ich möchte erzählen wie alles kam und wie`s war und was es war und wie es jetzt ist...
Es begann letzten Mittwoch. Die Hebamme war eine Stunde zuvor noch da und ich hab geheult- hatte Schüttelfrost und 37.7 Grad "Fieber" (für mich ungewöhnlich, da ich meistens um die 35 Grad habe) - sie meinte, das wäre psychisch weil es so weh tat beim Stillen... ich hab lange mit ihr geredet und sie fuhr mit einem guten Gefühl, ich wollte weiterkämpfen für das Stillen und gegen die Schmerzen dabei.
Eine Stunde später Bauchkrämpfe dass ich nur noch heulte- das Telefonbuch um die Ärztin zu rufen lag zwei Meter neben mir und ich konnte nicht mehr hin, zwei Meter und ich hatte solche Schmerzen dass ich den Bund meiner Hose vom Körper weg hielt mit beiden Händen, weil es schmerzte wenn er beim Bauch ankam. Eine viertel Stunde zuvor war Mattias noch einkaufen gefahren, keine Anzeichen von irgendwas…
Ich saß am Sofa, schrie und heulte vor Schmerzen, und mein Sohn lag neben mir und schrie ebenfalls- ich konnte ihn nicht nehmen.
In dem Moment kam meine Tochter nach Hause. Meine Mutter die ich inzwischen per Handy informiert hatte dass etwas nicht stimmt mit mir, hatte inzwischen eine Ärztin zu mir geschickt, die konnte nur noch den Notarzt rufen und mir Beruhigungstropfen geben- sie hatte keine Tasche dabei. Die Ärztin berichtete später, dass es von Minute zu Minute schlechter wurde und der Notarzt ewig lang brauchte… sie rief zweimal dort an.
Bis der Notarzt kam war ich halb weggetreten, ich kann mich nur noch an Bruchstücke erinnern, die Sanitäter räumten mein Wohnzimmer leer, holten die Trage rein, die Hose wurde mir ausgezogen, ich bekam mehrere Spritzen. Meine Mutter war wohl da, ich nahm sie kaum wahr, dann das Gesicht einer Nachbarin, meine Tochter hielt Finn auf dem Arm und heulte, eine Nachbarin erzählte, dass sie ganz verheult raus kam zu ihnen vors Haus und dauernd nur heulend sagte , dass ich so viele Spritzen bekomme… die war ganz geschockt… und wurde dann von Nachbarn getröstet…
Dann stand der Notarztwagen noch lange vor dem Haus, daran kann ich mich nicht erinnern, das wurde mir später erzählt. An die Fahrt ins Krankenhaus kann ich mich erinnern, da waren die Schmerzen halbwegs erträglich… Dann die Aufnahme in der gynäkologischen Abteilung… und dann ist da so vieles…
Ich muss geschrien haben erzählte meine Mutter die draußen wartete, ich wurde untersucht und hatte wieder höllische Schmerzen dabei, dann viele viele Infusionen und Stiche in die Arme- keine Ahnung was die mir alles gaben, dann hörte ich eine Ärztin immer wieder sagen: „Frau Kellermair, können sie mich hören?“ ich konnte, aber ich hatte kaum Kraft eine Antwort zu geben, war völlig ausgetrocknet. Dann Fratzen in violett und gelb, der Raum dehnte sich aus und alles wurde weiß, dann zog sich der Raum zusammen und alles wurde schwarz- ich dachte: “Werd ich jetzt sterben?“ Ich bekam Angst- wollte nicht sterben.
Dann öffnete ich die Augen und sah Mattias weinend neben mir stehen, ich sagte er braucht doch nicht weinen, und fragte wo Finn ist? Dann wieder der gedehnte Raum, irgendwer sprach von kollabieren und Blutsturz und ich wurde wieder gestochen, sie fanden keine brauchbaren Venen… (Ich bin jetzt noch blau und grün auf beiden Armen, zerstochen von den Handrücken bis rauf zu den Armbeugen… )
Dann Computertomographie, ich wurde auf die Schiene gehoben, wieder höllische Schmerzen, dann Lungenröntgen, da war ich wieder halbwegs bei Bewusstsein.
Dann kam ich auf die Überwachungsstation, drei Flaschen über meinem Bett, Sauerstoffschlauch in der Nase, völlig ausgetrocknet und erschöpft, verschwitzt… alle viertel Stunden pumpte sich der Blutdruckmesser automatisch auf, Herztöne wurden angezeigt, ein Arzt legte einen Zentral-Katheder, (der wurde genau in mein Bärentatzen-Tattoo ober der Brust gelegt… das fand ich später ziemlich interessant… dann noch einen Katheder für den Harn, (wieder Angst weil ich ja gerade genäht wurde und von Schmerzen inzwischen die Nase voll hatte, ich bettelte darum, dass ich diesen Katheder nicht bekomme und sie mir stattdessen eine Bettpfanne bringen, aber das betteln nützte nix, Mattias musste raus und ich wurde „verkabelt“ wobei ich wieder zitterte und heulte wie nach der Geburt… )
Eine Nacht lang lag ich dann in der Überwachungsstation, Antibiotikum reingepumpt bekommen, Schmerzmittel, Magenmittel, Mattias die ganze Zeit neben mir, und ich heulte weil ich nicht wusste wer sich um Finn kümmert- er wurde zwischenzeitlich auf die Geburtenstation gebracht. Erst als Mattias rauf ging um nach ihm zu sehen, und mir hinterher versicherte, dass es ihm gut geht, konnte ich mich entspannen und schlief ziemlich erschöpft ein.
Morgens dann bekam ich alle Zugänge die am Vortag gelegt wurden wieder raus, auch den Katheder für den Harn bekam ich wieder raus, nur der Zentralkatheder in meiner Bärentatze blieb drin bis zum Schluss) durfte mit Begleitung einer Schwester duschen gehen…
Dann kam ich rauf auf die Geburtenstation und durfte endlich Finn-Loris wieder sehen, als er reingebracht wurde heulte ich gleich wieder los…
10 tage Antibiotikum-Therapie, täglich mehrere Flaschen Vibramycin, Ringerlösung, Metronidazol Sandoz vibravenös, dazu schleimlösende Tabletten, Magenmittel, Blutbildkontrollen, usw… Meine Entzündungswerte lagen bei 18, ein gesunder Mensch hat Werte von 0- 0,5 !! Hätten die Antibiotika nicht gewirkt, hätte die Gebärmutter entfernt werden müssen. Glücklicherweise schlug alles gut an.
Die Ärzte erklärten mir, dass ich ruhig weiter stillen könne, die Antibiotika würden dem Kleinen nichts tun… Ich glaubte ihnen kein Wort und beschloss abzustillen. Vier Tabletten und zwei Tage später war keine Milch mehr da und ich war wieder ein Häufchen Elend, als ich ihm die erste Flasche fütterte und es als zweite Trennung nach dem durchschneiden der Nabelschnur empfand. Ich war total fertig weil es mir so leid tat für Finn-Loris…
Was ich nun gelernt habe:
1) Die wichtigen Dinge des Lebens sind Kinder, Blumen, der Wind und die Wolken. 2) Nütze den Tag- es könnte dein letzter sein. 3) Schamanismus ist gut und schön, ein Krankenhaus und Antibiotikum kann auch helfen. Gemeinsam ist manchmal besser. 4) Vor 60 Jahren wäre ich an Kindbettfieber gestorben. 5) Ich muss manchmal ein altes Leben sterben um ein neues Leben beginnen zu können. 6) Bis zum heiraten wird alles gut (geht sich knapp aus)
... geschrieben von Günther Peer,
May 26, 2007
Für deine Erfahrungen nach deiner Entbindung finde ich keine Worte,die genug beschreiben könnten, wie leid es mir tut.
Alles alles Gute dir Sonja und deinem Sohn Finn. Ah, dir und deinem Bräutigam natürlich auch herzlichen Glückwunsch zur baldigen Vermählung!
Liebe Grüße Günther
... geschrieben von sonja raab,
May 27, 2007
vielen dank, lieber günther. es muss dir nicht leid tun. diese worte muss man anders formulieren. man kann sagen, daß man mitfühlt mit jemandem. aber tu dir kein leid an wegen mir. das hilft gar nix.
und: es geht mir ja wieder gut. ich lebe und ich bin eine erfahrung reicher und sehe das leben jetzt wieder anders. es musste so sein. und es ist vorbei.
alles libe, sonja
... geschrieben von Günther Peer,
May 27, 2007
Ja liebe Sonja, als Mitgefühl war es ja auch gemeint, es sollte nicht zu religiös klingen.
Aus deinen Zeilen entnehm ich,dass du liebe Sonja tatsächlich aus deinen Erfahrungen viel lernst und das freut mich sehr für dich.
Wie geht es dir jetzt psychisch, alles ok? Du bist eine sehr beneidenswerte starke Frau, wie eben eine Löwin ist und das ist gut.
Alles Liebe dir und dem kleinen Finn Günther
... geschrieben von sonja raab,
May 27, 2007
psychisch geht es mir gut, soweit ich das grad empfinden kann- es fühlt sich alles etwas anders an jetzt- ich bin noch am ordnen der dinge- man fühlt und denkt und lebt anders nach sowas... ein bissl so, als ob man gerade mit einer wilden achterbahn gefahren wäre, und dann aussteigt aus dem ding, und dann wackeln einem noch ne weile die knie und man fühlt sich etwas schwummerig. so gehts mir grad.
herzgruss,
sonja
... geschrieben von Günther Peer,
May 27, 2007
das jetzt alles etwas anders ist als vorher, darf nicht verwundern. So eine Erfahrung hinterlässt innerlich schon Spuren, klar. Dafür macht sie dich aber noch stärker als vorher.
Herzgruß Günther
... geschrieben von 1o2 1o2 1o2,
May 27, 2007
Liebe Majun, dein Text hat hohe literarische Qualität. Er kommt weg vom "Shasei", dem bloßen Zeigen mit dem Finger auf etwas, dem Abbilden des Erlebten. Dass mit dem weißen Kittel auch die Hoffnung verweht, diese Methaphorik ist groß.
Aus dem Gedächtnis schreibe ich auf (es gibt verschiedene Übersetzungen).
Krank auf der Reise - meine Träumen irren übers verblühte Feld (Basho)
Bei Basho wird auch etwas von der Seele auf die Außenwelt projiziert, wie auf eine Leinwand, auf der es alle sehen können.
Das Haiku sollte sich in dieser Richtung weiterentwickeln, weg vom kindlichen Zeigen: "Da!" So kann diese alte Poesieform aus Japan sogar mit der deutschen Lyrik zusammenkommen.
Ich hätte aber noch den Vorschlag umzustellen:
aus dem zimmer weht ein weißer kittel und die hoffnung
Die Hoffnungslosigkeit ist das, was zurückbleibt, wenn der weiße Kittel nach außen geweht ist, meine ich. Sie sollte ans Ende.
Herzliche Genesungswünsche Rudi
... geschrieben von sonja raab,
May 28, 2007
ja, du hast recht rudi, die hoffnung sollte an den schluss. allerdings bleib ich bei "EIN weißer kittel" hängen. weil es sich eher um "DEN" weißen kittel handelte.... (der oberarzt) der an diesem tag gemeint hat ich dürfte noch nicht nach hause sondern müsse noch einige tage länger bleiben... was meinst du? macht dieses eine wort was aus?
aus dem zimmer weht der weiße kittel und die hoffnung
alles liebe dir, sonja
... geschrieben von 1o2 1o2 1o2,
May 28, 2007
Völlig ok, Majun!
"Der" weiße Kittel hat sogar noch den Vorteil, dass der Kittel personifiziert ist. "Der" Kittel steht für "die" Person, die keine Hoffnung gibt, nur die Medizin verkörpert.
Herzlich Rudi
... geschrieben von Andrea D Alessandro,
May 28, 2007
Ich hatte mir schon gedacht, dass etwas nicht ok ist, Sonja, du hattest dich ja immer kurz gemeldet vorher. Dass es euch aber so gewaltig getroffen hat...
Um so größer ist die Freude, wieder von dir zu lesen und von euch zu hören! Zum Glück ist alles wieder in Ordnung und eine klitzekleine positive Seite hatte das ganze ja auch. Du siehst das Leben ein bisschen anders, wohl noch intensiver und das macht auch noch ein bisschen glücklicher ganz tief in einem drin.
Und das Haiku? Finde ich auch gut! Nur drängt sich mir immer "mit dem weißen Kittel" auf - dieses "mit"...der Kittel hat die Hoffnung ja quasi mit aus dem Zimmer genommen.
Aber die Umsetzung ist schwer. Die Hoffnung würde dann wieder in der zweiten Zeile landen und das wolltest du ja auch vermeiden. Hmm, und eigentlich habt ihr Recht, wenn ihr sagt, dass man die erst in der letzten Zeile erwähnen sollte. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt, wie man so schön sagt...
Dann also lieber so stehen lassen.
Ganz, ganz herzliche Grüße an euch Andrea
... geschrieben von Klaus Stute,
May 29, 2007
Der weisse Kittel ist doch der Hoffnungsträger; also kann man ihm doch die Hoffnung anhängen!? Mir stellt sich nämlich die Frage: kann das "und" entfallen?
Zeile 2 und 3 schwanken dann zwischen einer Aufzählung, bei der auf das Komma verzichtet wird - und der Möglichkeit, die beiden Zeilen zusammenhängenhängend zu lesen und das haiku als einen Satz zu sehen. Das bleibt dem Weiterdenken überlassen. So oder so ergibt sich m.E. beim Lesen nach der 2. Zeile eine Pause.
aus dem zimmer weht der weiße kittel die hoffnung
Ansonsten, Sonja: oh Mutter... - nicht auszudenken...
Klaus
... geschrieben von Beate M. Conrad,
May 29, 2007
Ja, liebe Sonja, was Du da schreibst, gelesen habe ich es schon kurz nachdem Du es einstelltest. Da hatte es mir erst einmal vollends die Sprache verschlagen und entsprechend konnte ich dazu gar nichts schreiben. Doch freue ich mich für Dich und Deine junge, kleine Familie, daß es letztendlich doch gut ausgegangen ist und Du dabei "gewachsen" bist. Sicherlich bist/wirst Du eine liebevolle und starke Mutter, weiterhin eine lebhafte haijin sowieso. Meine besten Wünsche begleiten Dich!!
Übrigens gefällt mir Klaus Gedankengang/Vorschlag sehr. Er öffnet das Wehen des Wohl und Wehes im Haiku in all seinen Perspektiven. Ich würde allerdings nach kittel dann ein Komma setzen.
Liebe Grüße an alle hier in der Runde Beate
... geschrieben von sonja raab,
May 30, 2007
ach klaus, ich kann doch nicht jedesmal deine vorschläge nehmn. warum hast du immer was besseres auf lager. hast du wo`n geheimes haiku-depot am dachboden, wo die nur drauf warten, von dir rausgezogen zu werden? das ist fies....
beate, danke für die guten wünsche!!!!!
alles liebe, sonja
... geschrieben von Heike Gewi,
May 30, 2007
Ja, die Kinder, die Blumen und der Wind...und jeden Tag geniessen, als sei es der Letzte. Genauso!, sagte ich mir nach meiner ersten Schnittentbindung und dem Tod meines ersten Sohnes. Ich weiss sehr wohl, was Du da durchmachst..und auch, dass Du die Hoffnung nicht aufgibst. Du bist stark Sonja! - Jeder kommende Sommertag wird Dir das klar machen, wenn Du Deine Kinder um Dich siehst. Einfach, weil sie Dich brauchen.
Von ganzem Herzen wuensche ich Dir Genesung und die Vielfalt allen Muttergluecks.
Heike
... geschrieben von sonja raab,
May 30, 2007
danke heike. beim lesen hatte ich jetzt grad tränen in den augen. ja, manchmal wenn man den kindern einfach nur zusieht, könnte man heulen vor glück... sonja
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ich möchte erzählen wie alles kam und wie`s war und was es war und wie es jetzt ist...
Es begann letzten Mittwoch.
Die Hebamme war eine Stunde zuvor noch da und ich hab geheult- hatte Schüttelfrost und 37.7 Grad "Fieber" (für mich ungewöhnlich, da ich meistens um die 35 Grad habe) - sie meinte, das wäre psychisch weil es so weh tat beim Stillen... ich hab lange mit ihr geredet und sie fuhr mit einem guten Gefühl, ich wollte weiterkämpfen für das Stillen und gegen die Schmerzen dabei.
Eine Stunde später Bauchkrämpfe dass ich nur noch heulte- das Telefonbuch um die Ärztin zu rufen lag zwei Meter neben mir und ich konnte nicht mehr hin, zwei Meter und ich hatte solche Schmerzen dass ich den Bund meiner Hose vom Körper weg hielt mit beiden Händen, weil es schmerzte wenn er beim Bauch ankam.
Eine viertel Stunde zuvor war Mattias noch einkaufen gefahren, keine Anzeichen von irgendwas…
Ich saß am Sofa, schrie und heulte vor Schmerzen, und mein Sohn lag neben mir und schrie ebenfalls- ich konnte ihn nicht nehmen.
In dem Moment kam meine Tochter nach Hause. Meine Mutter die ich inzwischen per Handy informiert hatte dass etwas nicht stimmt mit mir, hatte inzwischen eine Ärztin zu mir geschickt, die konnte nur noch den Notarzt rufen und mir Beruhigungstropfen geben- sie hatte keine Tasche dabei.
Die Ärztin berichtete später, dass es von Minute zu Minute schlechter wurde und der Notarzt ewig lang brauchte… sie rief zweimal dort an.
Bis der Notarzt kam war ich halb weggetreten, ich kann mich nur noch an Bruchstücke erinnern, die Sanitäter räumten mein Wohnzimmer leer, holten die Trage rein, die Hose wurde mir ausgezogen, ich bekam mehrere Spritzen.
Meine Mutter war wohl da, ich nahm sie kaum wahr, dann das Gesicht einer Nachbarin, meine Tochter hielt Finn auf dem Arm und heulte, eine Nachbarin erzählte, dass sie ganz verheult raus kam zu ihnen vors Haus und dauernd nur heulend sagte , dass ich so viele Spritzen bekomme… die war ganz geschockt… und wurde dann von Nachbarn getröstet…
Dann stand der Notarztwagen noch lange vor dem Haus, daran kann ich mich nicht erinnern, das wurde mir später erzählt. An die Fahrt ins Krankenhaus kann ich mich erinnern, da waren die Schmerzen halbwegs erträglich…
Dann die Aufnahme in der gynäkologischen Abteilung… und dann ist da so vieles…
Ich muss geschrien haben erzählte meine Mutter die draußen wartete, ich wurde untersucht und hatte wieder höllische Schmerzen dabei, dann viele viele Infusionen und Stiche in die Arme- keine Ahnung was die mir alles gaben, dann hörte ich eine Ärztin immer wieder sagen: „Frau Kellermair, können sie mich hören?“ ich konnte, aber ich hatte kaum Kraft eine Antwort zu geben, war völlig ausgetrocknet.
Dann Fratzen in violett und gelb, der Raum dehnte sich aus und alles wurde weiß, dann zog sich der Raum zusammen und alles wurde schwarz- ich dachte: “Werd ich jetzt sterben?“ Ich bekam Angst- wollte nicht sterben.
Dann öffnete ich die Augen und sah Mattias weinend neben mir stehen, ich sagte er braucht doch nicht weinen, und fragte wo Finn ist?
Dann wieder der gedehnte Raum, irgendwer sprach von kollabieren und Blutsturz und ich wurde wieder gestochen, sie fanden keine brauchbaren Venen…
(Ich bin jetzt noch blau und grün auf beiden Armen, zerstochen von den Handrücken bis rauf zu den Armbeugen… )
Dann Computertomographie, ich wurde auf die Schiene gehoben, wieder höllische Schmerzen, dann Lungenröntgen, da war ich wieder halbwegs bei Bewusstsein.
Dann kam ich auf die Überwachungsstation, drei Flaschen über meinem Bett, Sauerstoffschlauch in der Nase, völlig ausgetrocknet und erschöpft, verschwitzt… alle viertel Stunden pumpte sich der Blutdruckmesser automatisch auf, Herztöne wurden angezeigt, ein Arzt legte einen Zentral-Katheder, (der wurde genau in mein Bärentatzen-Tattoo ober der Brust gelegt… das fand ich später ziemlich interessant…
Eine Nacht lang lag ich dann in der Überwachungsstation, Antibiotikum reingepumpt bekommen, Schmerzmittel, Magenmittel, Mattias die ganze Zeit neben mir, und ich heulte weil ich nicht wusste wer sich um Finn kümmert- er wurde zwischenzeitlich auf die Geburtenstation gebracht.
Erst als Mattias rauf ging um nach ihm zu sehen, und mir hinterher versicherte, dass es ihm gut geht, konnte ich mich entspannen und schlief ziemlich erschöpft ein.
Morgens dann bekam ich alle Zugänge die am Vortag gelegt wurden wieder raus, auch den Katheder für den Harn bekam ich wieder raus, nur der Zentralkatheder in meiner Bärentatze blieb drin bis zum Schluss) durfte mit Begleitung einer Schwester duschen gehen…
Dann kam ich rauf auf die Geburtenstation und durfte endlich Finn-Loris wieder sehen, als er reingebracht wurde heulte ich gleich wieder los…
10 tage Antibiotikum-Therapie, täglich mehrere Flaschen Vibramycin, Ringerlösung, Metronidazol Sandoz vibravenös, dazu schleimlösende Tabletten, Magenmittel, Blutbildkontrollen, usw…
Meine Entzündungswerte lagen bei 18, ein gesunder Mensch hat Werte von 0- 0,5 !!
Hätten die Antibiotika nicht gewirkt, hätte die Gebärmutter entfernt werden müssen.
Glücklicherweise schlug alles gut an.
Die Ärzte erklärten mir, dass ich ruhig weiter stillen könne, die Antibiotika würden dem Kleinen nichts tun…
Ich glaubte ihnen kein Wort und beschloss abzustillen.
Vier Tabletten und zwei Tage später war keine Milch mehr da und ich war wieder ein Häufchen Elend, als ich ihm die erste Flasche fütterte und es als zweite Trennung nach dem durchschneiden der Nabelschnur empfand.
Ich war total fertig weil es mir so leid tat für Finn-Loris…
Was ich nun gelernt habe:
1) Die wichtigen Dinge des Lebens sind Kinder, Blumen, der Wind und die Wolken.
2) Nütze den Tag- es könnte dein letzter sein.
3) Schamanismus ist gut und schön, ein Krankenhaus und Antibiotikum kann auch helfen. Gemeinsam ist manchmal besser.
4) Vor 60 Jahren wäre ich an Kindbettfieber gestorben.
5) Ich muss manchmal ein altes Leben sterben um ein neues Leben beginnen zu können.
6) Bis zum heiraten wird alles gut (geht sich knapp aus)