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das neue tattoo
© sonja raab   
06. 10. 2008
kaffee bei mama ?
aus dem langen ärmel
guckt ein wal


alte version:

mutter kocht kaffee
unter dem langen ärmel
das neue tattoo

Kommentare (8)Add Comment
...
geschrieben von Gabriele Brunsch, October 06, 2008
Liebe Heike,

wie gut beobachtet. Die Situation wie eine Filmszene umrissen, mit dem Auge des Beobachters, der die Einstellungen der beiden genau kennt.
Ich finde, es ist ein gelungenes Haiku.
Modern und aussagekräftig - sicherlich nicht nur Frauen ansprechend.
Ein Bekannter von mir rastete kürzlich bei einer Gesellschaft aus, als die Diskussion auf Tattoos kam. Seine Tochter (noch 13) würde sofort rausfliegen, wenn er sie bei derlei Mist erwischen würde.
Toleranz - ???

Ganz schnell nur...
Liebe Grüße
Gabriele
...
geschrieben von sonja raab, October 06, 2008
liebe gabriele!
danke für deinen lieben kommentar!
wollte nur leise anmerken, daß ich sonja heisse. *grins*

da ich rausgefunden habe, daß ich selbst auch manchmal untolerant bin, akzeptiere ich seit neuestem auch untoleranz mir gegenüber. *lach*
ich mag zum beispiel keine rechtskradikalen. da bin ich untolerant. sowas will ich einfach nicht in meinem umfeld haben... und ich gebe zu, ich versuche auch immer wieder, solchen leuten etwas anderes einzureden...

seit mir das bewusst ist, geht`s mir aber auch leichter mit meinen tätowierungen.
ich bin halt einfach ich. und die anderen sind eben die anderen. und alles hat seine berechtigung und seinen sinn.

nur meine mama erfährt imemr als letzte von meinen neuen tattoos. die findet sie einfach schrecklich. das liegt an ihrer angst ich könnte als aussenseiter abgestempelt werden. (ist also ihre sache).
ich bin gern ein bisschen aussenseiter. wer sich die mühe macht mich kennen zu lernen, wird schnell feststellen, daß die tattoos zwar utner die haut gehen, aber keinen einfluss auf meinen charakter haben.

alles liebe, sonja
...
geschrieben von sonja raab, October 06, 2008
oh, ich glaub, das ist besser:

kaffee bei mama
unter dem langen ärmel
das neue tattoo

alles liebe, sonja
...
geschrieben von Gabriele Brunsch, October 06, 2008
Liebe Sonja,

verzeih mir den Namenmix.

Ich bin ein absoluter Gegner von Tattoos. Sie sind für mich eingemeißelter Zeitgeist - Momentgeschmack. So wie sich der Stil von Kleidung (Mode) im Laufe des Lebens (fast jährlich) ändert, so ändert sich auch die Begeisterung für Trends und persönliche Neigungen.
Was ich in der Haut, am Leib habe, das wird mir bleiben... auch dann, wenn meine Vorstellungen und Ideen sich schon geändert haben werden.

Nun, ich bin zwar gegen Tattoos, habe aber sehr intensive Erlebnisse damit gehabt. Von einem will ich Dir kurz erzählen. Mein Sohn Wolfgang-Imre hatte einen Freund, einen jungen Canadier, der jedes Jahr für vier Wochen nach Deutschland kam. Gleich nach der ersten Begegnung wussten die beiden, dass és eine wirklich enge Freundschaft war, die sie verband. Sie waren 19 Jahre alt. Das ging 5 Jahre so. Sie schrieben sich nie, hatten keinen Kontakt, nur dann, wenn er kam, dann war es immer das gleiche, sie versuchten so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen, machten Wandertouren im Gebirge, gingen auf Festivals, machten Musik miteinander und redeten nächtelang.
Als mein Sohn gestorben war, kam er wieder. Er besuchte mich. Wir saßen lange zusammen. Dann plötzlich sagte er, er wolle mir etwas zeigen.
Er zog seinen Pullover aus und drehte sich um. Auf seinem Rücken über dem linken Schulterblatt bis zur Wirbelsäule war ein riesiges Tattoo mit einem großen, schwarzen Grabkreuz, darauf hatte er sowohl den ganzen Namen mit Geburts- und Todesdatum eingeschrieben und ein Gedicht, das mein Sohn geschrieben hatte, war vollständig darunter eingeritzt.
Ich stand sehr lang. Es verschlug mir die Sprache. So etwas hatte ich in meinem Leben nicht gesehen, es war schrecklich, es war grauenhaft.
Doch im gleichen Augenblick wurde mir klar, dass dieser junge 24-jährige Mann die größte Ehrerbietung vorgenommen hatte, die man einem verstorbenen Freund entgegen bringen kann, er hatte sich ihm auf eine traurig-schaurige Weise für immer verbunden. Ich schluckte mein Entsetzen runter und war dann in der Lage, als er sich mir wieder zudrehte, ihm in die Augen zu sehen und ihm zu danken für seine Freundschaft und seine Treue.
Er wird es wohl hunderte Male in seinem Leben erklären müssen, wem er da huldigt, mit diesem Tattoo, er wird es wiederholen und wiederholen.
Er wird von meinem Sohn erzählen, da drüben in Nova Scotia, am anderen Ende der Welt, dass er einmal einen Freund hatte, der ihm der wichtigste Freund auf Erden war...

Liebe Sonja,

Deine Version

kaffee bei mama
unter dem langen ärmel
das neue tattoo

finde ich auch besser. Es umreißt die ganze Situation, Kaffee bei Mama ist ja eine längere Geschichte, das Kaffeekochen ist nur ein kurzer Teil davon, aber das Dasitzen, das Bemühen, das Tattoo zu verbergen, den Ärmel runterzuziehen, damit er nicht verrutscht. Gespräche über Tattoos vermeiden, damit man nicht lügen muss, usw.

Mir gefällt Dein Haiku sehr.
Gabriele
...
geschrieben von Gabriele Brunsch, October 06, 2008
Liebe Sonja,

tröste Dich, meine beiden Töchter (die süßen, schönen Frauen) einer (fast) intoleranten Mutter, haben beide ein Tattoo. Meine Kleine, jetzt 24 hat ein ganz winziges, 2 cm, Yinyang-Zeichen auf dem Oberarm und meine große, eine wasweißich-Nostalische-Sehnsuchtszeichnung auf ebendemselben Ort - beide kennen meine Einstellung, aber das ändert doch an meiner Liebe zu den beiden gar nichts!
Sie sind für mich genau die gleichen geblieben, die sie vorher waren. Ob sie natürlich im weiteren Leben immer zu ihrer Entscheidung stehen werden, das werde ich niemals beeinflussen können, das werden sie dann allein mit sich selbst ausmachen müssen.

Wir haben eine wilde Zeit, in der wir leben. Ein jeder ist jedoch, nach einer Zeit in Obhut der Eltern, allein für sich verantwortlich. Wir Alten (Älteren/Anderen), wir können ein wenig Beistand leisten, wir können - wenn es gewünscht wird - Ratschläge geben und helfen. Aber ansonsten gehört die Zukunft und die Welt Euch - (Eure Euch und unsere uns - einem jedem seine eigene)!
Und die Vielfältigkeit ist es schon immer gewesen, die die Welt bunt und spannend und lebenswert gemacht hat.

Also, dies wollte ich nur noch hinzufügen, damit Du weißt, dass auch ein absoluter Tattoogegner/Ich durchaus in der Lage sein kann mit dieser Wirklichkeit zurecht zu kommen.

Love
Gabriele
...
geschrieben von sonja raab, October 07, 2008
*lach*
danke gabriele für`s aufschreiben deiner gedanken dazu.
nun, tattoos sind natürlich momentaufnahmen.
in meinem fall haben sie aber weniger mit mode als mit spirituailität zu tun, da ich sie nicht aus schönheits-gründen, sondern als ehrbietung den geistern gegenüber tätowieren lasse. (ich lebe schamanisch)
für mich ist auch das endergebnis auf der haut weniger wichtig, als der moment, wo es gestochen wird, in dem ich voll und ganz in die geistwelt gehe und dieses geschenk überreiche an die krafttiere, totemtiere, helfer und geistwesen der anderen welt.
das ist meine art, diesen wesen zu danken, für ihren beistand, ihre hilfe.
ich merke auch nachdem die tätowierung verheilt ist, wie es im alltäglichen leben zu "arbeiten" beginnt.
für mich sind die tätowierungen umsetzung von denken ins tun.
sie geben mir kraft. und sie sind zeugen eines lebensabschnittes von mir. etwas, das ich aufgearbeitet habe. abgeschlossen habe.
also weit mehr, als nur ein bild auf der haut.
so, wie der grabstein des freundes. das war wohl nicht nur in diesem leben eine verbindung, sondern eine viel ältere... respekt, daß er das durchgezogen hat.

alles liebe dir, sonja
...
geschrieben von sonja raab, October 08, 2008
inspiriert durch walter mathois hier meine neue lieblings-version:

kaffee bei mama ?
aus dem langen ärmel
guckt ein wal


smilies/grin.gif
...
geschrieben von Walter Mathois, October 08, 2008
Ich hätt' gern bei Muttern einen Kaffeepot[t] nach meiner Wa[h]l...
upps...was da entstand...sehr schön...mir gefällts
Liebe Grüße
Walter

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