... geschrieben von Walter Mathois,
February 10, 2009
Liebe Bea,
??? Versteckt - zwischen Städele und Schneeweh’n: lächelt das Land
Lächelnd - zwischen Städele und Schneeweh’n - das Land
Hinterm Städele, berührt von Schneeweh’n, lächelt das Land ???
HerzLacht Walter
... geschrieben von Gabriele Brunsch,
February 10, 2009
Liebe Beate,
als ich dieses Haiku das erste Mal las, musste ich schmunzeln, jetzt sehe ich Walters herzlichen Eintrag und sehe, dass es mir nicht allein so geht. Ich frage Dich in aller schlichter Naivität, welches Bild wolltest Du uns hier malen?
Ich habe oben, in meiner Bibliothek eine schwer gerahmte nachkolorierte Lithographie aus der Spätromantik hängen, welche die wunderbare Unterschrift: "Auszug aus dem Städtele" trägt und ein weinendes Mädchen in einer schwäbischen Stadt (könnte ein Straßenzug in Tübingen, Reutlingen, Überkingen sein! ) darstellt, dessen Liebster gerade auf Wanderschaft geht... Ein Bild, das ich schon mit 17 Jahren ertrödelt habe und das mich seit dieser Zeit begleitet.
Dann fiel mir noch das schwäbische Lied: „Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus, Städele hinaus und Du mein Schatz bleibst hier...“ ein, das ja genau das gleiche Thema beschreibt wie mein Bild – so viel zur Assoziation: Städele!
Wenn ich allerdings dieses Bild betrachte, dieses Lied höre oder Dein Haiku lese, dann fühle ich mich nicht im Jetzt, sondern auf einer nostalgisch schwärmerischen (rosa) Wolke dahinschweben. Dieser ungewohnte Ausflug in das gedankliche Land der Heimatvereine des 19. Jahrhunderts wird auch von Deiner 3. Zeile: „lächelt nun das Land“ vertieft... Es mutet sehr seltsam an.
So, Schluss. Was sehe ich? Ich sehe vor meinem geistigen Auge im Hintergrund die Zinnen und Spitzen einer Stadt mit Fachwerkhäusern, eng auf eng, und da irgendwie eine Landschaft, die noch vereinzelt unter Schneewehen liegt und vereinzelt lächelt Land, möglicherweise meinst Du „Erde“, also braunes aus der sonst nur weißen Fläche hervor. Aber was lächelt da? Ist es die Freude dass bald Frühling kommt?
Das lächelnde Land ist mir besonders sonderbar, weil da noch die Assoziation mit dieser ohrwurmartigen Operette „Das Land des Lächelns“ anklingt, und das ist mit dem Städele nicht vereinbar – zumindest niemals von Dir so gewollt, nehme ich an.
Halt, liebe Beate, ich muss jetzt Schluss machen. Telefon.
Bis bald... Gabriele
... geschrieben von Klaus Stute,
February 10, 2009
Ach Gabriele - du musst dieses haiku doch erstmal rein grafisch sehen! Wenn du zwei "längliche Schneeweh'n" nimmst, dann hast du doch zwischen diesen "weißen Lippen" das Lächeln. Und das auf dem Land gleich unzählige Male - wohingegen im Städele längst gekehrt ist.
Also aus Schnee- bzw. Ländle-Sicht bleibt das Städele hier etwas "hinterm" Mond. Daher sein Lächeln.
:-) Klaus
... geschrieben von Gabriele Brunsch,
February 10, 2009
...dieser Augenblick gerade, lieber Klaus, gehörte zu denen, die das Leben lebenswert machen.
Sorry, liebe Beate, aber das Lächeln aus der Scholle heraussteigen zu sehen, angesichts all der trüben Aussichten, die überall aus dem Boden wachsen (im Hintergrund läuft bei mir B. Obama's heutige Ansprache über die Abwärtsspirale der amerik. Wirtschaft, die der Arme zu stoppen hofft) - war wirklich sehr erheiternd.
... geschrieben von Beate M. Conrad,
February 11, 2009
Vielen Dank Walter, Klaus und Gabriele für Eure Beiträge. Ein paar Jahre, ein paar Jahrzehnte mitsamt der brenzligen Gegenwart - in Anbetracht der Erdgeschichte werden sie zu einem Augenblick, nicht wahr. Bei aller "Naivität" zusammen nicht schlecht erspürt: [...] „Erde“, also Braunes aus der sonst nur weißen Fläche oder länglichen Schneewehen", als die Erhebungen und die Erdfurchen der sich an die Kleinstadt anschließenden Felder. Länglich auch als langanhaltend wie Geburtswehen. Wenn ich mich geographisch etwas umschaue, dann gibt es lächelnde Quellen und lächelnde Wasser, warum kein lächelndes Land. Etwas, das sich zu bewegen, also zu entwickeln, sich zu erwärmen scheint ... vielleicht ... der Frühling (Aufbruch und Fruchtbarkeit), die Freude darüber wird erahnbar. Der "Auszug aus dem Städele, das weinende Mädchen, da der Liebste auf Wanderschaft geht" und "muß i denn .." (Spät-)Romantik, Frühling auch als Aufbruch, Wanderschaft, Abschied (da mag auch die Operette passen). Wohl ist's wie in der Romantik noch die sehnsuchtsvolle Träumerei im noch nicht endenwollenden Winter (die schwierige "Früh-)Geburt des Frühlings", denn es ist ja noch Februar). Das hier und jetzt und das einer anderen (schwärmerisch aus der Erfahrung der Vergangenheit vorausahnenden) Zeit. Und dann natürlich in der Weiterschau aus "Des Knaben Wunderhorn": "Widele, wedele hinterm Städele hält der Bettelsmann Hochzeit" (arm, mager, aber voller Freude) und die Natur trägt bei, was sie gerade zu bieten hat.
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???
Versteckt - zwischen
Städele und Schneeweh’n:
lächelt das Land
Lächelnd - zwischen
Städele und Schneeweh’n -
das Land
Hinterm Städele,
berührt von Schneeweh’n,
lächelt das Land
???
HerzLacht
Walter