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die seelenhirtin
© sonja raab   
11. 03. 2008

die seelenhirtin
in gedanken versunken
zwischen den schafen


Kommentare (10)Add Comment
...
geschrieben von sonja raab, March 12, 2008
ich hab`s nochmal verändert...


zwischen den schafen
verloren in gedanken
die seelenhirtin
...
geschrieben von Heike Gewi, March 12, 2008
Seelenhirtin = Schaeferin;

zwischen den schafen
in gedanken versunken
die seelenhirtin


Eine Erzählung aus Tausendundeine Nacht berichtet, daß die Erde und die Tiere zitterten an dem Tag, an dem Gott den Menschen erschuf. Diese bewundernswerte poetische Vision gewinnt ihre ganze Bedeutung erst für uns, die wir weit besser als der mittelalterliche arabische Erzähler wissen, wie sehr die Erde und die Tiere Grund hatten zu zittern. / Marguerite Yourcenar



http://animal-rights.de/bibliothek/literaten/yourcenar.shtml



oder


Der griechische Philosoph Aristoteles wurde einmal gefragt: „Warum soll man Vater und Mutter ehren?“. Er gab zur Antwort, daß, wer so frage, keiner Erklärung bedürfe, sondern verdiene, gestraft zu werden, So könnte man auch denen antworten, die nach der Seele beim Tier fragen. / Pfarrer Fritz Betzwieser



http://www.sanflorimal.de/index-Dateien/hauptseite-Dateien/tierschutz-Dateien/tierseele.htm


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Schafe = Menschen;

zwischen den schafen
verloren in gedanken
die seelenhirtin

Eigentlich ein widerliches Klischee, a b e r das "verloren" in Gedanken sehr bezeichnend und modern.
Ein sehr schoenes Thema, Sonja, egal in welche Richtung interpretiert.

LG
Heike
...
geschrieben von Markus Sulzberger, March 12, 2008
Hallo zusammen

es ist immer das Gleiche was mich stört, nämlich, wenn das ausgesprochen wird was impliziert werden sollte - ha - ein fremdwort!
http://de.wikipedia.org/wiki/Implikation
(lebst du noch ?Ich frage mich immer, was für menschen das sein mögen die so kompliziert schreiben können...)

in Gedaken verloren
zwischen den Schafen
die Hirtin mit Hund
...
geschrieben von hans lesener, March 13, 2008
Hallo Markus -

die "Seelenhirtin" auf eine "Hirtin mit Hund " zu reduzieren, heißt, sie zur
normalen Schäferin zu machen, und gibt dem Ganzen etwas Nettes , Rokokohaftes , ist aber wohl nicht das , was Sonja intendiert hat.
Ich finde Heikes Interpretation Schafe = Menschen , zwischen denen die Seelenhirtin in Gedanken , Worten und Werken auf ziemlich verlorenem Posten steht , ziemlich überzeugend.

In der 2. Zeile würde ich aus rhytmischen Gründen bevorzugen
"in Gedanken verloren ".

Für Krimifans empfehle ich den Schafskrimi "Glennkill" von Leonie Swann
( Spiegelbestseller), in dem eine Schafsherde einen Mord aufklärt ...
Lesenswert !

Hans.
...
geschrieben von Markus Sulzberger, March 13, 2008
naja, wie auch immer, man könnte auch sagen: Schäfchen = Seele der Menschen. Und bei dem Hund dachte ich an Anubis aber ich wohl zu stark daneben -
http://de.wikipedia.org/wiki/A...ythologie)
...
geschrieben von Beate M. Conrad, March 14, 2008
Also, das fast archaische oder doch immerhin biblische Bild des Hirten (oder der Hirtin) und der Schafe ist sicherlich auch ohne expliziten Verweis auf die Seele verstehbar. Und der Leser möchte ja auch noch etwas herausfinden.

Aus rhythmischen Gründen könnte in der zweiten Version "verloren" an das Mittelsegmentende wandern, aber es gibt auch Gründe dafür, daß es zu Segmentbeginn steht. Die ließen sich bspw. so verdeutlichen:

Zwischen den Schafen
verloren - in Gedanken
die junge Hirtin.

Da bliebe dann auch noch einiges offen.

Und hier eine nicht so fürchterlich ernst gemeinte Schmunzelversion:

Zwischen den Schafen
die junge Hirtin verschlafen
zur Sonne blinzelnd.

LG Beate
...
geschrieben von Klaus Stute, March 20, 2008
Seelenhirte ist doch ein feststehender Begriff für den Geistlichen, der sich aktiv in seiner Gemeinde seinen fest umrissenen Aufgaben widmet. Er ist dort weder verloren noch taucht er gedanklich oder sonst wie ab. Seine Aufgabe ist das zuhören, das vermitteln etc. etc. Ihm eine Art Agonie oder Abschalten zu unterstellen - versteh ich nicht. Gerade mitten "zwischen" seinen Schäfchen läuft der Seelenhirte zu Hochform auf.

Zum Stichwort "auf verlorenem Posten": das sehe ich also keineswegs! Er ist ja ein Dienstleister und bedient die Nachfrage. Das darf nicht mit einem Seelenfänger verwechselt werden, der wohl eher in der Werbung anzusiedeln ist und mit seinen Wachtürmen etc. irgendwo am Strassenrand auf einer Art verlorenem Posten steht.

Für das haiku seh ich eher eine ganz andere Richtung:


im gras
die schafe in gedanken
die schäferin


Klaus
...
geschrieben von Heike Gewi, March 20, 2008
Nu bleib mal locker, Klaus, und sieh' es mit den Augen derer, die nicht bekehrt werden wollen. Wechs'le die Betrachterseite. "Sie" setzen den Seelenhirten auf den "verlorenen Posten", eben weil sie den Sinn seiner Mission oder seines Erfuellungsauftrages nicht sehen wollen. Der Hirt in seiner Kirche steht da auf geweihtem Boden, der nicht immer im erwuenschten Masse frequentiert wird. Koennte mir einen Priester an einem fuer ihn "ungewoehnlichen Ort" vorstellen. Schafen (wo steht geschrieben, dass es "seine" sind?) wird in diesem Zusammenhang das "dumme" (weil uneinsichtige) Bloeken unterstellt - schwarze Schafe. Religion ist fuer viele Privatsache, fuer andere nicht. Es soll Leute geben, die sich nicht "retten" lassen wollen.

in die Sonne blinzelnd (aber nicht geblendet)
Heike ;-)
...
geschrieben von Klaus Stute, March 20, 2008
Keine Ahnung, worauf du hinauswillst, Heike. Ich bleibe auf meinem neutralen Posten. Wenn ich etwas Kurioses lese, blättere ich ein wenig durch die mir bekannten Fakten - und frage mich dann im Rahmen meiner Möglichkeiten, was das wohl bedeuten mag.

Die Schafe - im vorliegenden Fall - habe ich z.B. nicht gedanklich in Anführungszeichen gelesen. Das wäre m.E. beissende Ironie - und so etwas verbietet der Respekt. Also kann es hier beim Seelenhirten nur um "seine" Schafe gehen, um die, die ihn beanspruchen; und bei denen diese Wortwahl dann statthaft ist. Jegliche Verwendung des religiösen Schafe-Begriffes für Leute, die mit der Sache nichts zu tun haben, würde ich mir an deren Stelle ja verbitten.

Für die Seelenhirten selber gibt es m.E. - wie gesagt - nichts zu verlieren oder verzweifeln. Sie machen ihren Job und wissen sehr genau, wo sie damit dran sind. So what. Und das haiku sollte doch bestimmt kein historisches sein mit Erinnerung an die alten Zeiten, als Seelenhirten noch schwarz-weiss dachten und versuchten, die schwarzen zu bekehren.

Das Wort Seelenhirte oder -hirtin sehe ich mit "gemischten Gefühlen": es evoziert auf ungläubiger Seite ein mildes Lächeln mit Stirnrunzeln und auf gläubiger ein tiefes Durchatmen. Der Leser wird direkt in eine emotionale Ebene geschubst. Die rationale (meine Anmerkungen bzw. die von Heike) kann man eigentlich in der Pfeife rauchen. Die will das haiku gar nicht. Nehm ich mal an...

Klaus
...
geschrieben von Heike Gewi, March 21, 2008
Keine Ahnung, worauf du hinauswillst

Geht mir genauso. Und die Momenthaftigkeit von Erfolg und Misserfolg einer Karriere oder Berufes, wo man sich eingesteht, dass man es haette besser wissen muessen oder machen koennen - was sich in der aeusseren Erscheinungsform des "Missions"traegers aeussern kann und so von der Umwelt "wahr"genommen wird, geschichtlichen Ablaeufen zuordnen zu wollen und zu werten, steht dem haijin nicht zu.
Aus diesem Grund schwankt Sonja sicherlich zwischen "verloren" und "versunken". Ich sehe nur Schafe und Schaeferin und Interpretationen kann man dem Leser leider nicht verbieten
..würde ich mir an deren Stelle ja verbitten.

Beates Idee aufgreifend:

Zwischen den Schafen
die junge Hirtin verschlafen
zur Scheune blinzelnd.


Heike smilies/smiley.gif

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