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Frühlingssturm
© Andrea D Alessandro   
28. 03. 2007

Frühlingssturm
von den Baumwipfeln
ins Blau gemalt

Kommentare (27)Add Comment
...
geschrieben von Markus Sulzberger, March 28, 2007
Hallo Andrea

Mit diesem Haiku scheint eine neue Zeit, ein (längst fälliger) neuer Stil im haikuschreiben eingeläutet zu werden. Es scheint sich um ein impressionistisches Haiku zu handeln:

aus wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Impressionismus :
---
Die Maler des Impressionismus versuchten einen Gegenstand in seiner augenblicklichen, zufälligen Erscheinungsform zu erfassen statt in seiner inhaltlichen Bedeutung.
---

weiter unten:
---
Von großem Einfluss auf den Impressionismus waren japanische Farbholzschnitte, die ab 1850 in großer Stückzahl nach Europa kamen und durch die sich die Impressionisten in ihren eigenen Theorien über Farbe und Form bestätigt fühlten.
---

interessant. Hoffentlich koppelt sich dieser Stil auch zurück.

Ich hoffe dass Dein Impuls aufgenommen wird und auch andere Autoren Eindrücke freier formulieren können ohne von Formalisten zerpickt zu werden.

liebe Grüsse Andrea und danke herzlich für diesen Beitrag!
...
geschrieben von Heike Gewi, March 29, 2007
Leider, lieber Markus, kann man sicher nur so schreiben, wenn man Maler ist oder sich fuer Impressionismus interessiert.
Ich wuerde mich sehr schwer tun damit und habe auch beim Verstaendnis so meine Huddeleien (bin immer auf der 'Schluesselsuche').

Konservativer Gruss, aber ordentlich beeindruckt, Heike!
...
geschrieben von Markus Sulzberger, March 29, 2007
Hallo Heike - danke für deinen offenen Kommentar.
Ich erlebe es so, dass nach etwa dem hundertsten Haiku ich den eindruck hatte, der Sache etwas näher gekommen zu sein. Nach dem 300sten kommt so etwas wie Überdrüssigkeit - eine Sinnkrise und man sucht nach intensivierung. Nach dem 500sten vielleicht (Zahlen sind nur Richtwerte) sucht man nach neuen Ausdrucksformen. Solche Ausdrucksformen zu finden ist die eine Sache, zu verstehen die andere.

Liebe Grüsse
Markus
...
geschrieben von Günther Peer, March 29, 2007
Hallo an die Runde,

ich glaube, dass jeder seine eigenen Erfahrungen, auch was das Haikuschreiben betrifft, macht.
Jeder soll frei sein, SEINEN Weg zu gehen und auch
SEINE neuen Ausdrucksformen zu finden.

Also sei bitte jedem die Möglichkeit gegeben,auch
den weniger erfahrenen Haikuautoren,die sogenannte
"Schlüsselsuche" individuell zu unternehmen.

Um ein meisterhaftes, sprich "erleuchtetes" Haiku zu schreiben, muss ich weder 100, 300 noch 500 Haiku schreiben. Ich kann auch nur 1 einziges
dichten, denn es kommt nur darauf an, in welchem
Augenblick dieses eine Haiku in meinem Leben entsteht.

Das ist meine Meinung.

Herzliche Grüße
Günther


...
geschrieben von Andrea D Alessandro, March 29, 2007
Guten Abend euch allen,

hmm, ich fotografiere, ich male und ich versuche manche meiner Gedanken und Erlebnisse in Worten auszudrücken. Manchmal gelingt es mir, manchmal weniger, Leser und Betracher zu finden, die das, was ich ausdrücken wollte, nachempfinden können.

Als ich mich vor ein paar Jahren näher mit dem Haiku beschäfigt habe, schrieb ich alles auf, was mir eingefallen ist, heute ist das nicht mehr so. Nur noch die Momente, die wirklich etwas Besonderes sind, versuche ich in Worte zu fassen und trotzdem kann ich nicht behaupten, dass ich dem Haiku auch nur einen Schritt näher gekommen bin.

Bei dem hundertsten Haiku hat man vielleicht einmal den Eindruck, dass man verstanden hat, was es mit dieser besonderen Art der Dichtung auf sich hat. Aber hat man das wirklich? Versucht zu beschreiben, was das Haiku ist oder zu sein hat, und schon haltet ihr nichts als unreife, bittere Früchte in der Hand.

Natürlich sollte jeder seinen eigenen Weg gehen, aber keiner sollte von sich behaupten, dass er Haiku kann.

Irgendwann kommt diese von Markus beschriebene Sinnkrise. Vielleicht hört man ganz mit dem Schreiben auf, vielleicht findet man für sich einen neuen Weg. Jetzt wird es nicht grade das oben stehende Haiku sein, das eine neue Zeit einläutet (Tss, Markus), aber für mich bedeutet es einen neuen und etwas anderen Weg. Was jetzt wiederum auch nicht heißt, dass ich nie mehr traditionelle Haiku schreibe oder mir solche gut gefallen werden. Aber es hat sich eben etwas geändert, vielleicht eine Weiterentwicklung in eine andere Richtung, vielleicht gehe ich auch ein Stück des Wegs zurück - ich weiß es nicht.

Einen schönen Abend und bis dann,
Andrea

...
geschrieben von Angelika Wienert, March 29, 2007
"...Als ich mich vor ein paar Jahren näher mit dem Haiku beschäfigt habe, schrieb ich alles auf, was mir eingefallen ist, heute ist das nicht mehr so...", schreibt Andrea oben.

Genau dies berichteten mir viele Haiku-Schreiber/innen, die jahrelang dabei sind.



"...ich fotografiere, ich male und ich versuche manche meiner Gedanken und Erlebnisse in Worten auszudrücken...", schreibt Andrea etwas weiter oben in ihrem Kommentar.

Weiter so!
dachte ich spontan

und jetzt
fehlt mir diese Auswahl an schönen smileys im alten luxarium


einen schönen Abend wünsche ich euch,
Angelika
...
geschrieben von Günther Peer, March 29, 2007
Hallo Andrea,


"aber keiner sollte von sich behaupten, dass er Haiku kann"

Man hat nie ausgelernt, sagt ein Sprichwort. Ja
und genau das scheint man, wohl meiner Meinung nach, heutzutage auch beim Haikuschreiben vergessen zu haben.

Wenn man den Weg geht,dann ändert sich logischer
Weise auch etwas,oft sehr viel, das ist ganz normal.

Wünsche dir auf jeden Fall aufrichtig für deine Weiterentwicklung egal in welche Richtung, viel
Glück und Erfolg.

Herzliche Grüße
Günther
...
geschrieben von Heike Gewi, March 30, 2007
Finde ich echt stark, was Andrea da eklaert hat. Da kann ich ja nur Hoffnung, irgendwann an der Wegkreuzung zu landen, die einen dann noch individualisierter erscheinen laesst. Haette dann bloss 'Schiss', dass mich niemand mehr versteht.
Aber das gehoert wohl zur Sache.

Wieder mal dolle beeindruckt und noch nachdenklicher, Heike!
...
geschrieben von Heike Gewi, March 30, 2007
P.S.: meinte natuerlich 'hoffen' ;-)
...
geschrieben von Günther Peer, March 30, 2007
Liebe Heike,

in jedem Lebensaugenblick stehen wir an einer Wegkreuzung, nur passiert es oft oder meistens,
weil wir oberflächlich oder zerstreut sind, dass
wir es gar nicht merken.

Mit dem Haikuschreiben ist's nicht so krass, aber
wenn man die Angelegenheit sehr ernst nimmt (wie
zum Beispiel auch ich),dann steht man doch sehr
oft vor Fragen,die einen sehr heftig beschäftigen.

Man braucht aber deshalb keine Angst zu haben. Die
Antworten kommen schon und die Erfahrungen muss man eben machen. Wenn du glaubst an das was du hoffst und auch willst dann kommen sicher gute und positive Dinge auf dich zu. Alles Gute und

Herzliche Grüße
Günther

...
geschrieben von Andrea D Alessandro, March 30, 2007
Na na, vielleicht ist auch unsere Vorstellung oder der Wunschgedanke, dass wir alle Einzelindividuen sind falsch... ;-)

Vielleicht drehen wir uns auch im Kreis, denken aber, dass wir uns vor- oder rückwärts bewegen. Bewegen wir uns überhaupt zu irgendetwas hin?

Und kann man den Versuch machen, ein Haiku zu schreiben, wenn wir zerstreut oder oberflächlich sind?

Ja ja, diese Fragen.

Und wo sind diese schönen gelben Grinsegesichter? Fehlen mir auch ein bisschen.

Einen schönen Abend euch,
Andrea
...
geschrieben von Günther Peer, March 30, 2007
Andrea,

ja, was wir Menschen nun wirklich sind, könnte man jahrelang diskutieren. Sicher ist, dass wir
die Behausung einer Seele sind und, dass jeder Mensch verschieden von jedem anderen unter vielen Millionen ist, auch in seinen Lebenserfahrungen.
Also kann man von Vorstellung, Wunschgedanke wohl
nicht sprechen.

Ich hab nicht gesagt,dass man beim Haikuschreiben
zerstreut oder oberflächlich ist, sondern dass man
Lebenserfahrungen oft nicht bewusst genug wahrnimmt. Haiku kann man ja auch über belanglose oberflächliche Themen schreiben, oder?

Grüße
Günther
machen.
...
geschrieben von Markus Sulzberger, March 30, 2007
Hallo zusammen

Stile entwickeln sich während einer langen Zeit offenbaren sich aber sprunghaft. So wie es individuelle Prozesse gibt so gibt es auch Gruppenprozesse. Wie Hesse im Glasperlenspiel schreibt, kann die Signatur einer ganzen Epoche im Leben eines Menschen abgebildet werden - ein Gedanke der auch im Film Aviator der das Leben von Howard Hughes nachstellt zum Ausdruck kommt mit dem Schlusswort: 'der Weg in die Moderne'. Wir sind wohl vernetzt und verbunden miteinander, auch nonverbal, aber individuelle Entwicklungen können schneller sein als kollektive und die individuelle Entwicklung kann nicht jederzeit vom Kollektiv aufgenommen werden. Man sagt dann, dass die Zeit noch nicht reif ist.

Ich hoffe dass einige sich dazu Gedanken machen und in dem vorgelegten Haiku das Spezielle erkennen können und keine Schiss haben sich darin auszudrücken.

Wenn ich da etwas Enthusiastisch und mit viel Pathos verkündige so sollte man sich einfach denken, dass nur mit Wasser gekocht die Speisen auch gut schmecken smilies/smiley.gif

Gruss
Markus
...
geschrieben von Markus Sulzberger, March 30, 2007
Vielleicht ist es an der Zeit zu erklären zu versuchen was mir an dem Haiku so besonders gefällt.

Normalerweise würde eine Kritik etwa folgendermassen ausfallen: «Andrea, man sollte durch deine Zeilen den Sturm so spüren, dass du ihn nicht mehr zu benennen brauchst.»

Dein Haiku liefert jedoch als erstes i komprimierter Form, in einem Wort, was Sache ist und liefert dann deine Impression, deinen Eindruck vom Geschehen. Es entsteht ein stehendes, in sich bewegtes Bild von hin und her schwankenden Pinselbäumen.
Zentral ist also nicht das Geschehnis an sich sondern dein Eindruck davon ohne ihn jedoch zu reflektieren.

Gruss
Markus

...
geschrieben von Günther Peer, March 31, 2007
Hallo Markus,

natürlich gibt es, so wie es Individual- auch eine Kollektiventwicklung. Jeder bleibt genauso jedoch auch seines Glückes eigener Schmied.

Nur mit Wasser zu kochen und dennoch schmackhafte
Speisen zu präsentieren erscheint mir durchaus als richtiges Bild für das Haiku im Allgemeinen.

Das Spezielle in Andreas Haiku glaube ich kann und
wird jeder bemerken und schätzen. Ich bemerke und
schätze dieses Spezielle - ich heiße es einfach
Individualität - aber auch in allen Haiku die hier eingstellt werden. Jeder verdient es also, so glaube ich wenigstens, besonders erwähnt zu werden, nicht nur Andrea, mit allem Respekt und aller Hochachtung für sie.

Gruß
Günther
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, March 31, 2007
Herzlich willkommen, gelbe Gesichtchen smilies/wink.gif

Haiku kann man natürlich über sämtliche Erlebnisse schreiben, aber um darüber zu schreiben, muss man diese Erlebnisse schon als etwas besonderes empfunden haben, sonst wären sie einem ja nicht aufgefallen. Daher denke ich, dass man in Zerstreutheit gar nicht auf die Idee kommen würde zu schreiben, wie man in einer solchen Zerstreutheit auch eine Weggabelung (vorausgesetzt die gibt es wirklich) gar nicht als solche realisieren würde. Das geht nur in "wachen Momenten", damit hast du schon Recht, Günther.

Auch eine Hinwendung zu einem anderen Stil wird man selbst gar nicht gleich bemerken, man verändert sich einfach - oder besser, es ändert sich einfach. Bewußt wird sich man dessen wohl am ersten durch andere, die auf die Veränderungen hinweisen. Es ist, als ob man dann einen Spiegel vorgehalten bekommt und die Veränderung sichtbar wird.

Danke für die Erwähnung des Glasperlenspiels, Markus! Ein großartiges Werk von Hesse, das ich nie kennengelernt hätte, wenn es mir nicht empfohlen worden wäre.

Möglicherweise ist diese etwas andere Art von mir zu schreiben, auch unter dem Einfluss von Hesses Romanen, Gedichten und Prosatexten entstanden. Dabei ist es aber genauso möglich, dass ich irgendwann wieder ganz anders schreibe oder denke. Man kann nie wissen...

Und, ach du liebe Güte, ich möchte hier nie "besonders erwähnt" werden, noch möchte ich, dass dieses Haiku jetzt als etwas großartiges und außergewöhnliches dasteht. Es ist nur ein kleiner Text, mit dem ich mein Erleben in Worte fassen wollte (und momentan schreibe ich viel an "Wind- und Sturmhaiku!) Es gibt hundertausend Haiku die um einiges besser sind! Glaubt mir, es liegt mir wirklich fern, eine Sonderstellung mit diesen drei Zeilen einzunehmen.

Eigentlich stelle ich nur noch Texte ein, mit denen ich noch nicht ganz zufrieden bin und zu denen ich gerne Vorschläge zur Verbesserung oder Kommentare von euch hören möchte, damit ich mir ein Bild davon machen kann, wie das Haiku wirkt und ob man mein Erleben nachfühlen kann.

Nochmals herzlichen Dank für eure Meinungen und einen schönen Tag,
Andrea



...
geschrieben von Angelika Wienert, March 31, 2007
ah, und die smileys sind auch wieder da

danke, Markus


Angelika smilies/smiley.gif
...
geschrieben von Angelika Wienert, March 31, 2007
"...Möglicherweise ist diese etwas andere Art von mir zu schreiben, auch unter dem Einfluss von Hesses Romanen, Gedichten und Prosatexten entstanden...", schreibst du in deinem letzten Kommentar, Andrea.

Dass uns die Texte bestimmter Autoren, die Musik bestimmter Komponisten, die Bilder bestimmter Maler beeindrucken (allein schon dieser Begriff `beeindrucken` ist ja m.E. sehr aussagekräftig), steht für mich außer Frage. Manchmal ahne ich (mehr ein Ahnen als ein Wissen), welche Musik, Malerei, Dichtung bestimmte Haiku-Dichter/innen bes. mögen. Ab und zu erfährt man darüber in mails, Begegnungen.

Ein schönes Wochenend,
Angelika smilies/smiley.gif
...
geschrieben von Günther Peer, March 31, 2007

Nein, Andrea, verstehe bitte nicht falsch: Dein Haiku soll ohne weiteres besonders erwähnt werden.
Jedem steht es dann frei, sich mit einem Stil und
einer literarischen Strömung zu identifizieren.

Es ist sehr gut und schön, dass du dieses Haiku
hier eingestellt hast,denn wie du siehst,löst es
eine sehr rege und interessante Diskussion aus.

Du verdienst es allemal, besonders erwähnt zu
werden, liebe Andrea. Ich glaube und ich hab's ja
auch schon gesagt,dass auch Autoren mit weniger
Haikuerfahrung viel oder noch mehr beachtet, angespornt und gelobt werden sollten. Mir kommt vor, dass das schön wäre in einem Haikuforum, in einer Haikuwerkstatt.

Herzlich
Günther
...
geschrieben von Günther Peer, March 31, 2007
P.S:

"Haiku kann man natürlich über sämtliche Erlebnisse schreiben, aber um darüber zu schreiben, muss man diese Erlebnisse schon als etwas besonderes empfunden haben, sonst wären sie einem ja nicht aufgefallen." (Andrea)

Glaube ich persönlich nicht, denn schon die Existenz, der ganze Alltag, die Tatsache, dass es
keinen Zufall gibt, ist etwas ganz Besonderes.

Grüße
Günther
...
geschrieben von Heike Gewi, March 31, 2007
Liebe Andrea,
ich fange an, mich fuer Impressionismus zu interessieren smilies/wink.gif.
Habe Dein Haiku lange auf mich wirken lassen. War es eines Deiner Bilder? - Die Baumwipfel zur seite geneigt, wie Pinsel den Himmel malend.

Das klingt nach ... Danke, Heike
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, March 31, 2007
Es geht um die Haiku, nicht um die Autoren. Ich möchte einfach nicht besonders erwähnt werden, wenn einer meiner Texte besonderes Interesse, aus welchen Gründen auch immer auslöst, dann freut mich das natürlich. Und es freut mich auch sehr, wenn das Haiku dem Leser etwas vermitteln konnte. Darauf kommt es an, denke ich.

Kritik sollte auch Menschen, die grade angefangen haben sich mit Haiku zu beschäftigen nicht in den falschen Hals geraten. Nur immer wieder zu loben, macht mürbe und vielleicht tritt man auch gerade dann auf der Stelle und hat gar nicht Chance sich weiterzuentwickeln. Ich bin um jede ehrliche und ernst gemeinte Kritik dankbar und setze mich damit auseinander. Was ich letztendlich daraus mache und ob ich meinen Text dann ändere, steht mir immer noch frei zu entscheiden.

Es war ein inneres Bild, das mich auf das Haiku gebracht hat. Ich habe schon länger versucht, das zu beschreiben. Dieses Zusammenspiel zwischen dem unsichtbaren Wind oder Sturm und den Bewegungen des Sichbaren. Wir haben direkt von unserem Haus ein paar Kastanienbäume und ab Mai steht dort ein hoher Maibaum. Ihr werdet mich bei jedem stärkeren Wind und bei jedem Gewitter am Fenster oder vor der Tür sehen, wie ich diesem Schauspiel gebannt zusehe. Leider habe ich es noch nicht geschafft, mit der Kamera so etwas zu fotografieren - wenn es mir jetzt aber mit Worten gelungen ist, ist es ja kaum noch nötig.

Bis dann,
Andrea
...
geschrieben von Markus Sulzberger, April 01, 2007
Hallo zusammen

das haiku ist auch ein besipiel dass prozesse im stillen ablaufen. hätte ich andrea nicht gebeten das haiku einzustellen, hätten wir vermutlich nicht so schnell davon erfahren. hätte andrea gewusst was ich dazu schreiben werde, hätte sie es sicher nicht eingestellt smilies/smiley.gif somit: sorry andrea - aber es geht um mehr als um eine person und ein haiku. es geht um die auseinandersetzung mit einer ausdrucksmöglichkeit. ich bin sehr froh, dass sich personen und gruppen weiterentwickeln und daran anteil haben zu dürfen.

gruss
markus
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, April 07, 2007
Hast recht, Markus, wenn ich das gewußt hätte, dann würde das Haiku jetzt noch zwischen all den anderen Windhaiku in meinem Notizbuch stehen. Vielleicht hätte ich es irgendwann wieder rausgekramt, vielleicht auch nicht. Es ist eben doch etwas eigen und ich wollte gar keine so große Diskussion damit auslösen.

Wir entwickeln uns alle weiter, und keiner von uns weiß in welche Richtung. Es ist spannend, das bei anderen Menschen beobachten zu können. Bei sich selbst wird man das wohl erst merken, wenn man von anderen darauf aufmerksam gemacht wird.

Einen schönen Tag euch allen,
Andrea
...
geschrieben von Horst Ludwig, April 16, 2007
Frühlingssturm
von den Baumwipfeln
ins Blau gemalt

ist schon ein außerordentliches Haiku, liebe Andrea. Ich selbst lasse mich vom Realismus bei der Darstellung, dem Klang (Rhythmus und Laute) und den kulturellen Anspielungen leiten, um einen Text mit Sinn zu laden. Ihr Text, den ich also nie so geschrieben hätte, tut etwas anderes: er hält im Wortkunstwerk die natürliche Bewegung, hier sogar eine stürmische Bewegung, die sich mit der Zeit ausdrückt, in einem Gemalten fest, etwas, was sich also nicht bewegt und nur dieselbe Zeit hat. Ginge man an so etwas mithilfe einer Haikutheorie heran, gäbe es nur zwei Möglichkeiten: es geht daneben oder es geht daneben. So etwas gelingt nur jemandem, der da eben schon an wenigstens 1000 eigenen Haikutexten und 10000 Haikusegmenten gearbeitet hat und ebenso viele gelungene und mißlungene Haiku anderer sowohl oberflächlich als auch tiefer bedacht hat. Das mit dem "einzigen" aus dem richtigen Augenblick (Günther), - na, denn viel Glück! (Diese Idee hat dem Haiku in Deutschland viele Autoren zugeführt, aber nur die wenigsten zu haijin gemacht.) Aber Günther hat m. E. mit seinem "entsteht" auch recht: Ich nehme Ihnen nämlich den Versuch, "Dieses Zusammenspiel zwischen dem unsichtbaren Wind oder Sturm und den Bewegungen des Sich[t]baren" zu beschreiben, nicht so recht ab. Aber ich kann mich da irren. Und sollte das aber tatsächlich die Absicht gewesen sein, dann hat das Barbara Lindner schon vor langem sehr gut vorgemacht:

Der Zweig ein Wehen
hinüber und hinüber
ein Wehen der Zweig

(worauf ich mal Hans Stumpfeldt hingewiesen hatte). Das Außerordentliche an Ihrem Haiku ist die Sinnverbindung mit dem Malen, m. E. übrigens expressionistischem Malen, - ich sehe da beim Sturm eher die großen Pinselstriche: Nur sechs starktonige Silben, unregelmäßig mit sechs schwachen zusammen, Andrea, das ist einfach klasse Sprache!
Ihr Horst
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, April 19, 2007
Lieber Horst,

"Sich(t)bar" - ein Tippfehler von mir, der aber, wenn ich mir das so überlege, eine ganze Menge Aussagekraft hat...Trotzdem, es war nichts weiter als ein ganz gewöhnlicher Fehler.

Vielleicht könnte man diese Art etwas darzustellen oder auszudrücken auch "Wortmalerei" bezeichnen. Ja, eine Malerei in Worten sollte es sein. Ein "gesichteter" Eindruck eines Naturschauspiels von mir, ein Erlebnis, das ich in Worten ausdrücken wollte. Ein äußerer Eindruck, den ich verinnerlicht und danach versucht habe zum Ausdruck zu bringen, "impressionistisch oder expressionistisch" - ich weiß es nicht.

Es sollte schon so eine Art Verbindung zwischen dem Sichbaren und dem Unsichtbaren Teil unseres Lebens sein. Auch der Mensch bewegt sich in eine Richtung, mal stärker, mal weniger stark - doch was ist der Antrieb? Man kann ihn nicht sehen und doch ist er da.
Aber nein, ich möchte hier nicht anfangen zu erklären. Die Gedanken und Bilder sollen einfach entstehen.

Einen schönen Frühlingstag allen,
Andrea
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, May 12, 2007
Jetzt muss ich euch noch was dazu erzählen.Ich bin noch ganz aufgewühlt...

Grad lese ich wieder in einem Buch von Hesse und bin bei der Erzählung "Einklang von Bewegung und Ruhe" angelangt. Ich lese so begeistert wie ich vom Schreibstil und von den Gedanken Hesses so bin vor mich hin. Da ist die Rede von einer jungen Buche, die bei einem Windhauch ihre verdorrten Blätter abwirft und die Knospen darunter teilweise schon grün sind. Und dann erzählt er von einem Tag, an dem ganze Wolkenberge ("Wolkentheater")zu sehen waren, ein "Gewittertag", der "den Sprung vom Frühling in den Sommer vorbereitet". Wind kommt auf. Mitten im Schauspiel eine kleine Pappel.
Dann beschreibt Hesse die Bewegung dieses Baums, wie er sich vom Wind geschüttelt wird, wie er sich hin und her wiegt.

"...Mit Freude und fruchtlos, ja mutwillig, überließ die Pappel Zweige und Laubgewand dem stark anschwellenden feuchten Winde, und was sie in den Gewittertag hineinsan und was sie mit spitzem Wipfel in den Himmel schrieb, war schön, war vollkommen, war so heiter wie erst, so Tun wie Erleiden, so Spiel wie Schicksal, es enthielt wiederum alle Gegensätze udn Gegensinne...es war das Spiel von beidem, der Einklang von Bewegung und Ruhe, von himmlichen und irdischen Mächten..."

Die Beschreibung geht noch ein paar Zeilen weiter. Ich habe eine Gänsehaut bekommen. Da schreibt dieser große Literat und Dichter doch tatsächlich von Jahrzehnten schon das, was ich in meinem Haiku oben beschreiben wollte...Und ausgerechnet Hesse.
Ich überlege mir, ob das jetzt überhaupt noch "mein Haiku" ist...Eigentlich hat Hesse das ja damals schon in Worte gefasst. Und ich weiß jetzt noch besser, was mich an diesem Menschen so sehr fasziniert...

Das wollte nur kurz hier unter diesem Haiku erwähnen.

Einen schönen Frühlingstag,
Andrea

-Und seit gestern stürmt es hier wieder gewaltig und ich geniesse den Anblick des Zusammenspiels von Wind und der Natur...Zufall(?)

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