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mein glas
© hans marchetto   
17. 06. 2009
mein glas leer getrunken
laufe heimwärts
im schatten des mondes
Kommentare (7)Add Comment
...
geschrieben von Klaus Stute, June 18, 2009
Ich glaube, das Glas kann man sich hier schenken. Die wesentliche Wortschöpfung in diesem haiku ist m.E. das

"leer getrunken heimwärts laufen"

Also mit kleiner Umstellung und ordentlich lalas denke ich dann an so etwas wie:

Schattenmond -
leer getrunken laufe ich
langsam heimwärts

Oder für die Asketen:

Schattenmond leer getrunken heimwärts

Klaus
...
geschrieben von Klaus Stute, June 18, 2009
...oder im Aufgreifen des Marchetto'schen Telegrammstils mit Imperativ:

Schattenmond
laufe heimwärts
leergetrunken

Klaus
...
geschrieben von hans marchetto, June 24, 2009
hallo klaus,versuchen wir mal die möglichen ebenen abzuklopfen. mein glas leer getrunken - etwas drastischer: mein leben ist beendet, oder geht zu ende. eine lapidare feststellung -
der mond ist, soviel ich weiss, verbindung zur anderen welt. usw.

gruss hans
...
geschrieben von Klaus Stute, June 24, 2009
Ach, tut mir leid: die Todesahnung hab ich glatt überlesen.
Wahrscheinlich, weil ich das nie mit "heimwärts" laufen in Verbindung gebracht hätte. Ich stell mir das ja so vor, dass ich dann einfach stehen bleibe und mich überraschen lasse, wer mich abholt.

Klaus
...
geschrieben von Beate M. Conrad, June 26, 2009
Mich erinnert das ein bißchen an den Becher (oder gar Kelch) bis zur (Lebens-)Neige, aber noch vielmehr an den vom Mond (die eine Seite der Medaille) und vom Alkohol (die andere Seite) Trunkenen, nurmehr Schatten seines Daseins, der da heimgeht im mehrfachen Sinn. Jedenfalls spricht es an, Hans.

In der Durchführung könnte die volle Verbform der 1. Person Singular, also "laufe ich", die Darstellung präzisieren; ein Imperativ trägt hier nicht zur Mehrdeutigkeit des Inhaltes bei — wie das beim kürzlich diskutierten Sommergrashaiku der Fall ist.

Vielleicht wäre auch folgende Variante zu bedenken, die das Trinken, das Trunkene bis zum "Vollaufenlassen", das dann aber mit Nachdruck im Schattenhaften des Daseins, im Leeren und im Enden mündet, etwas impliziter als Kontrastierung ausdrückte und im sprachlichen Klang noch einiges mitschwänge:

Geleert das Glas
im Schatten des Vollmondes
laufe/gehe/kehre ich heim

Aber zwingend ist das selbstverständlich nicht. HG Beate
...
geschrieben von Klaus Stute, June 26, 2009
...die "Mehrdeutigkeit" (beim Telegrammstil mit Imperativ) - von Beate nicht gesehen - sehe ich hier im leer getrunkenen, also benutzten, ausgebeuteten (>Schatten) Mond selber, der nun "heimwärts" laufen muss, um wieder zur Erlangung seiner vollen Kraft und Schönheit zu gelangen.

Es gibt halt Momente, da ist es schön, festzustellen, dass man nicht allein auf der Welt ist.

Klaus
...
geschrieben von Beate M. Conrad, June 28, 2009
Entkräftete der Imperativ nicht die den ohnehin schon enthaltenenen Gesetzmäßigkeiten Tag—Nacht, Licht—Schatten, Bewußtes—Unbewußtes, Leben—Tod, voll—leer, unterwegs—heimwärts schlichte und damit haikugemäße Implikation und setzte da anstelle zusätzlicher Bedeutung einen expliziten Zeigefinger aus dem "Himmel"?

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