... geschrieben von hans lesener,
February 12, 2009
Hallo Heike , ich habe meine mythologischen Restkenntnisse zusammengekratzt: Danach verhüllte Uranus die Gaia nachts mit einem blauen Schleier, der mit Sternen besetzt war. Könnte hier ein Widerspruch zum "strahlenden Mond" bestehen ? Oder ist vielleicht die Milchstrasse ( die wir qua Smog ja leider kaum noch sehen können)gemeint, die den strahlend-willkommenen Nachtfreund nicht beeinträchtigen würde ?
Ein schönes, stimmungsvolles, romantisches haiku !
Hans.
... geschrieben von Walter Mathois,
February 12, 2009
Liebe Bea, in diesem Ausdruck der tiefen Ruhe - Ich empfinde tiefe Ruhe - schwimmen zwei Versionen am meine Oberfläche:
Gaias Schleier - ein strahlender Mond und stilles Astwerk
Gaias Schleier - ein strahlender Mond das Zwitschern endet
Liebe Grüße Walter
... geschrieben von Heike Gewi,
February 12, 2009
Hallo, alle zusammen! Ist ja interessant, dass Hans mich zu der fruehen Erdgottheit fragt. Die griechische Mythologie ist nicht mehr mein Steckenpferd und loest auch keine Assoziationen aus. Wer unkundig ist,mag lesen: 1. Gaia = Erde. Hm! 2. Erde verschleiert > Nebel, Wolken, Smog, Katastrophen, schlimme Vorahnungen 3. logisch! Ein strahlender Mond, der sich durch den Schleier boxt oder draengt, denn was ist die lyrische Nacht ohne Mond?, ist in stiller Hoffnung sehr willkommen. Bloss: 4. Alles ist schon gesagt und gar nicht Bea like.
Etwas ratlos gruesst Heike zurueck
... geschrieben von Klaus Stute,
February 12, 2009
Ohne jetzt selber zu googlen: ich habe Hans' mythologische Restkenntnisse so verstanden, dass Gaias Schleier der Sternenhimmel ist. Also nix Nebel oder gar menschliche Verschleierungen - einfach der klare Sternenhimmel.
Aber alle Aufmerksamkeit dem Mond?
Ja: unsere. Kaum ist er voll, machen wir sogar einen richtigen Zirkus darum. Aus unserer bescheidenen Sicht überstrahlt er ja auch alles.
Wohingegen von Seiten des Sternenmimmels die Bedeutung des Strahlens von unserem netten kleinen Trabanten - also astronomisch gesehen - eigentlich gegen Null gehen müsste. Zumal - physikalisch gesehen - von einem Strahlen auch eher nicht die Rede sein kann bei unserem kleinen Sonnen-Reflektor.
Nichtsdestotrotz "your welcome" - die höfliche, aber stille, d.h. im Gegensatz zu unserem Tanz um den Mond "wortlose" Akzeptanz von Gaias Seite; und die Integration des Möndchens natürlich; sein Strahlen wird ein Teil von Gaias Schleier - wenn er denn strahlt, der Kleine.
:-) Klaus
... geschrieben von Beate M. Conrad,
February 13, 2009
Euch allen meinen herzlichen Dank. Spannend die verschiedenen Rückmeldungen zu Gaias Schleier — die Nacht, das Himmelsgewölbe, aber auch der Nebel, der Dunst oder Smog (von der Erde selbst), von denen Erde und ihr einziger, unzertrennlicher Trabant gleichermaßen umfangen sind; mit dem die Erde den Mond als Himmelskörper (implizit bei Ankunft, Aufgang und ein innerer Sprecher) umarmt, willkommen heißt. Eine Vereinigung von männlichem und weiblichem Prinzip (Brautschleier/verschleierter, dunstiger Mond ist Frühlingskigo). Zugleich verkörpern Gaia/Erde/Land und Mond Archetypen der Weiblichkeit, die hier auch willkommen geheißen wird. Ja das passiert still (im Reifungsprozeß) und romantisch ("Es ist als hätte der Mond die Erde still geküßt", Eichendorff), das später aber auch zu Konflikten führt:
Schleier der Erde. Eine silberne Sichel still umfangen.
Beate
... geschrieben von Beate M. Conrad,
February 13, 2009
"still empfangen" sollte es in c natürlich heißen.
... geschrieben von Beate M. Conrad,
February 13, 2009
Das kommt von der Eile. Also noch eine Korrektur: "Es war, als hätt' der Himmel die Erde still geküßt ..." (Mondnacht, Eichendorff).
... geschrieben von Gabriele Brunsch,
February 15, 2009
Liebe Beate,
nachdem ich nun einige Tage überlegt habe und die wachsenden Kommentare und Erklärungen vorfinde, will ich eigentlich nur sagen, dass von Deinem Haiku ein ganz seidiger Schimmer ausgeht, der mich berührt.
Still willkommen/still empfangen... ist natürlich ziemlich anders in der Aussage, aber beides deutet darauf hin, dass derjenige, auf den das Licht fällt und der das nächtliche Spiel (Gaia - was für ein fantastischer Schleier, der sich uns hier gelüftet hat!) - sowohl still willkommen heißt, als auch empfängt... Empfangen - das deutet möglicherweise noch auf eine erotische Komponente hin, die angesichts der Kühle ... meine Gedanken schweifen...
Ich träume Deinem Haiku noch nach, so oder so... Gabriele
... geschrieben von Beate M. Conrad,
February 17, 2009
Vielen Dank für die Rückmeldung, liebe Gabriele.
... geschrieben von Heike Gewi,
February 17, 2009
Schleier der Erde. Eine silberne Sichel still empfangen.
"Die", liebe Bea. Unseren Mond aus subjektiv-irdischer Sicht gibt es doch nur einmal. Diese Einmaligkeit wuerde ich mit einem bestimmten Artikel unterstreichen, erfleht haben wollen. Da oeffnen sich mehrere Haikulevel und ich nicke.:"Ja, das ist Bea like." Von Tschehersade bis hin zum Schoepfungsakt und der "Empfaengnis" ist die Breite da, ohne, meiner Meinung nach, zu offen zu sein.
Zufriedenes Einatmen, ein Leseerlebnis. Heike ;-)
... geschrieben von Beate M. Conrad,
February 17, 2009
Mit der silbernen Sichel, liebe Heike, meine ich, geht es nicht nur umd den Mond. Der unbestimmte Artikel ist als Verweis auf "harpe" gemeint, die große metallische Sichel aus Gaias Innerem, mit der Uranus entmannt und so der Schöpfungsprozeß endete. Und mit Deinem Hinweis könnte sie also auch noch als Symbol für die orientalische Welt aus 1001 und Nacht stehen, so Du Scheherazade meinst — nebenbei auch wie von Rimsky-Korsakow so nett vertont? Das wäre ein interessanter Aspekt der zweiten Version. Danke für den Hinweis, liebe Heike.
... geschrieben von Heike Gewi,
February 18, 2009
Aha! Ich klebte zu sehr an der ersten Version mit dem "strahlenden Mond". Glaub es oder auch nicht, aber selbst die Entmannung des Uranus (grins) finde ich einmalig. Tja, solche Diskussionen machen Spass (kein s-zet im keyboard!) und bereichern ungemein. Danke, Bea!
... geschrieben von hans lesener,
February 18, 2009
Rimsky-Korsakov nur "so nett" , Beate ?
Das wunderbare Violin-Thema für die Scheherazade , da schmelze ich doch weg , so schön ist das ! Scherazade war die erste Langspielplatte für 25 DM , die ich mir als Student gekauft habe , und noch heute lass ich nichts darauf kommen ...
Im Übrigen muß ich Heike recht geben : Ihr habt eine wirklich interessante Diskussion geführt.
Noch einen schönen Tag ! Hans.
... geschrieben von Gabriele Brunsch,
February 19, 2009
Liebe Beate, mir ging Dein Haiku noch lange nach. Ich habe zwei Kalendereinträge gemacht mit dem gleichen Thema, es ist einfach zu schön... Bitte nimm mir dieses Vorpreschen nicht übel. Bis bald Gabriele
... geschrieben von Beate M. Conrad,
February 20, 2009
Das Violinthema der Scheherazade ist natürlich tiefer bewegend, lieber Hans. Es berührt mich auch auf eigene Art, da ich als junges Mädchen Violine etwas spielen lernte. Das Interessante an "so" plus Eigenschaftswort: Es läßt auf die Einstellung eines direkten oder indirekten Sprechers schließen, wobei aber die genaue Richtung der Bewertung offen bleibt. Deshalb ist es auch im Haikuzusammenhang gut verwertbar. Entsprechend kann mein "so nett" als "nur so nett" (mittelprächtig), aber auch als "so nett" (passend, treffend, gefällig) oder auch als "sehr nett" gemeint sein. Ganz am Rande, lieber Hans, der R.-Korsakowschen Scheherazade wird ja eine musikalische Nähe zu Mendelssohns Sommernachtstraum nachgesagt. Und bei Mendelssohn gab es auch an anderer Stelle von Dir Begeisterung zu lesen. Das kann ich gut nachvollziehen. Und sonst freue ich mich hier über alles Mitdenken, denn das hilft, und ebenso darüber, wenn so ein Text und die Diskussion zu weiterem anregt. Nichts vorgesprescht, liebe Gabriele, weiter so. Beate
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ich habe meine mythologischen Restkenntnisse zusammengekratzt: Danach verhüllte Uranus die Gaia nachts mit einem blauen Schleier, der mit Sternen besetzt war. Könnte hier ein Widerspruch zum "strahlenden Mond"
bestehen ? Oder ist vielleicht die Milchstrasse ( die wir qua Smog ja leider kaum noch sehen können)gemeint, die den strahlend-willkommenen Nachtfreund nicht beeinträchtigen würde ?
Ein schönes, stimmungsvolles, romantisches haiku !
Hans.