an dieser Stelle aber jetzt nicht weiter aufrollen. Es fehlt nämlich noch die Analyse bzw. das Einbeziehen der ersten Zeile des haiku in unsere Betrachtung.

Die Fragen dazu: wer wird bedient - wer nicht bzw. wer wird gerne gesehen - wer nicht. Wer ist der Ausgeschlossene - wer derjenige, der ausschliesst...

Wer hat angefangen??
Wer kann nicht aufhören??
Bedingt sich da nicht etwas gegenseitig?

Wie soll ich auf jemand zugehen, der vor mir ausspuckt? Der will mit Sicherheit keine Annäherung.

Aber gehe ich auf ihn zu (hier: bediene ich ihn), wenn er mich lässt?

Wenn denn die Annäherung gar nicht gewünscht ist, was soll dann diese Vermischung? Man kann sich doch so schön im Urlaub gegenseitig...

Ja Scheisse. Ich weiss es auch nicht.

Ich weiss nur eins: der Mensch umgibt sich am liebsten mit "seinesgleichen" - also der gefühlten "gleichen" Wellenlänge. Das gilt nicht nur für den Freundeskreis, sondern gerne auch für das Wohnumfeld...

Aber hat das was mit ethnischen Dingen zu tun?

Ich behaupte: nein. Es hat was mit Offenheit zu tun. Mit sich öffnen. Mit aufeinander zugehen; miteinander umgehen - nicht sich aus dem Wege gehen. Das ist ein langer Prozess. Ein sehr langer. Ein Lernprozess. Beiden Seiten muss klar sein: ich selber kann nur jemanden annehmen, wenn er mich annimmt.

Die Zigeunerin muss freundlich behandelt werden. Egal welche alten Verhärtungen sie mit sich rumschleppt bzw. wir. Den Türken- oder was weiss ich welche Nationalität- Jungen werde ich bei der nächsten Begegnung fragen, ob er ein Kaugummi will.

Wenn wir Ablehnungen und alte Vorurteile abstreifen können, müssen andere das doch auch schaffen.

Klaus

NS. Das kann man allerdings nur, wenn es einem wirtschaftlich gut geht.
...
geschrieben von Heike Gewi, July 14, 2008
Hallo Andrea,
um ver-heer-ende Folgen zu vermeiden,
wuerde ich "mich" aus dem Bild rausnehmen und
anders formulieren (je nach Kultur-u./o. Entwicklungstand
faellt dann die Entscheidung zur Inanspruchnahme des Service aus):

Arena ... di wasweess denn-isch -
eine Zigeunerin spuckt
in die Haende

Heike ;-)))
[Zirkusmeister]
...
geschrieben von Heike Gewi, July 14, 2008
Ja, kopierte die schwierige Zeile:

Area di servizio -
eine Zigeunerin spuckt
in die Hände


Von Klaus stammt nur das "ä"
;-))
...
geschrieben von Walter Mathois, July 15, 2008
Ja Klaus, weg von den Sprachtabus....

Area di servizio
eine Zigeunerin
bespuckt den Boden

War das an der Autobahn? Vielleicht hat die Frau Ihren familären Mercedes verlassen und sich vom Rest des Kau[tabaks, gummis] getrennt. War es wirklich eine rassistische Geste, wie Klaus nach lesen deines Haikus - zurecht - vermutet hat?

Ich würde es offen lassen (= mein kleiner Tick für das leicht Geheimnisvolle).

Die Geige fidelnd
Walter
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, July 15, 2008
Hallo zusammen,

um allen Irrgedanken gleich mal vorzubeugen: NEIN, das hat absolut nix mit einem Schimpfwort zu tun und daher auch nix mit Diskriminierung oder dergleichen.
Ich dachte mir aber schon, dass so ein Einwand kommen könnte.

Eigentlich müsste das ganze Haiku in italienischer Sprache geschrieben sein, aber wenn ich dann die Übersetzung mitgeliefert hätte, würde da wieder das Wort "Zigeunerin" auftauchen. Denn es war eben eine...Ich hab null Ahnung, ob nun eine Sinti oder eine Roma. Ein Schimpfwort? Nö, denke ich nicht. Wieso auch? So ist das Haiku gar nicht gedacht.

Es ist nicht autobiografisch, sondern aus "ehemannbiografischer" Sicht geschrieben, und hat sich genau so zugetragen. Und wenn ich eure Reaktionen so lese, dann wird mir immer bewußter, dass die kleine Vorgeschichte (in Form eines Haibun) doch wichtig wäre.

Ich will es mal versuchen. Vielleicht gelingt es mir ja auch dieses Geheimnisvolle, das der Begebenheit anhaftet ein bisschen mit hineinzubringen, und euren "schlechten Gedanken" über mich den Garaus zu machen smilies/wink.gif

Bis dann,
Andrea
...
geschrieben von Klaus Stute, July 15, 2008
Hallo Andrea,
ich hab "etwas" überzeichnet - mit dem Vergleich der beiden o.a. Worte. Sicher ist Zigeuner kein krasses Schimpfwort, also mit beleidigendem Charakter. Aber es ist ein Unwort, genauso wie Neger (wobei das amerikanischen nigger sicher ein Schimpfworrt ist). Die Verwendung geht also schon am Rande des Abfälligen spazieren.

Mein voriger Kommentar war natürlich auch etwas einseitig - ich war offenbar mit der Verärgerung über das Spucken dieses Kindes beschäftigt, also mit der Überzeugung, dass ihm das schon in dem zarten Alter "in Fleisch und Blut" übergegangen ist.

Die "schlechten Gedanken" über dich, Andrea, verstehe ich nicht. Wenn mir jemand, auf welche Weise auch immer, eine reinhaut, dann sage ich halt: "du Arsch". Quasi als Mindest-Reaktion.

Ansonsten bin ich gespannt auf den d'Alessandrischen Kontext. Natürlich hatte ich auch "oben" schon Anflüge von anderen Umständen; aber dieselben weiter auszumalen hätte den Kommentar gesprengt.

:-) Klaus
...
geschrieben von Walter Mathois, July 15, 2008
Hallo Klaus,
ich sehe darin kein Schimpfwort. Sollten wir wirklich jedes sg. "Unwort" mit einem Tabu belegen? Wie kommt den der Sinti-und-Roma-Baron rüber...oder lt. Kafkas Arzt: Lungenspitzenkatarrh, statt Tuberkulose....:-)

Andrea, eine Frage als Italienfreund...so, oder ähnlich..?

Area di servizio -
una zingara
gli sputa fuori

Liebe Grüße
Walter
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, July 15, 2008
Neee, Klaus, mit den "schlechten Gedanken" (man beachte die Anführungszeiche smilies/wink.gif), dacht ich doch nicht, dass ihr jetzt schlecht über mich denkt. Ich war wohl schon ein bisschen in die Geschichte zum Haiku vertieft. Da geht es nämlich um einen Fluch, der angeblich irgendwann mal ausgesprochen wurde. Und einen Fluch verbinde ich halt automatisch auch mit "schlechten Gedanken".
Die "italienischen Zigeuner" lesen den Passanten oft, gegen eine kleine Gebühr selbstverständlich, aus der Hand. Damit hat das auch im weiteren Sinn zu tun. Und manchmal erzählen sie einem auch Dinge, da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, sage ich euch! Nein, ich bin zwar nicht abergläubisch, doch so manches zwischen Himmel und Erde....

Also absolut kein Schimpfwort, dieses Wort "Zigeunerin".
Mit manchen Bezeichnungen muss man wirklich vorsichtig sein, klar. Aber -menno- muss ich die Frau erst fragen, ob sie eine Sinti oder eine Roma ist, bevor ich ihr ein Haiku widmen kann? Und sie hat nun mal ausgespuckt...das macht so manche andere/r Frau/Mann auch. Relevant ist es hier aber nun mal, dass gerade diese Frau es vor dem Autoren getan hat.

Och mennoooo, wo ist denn Sonja? Die könnte das mit Sicherheit ein bissel besser erklären.

Als Reinhauer hatte ich das jetzt gar net verstanden, Klaus. Sollte es das denn sein? smilies/grin.gif Ich hatte nur nach dem Absenden des Haiku schon befürchtet, dass ich eventuell in Erklärungsnot geraten könnte. Und die klausschen Ausmalungen sind immer originell. Auf die wäre ich ja trotz der Länge gespannt!

Bis dann,
Andrea
...
geschrieben von Heike Gewi, July 15, 2008
Also, her mit dem haibun und rein mit der Magie, die ich so liebe - auch in Deinen Texten (s. TRAUM-haibun!). Laengere Texte geben mir momentan mehr als [gekonnte] Kurzfassungen, wohl wegen der Eineindeutigkeit.
Von 'Interpretationen' bin ich schlicht abgesaettigt.

Schwing' die Feder!

Herzlich,
Heike
...
geschrieben von thomas geisler, December 01, 2011
Das ist eine Sternstunde, ich könnte den Haiku 10 Seiten lang loben, bin deswegen hier rein. Eine Weissagerin, die dir vor die Füße spuckt, womöglich intelligenter als Kaffeesatz. Dazu noch der Witz mit dem Schild. Ich glaub, dass das Erlebnis echt ist, aber falls nicht, bin ich mal gespannt.

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