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ein tiefer seufzer
© Markus Sulzberger   
19. 04. 2007
Ein tiefer Seufzer.
Beim zwanzig jährigen Gurt
bricht die Schnalle.

Kommentare (6)Add Comment
...
geschrieben von Klaus Stute, April 19, 2007
Hallo Markus,
im norddeutschen Sprachgebrauch verwenden wir das Wort "Gurt" in erster Linie im Auto. So gesehen wäre der besagte Seufzer der "wohl" (entschuldige Horst) letzte Seufzer vor dem Dahingehen.

Durch deine kleinen schweizerischen Besonderheiten hier und da beim Sprachgebrauch bin ich aber nicht sicher, ob du tatsächlich vom Anschnallgurt im Auto redest. Daher hier folgende Alternative:

Ein tiefer Seufzer.
Die Gürtelschnalle bricht
nach zwanzig Jahren.

Hier steht nun der zwanglosen "Entfaltung" nichts mehr im Wege - und der tiefe Seufzer ist derartig entspannend, dass er im Nachklang zum Juchzer wird: "endlich frei" - ist der haiku-Moment - aber das gilt wohl auch für die Befreiung vom Auto.

:-) Klaus
...
geschrieben von Markus Sulzberger, April 19, 2007
Nun Klaus Gurt oder Gürtel ist ein interessanter Einwand. jetzt habe ich mir solche Mühe gegeben einigermassen wiedermal im traditionellen Silbenraster zu bleiben und habe es bis auf die eine fehlende geschafft die du mir nun nach reichst, die aber partout nicht ins Zeilenraster passen will. Zum Glück ist der Gürtel schon kaputt :-
Die Geschichte hat dazu Bezug: http://www.luxarium.ch/luxariu...llComments

Vom Sprchfluss her gesehen ist dein version flüssiger, doch von der Dramaturgie finde ich es besser das brechen in die letzte Zeile zu setzen. was meinst Du?
markus
...
geschrieben von Klaus Stute, April 19, 2007
Ich sagte ja, dass das haiku m.E. etwas zu offen bzw. zu unklar ist. Es könnte auch von eine alten Bergsteiger-Schnalle die Rede sein - was mir zwar absonderlich vorkommt; Bergsteiger legen Wert auf gutes Material; aber wer weiss. Dann macht man aber keinen "tiefen Seufzer", sondern hält die Luft an und fällt erst mal.

Also - was ist jetzt mit dem zwanzigjährigen Kurt?
Muss er schon sterben?

:-) Klaus
...
geschrieben von Markus Sulzberger, April 19, 2007
jetzt verstehe ich dich Klau-s:

du denkst, dass der tiefe Seufzer ausgestossen wird, weil die Schnalle brach (oder, wie ich dich kenne, verstehst du es ev. absichtlich falsch um darauf hinzuweisen)!

Doch gemeint ist, dass die Schnalle beim seufzen bricht, analog den 3 eisernen Ringen bei den Grimm bros. - wie das Problem des Missverständnisses zu lösen ist kann ich noch nicht sagen.

markus
...
geschrieben von Horst Ludwig, April 19, 2007
Aber ich. Es geht dem Autor also um einen Seufzer, der durch seine Tiefe eine Gürtelschnalle oder die Schnalle an einem Gurt zum Platzen bringt, nicht um einen Seufzer, weil nach zwanzig Jahren etwas ganz Bestimmtes nicht mehr so ist, wie's zu der Jugendzeit einmal schön war. Ich verstehe beide Gefühle. Deshalb möchte ich hier mitreden. Auch weil's einen Hinweis auf Grimmsche Erzählkunst gibt. Auch weil da 5-7-5-Haikukunst eigentlich voll zum Tragen kommen sollte; so jedenfalls einiges begleitende Wunschdenken im Autor. Und dazu ist noch m. E. dem Autor auch wichtig, daß die Einsicht, daß hier eine Qualitätsschnalle ihr Leben laut aushaucht, nicht zu früh kommt, sondern ganz sachgerecht den Abschluß dieses gewichtigen Erlebnisses bildet. O mein Gott! Bei solchem Unternehmen ist die Gurt-Gürtel-Frage nahezu nebensächlich, und ich lasse sie offen: "Ein tiefer Seufzer — / und nach zwanzig Jahren bricht / die Schnalle am Gurt (oder 'die Gürtelschnalle')." So ist das Haikuleben, — wie's richtige Leben: Hart, aber brutal. Und hier also meine Ergänzung zum Tan-Renga, wo man ja zeigen soll, daß und wie man das Hokku verstanden hat: "So geht's in der Geschichte. / Irgendwie jedoch geht's gut." Oder sogar zu gut. Höre ich da irgendwo doch sogar einen Juchzer nachklingen.

...
geschrieben von Klaus Stute, April 19, 2007
Na gut - ich gestehe: ich hab nicht gemerkt, dass Markus am träumen war. Und was zuerst da war - Seufzer oder Schnalle - darüber muss man nicht streiten; sie bedingen einander.

Ach wie schön, dass niemand weiss, wie es weitergeht. Aber im Märchen sind auf jeden Fall alle immer sehr gespannt, was passiert, wenn der Prinz oder die Prinzessin Luft holt. Und alle sind begeistert, wenn ein im Halse quer steckender Apfelrest endlich durch die Luft fliegt und im Birnbaum landet oder wenn der Seufzer den Frosch zum Prinzen macht etc. Und die Schalle so lange zur Öse geht, bis sie bricht.

Doch - das haiku gefällt mir so langsam; nachdem man denn aus der Agonie geweckt und darauf hingewiesen wurde, den Blick mal endlich von der Schnalle zu lösen, weil - zwecklos, sich da aufzuhalten: sie ist hin...

Aaaach ja: und so langsam dämmert es dann: der Seufzer kam nicht von irgendeinem Protagonisten, sondern von der Schnalle.

Hier eine Version, bei der die Schnalle den Gurt zerreisst:

im siebenten loch
zerriss die gürtelschnalle
steckte im fünften

:-) Klaus

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