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Futter suchend
© Roger Le Marié   
17. 08. 2008
Futter suchend
Streift das Zebra
Der Schatten des Geiers
Kommentare (6)Add Comment
...
geschrieben von Heike Gewi, August 20, 2008
schuettle mal!

Futtersuche...
Geierschatten streifen
ein Zebra


Ist DAS Zebra - als 'ne Art 'choosen one'/Opfer?

smilies/wink.gifHeike
...
geschrieben von Roger Le Mari, August 20, 2008
Heike, mir gefällt deine Version ausgezeichnet! Ohne allzutiefe Analyse: deine Version scheint mir runder, ausgeglichener.

Bei meiner Version fand ich die Mehrdeutigkeit spannend wie sie im Japanischen ja auch oft vorkommt. Ein schönes Beispiel finde ich:

(Aus Wikipedia-Artikel über Haiku zitiertsmilies/smiley.gif

"Aufgrund der hohen Zahl von Homonymen im Japanischen lässt sich dieses Gedicht auf zwei völlig unterschiedliche Weisen verstehen, die in einer im Folgenden demonstrierten Schreibung mit Kanji festgelegt wären, aber üblicherweise durch den Verzicht darauf bewusst offen gelassen werden:

1. Lesart

昼からは
ちと影も在り
雲の峰

hiru kara ha
chito kage mo ari
kumo no mine

Ab der Mittagszeit
ist es etwas schattiger
ein Wolkenhimmel


2. Lesart

ヒル蚊ら蜂
とかげも蟻
蜘蛛蚤ね

hiru ka-ra hachi
tokage mo ari
kumo nomi ne

Blutegel, Moskitos, Bienen,
Eidechsen, auch Ameisen,
Spinnen und Flöhe, gell?

Der Reiz solcher Mehrdeutigkeiten lässt sich in anderen Sprachen als der japanischen natürlich nicht adäquat wiedergeben."

Ich zeige hier, dass der letzte Satz des Zitats nur dann stimmt, wenn er auf die Übersetzung anspielt. Die Kreation von ähnlich mehrdeutigen Haikus ist in anderen Sprachen natürlich möglich: Bei meiner Version des Haikus könnten beide am Futter suchen sein: das Zebra und oder der Geier. Ausserdem kann "streifen" sowohl als (umher-) streifen des Zebras verstanden werden als auch "der Schatten des Geiers streift". Assoziationen die eventuell entstehen könnten: Auch das Steppengras streift das eh schon gestreifte Zebra vielleicht??

Aber durch den künstlichen Aufbau wirkt das Ganze auch etwas holperig. Toll wäre es eine Kombination zu finden: Runder Fluss deiner Version kombiniert mit Mehrdeutigkeit meiner Version...

Über das Haiku-Moment meiner eigenen Haikus spreche ich nur ungerne, da es sonst limitierend auf den Leser wirkt. Er fängt dann an zu suchen nach etwas, das er finden will / soll in meinen Zeilen. Entweder es stellt sich ein Haiku-Moment ein beim Leser oder nicht. Wenn sich eins einstellt, dann darf das (aus meiner ganz persönlichen, subjektiven Sicht) durchaus von Leser zu Leser verschieden sein. Stellt sich keins ein ist mein Haiku verbesserungswürdig smilies/smiley.gif
...
geschrieben von Roger Le Mari, August 20, 2008
Das "ein Zebra" finde ich im Übrigen auf jeden Fall besser, selbst bei meiner Version:

Futter suchend
Streift ein Zebra
Der Schatten des Geiers

Ja? Nein?
...
geschrieben von Heike Gewi, August 20, 2008
Bei der zitierten zweiten lesart ist es eineindeutig Sommer [Moskito, Spinne etc.]. Diskussionschwerpunkt war auch da mal, in einem Haiku mehr als nur ein kigo zu verwenden (macht man das?, darf man das?, darf man das im Lift?)... smilies/wink.gif

Ich glaube, Du versuchst (was Walter -W.O.M.- uebrigens perfekt beherrscht), Segment a und c durch die Mttelzeile zu verbinden; zwei Bilder mit einer Linse...

Fuer mich isses okay - ' denke mit!

LG - Heike
...
geschrieben von Roger Le Mari, August 20, 2008
Liebe Heike,

An dieser Stelle nur kurz, da ich auch noch etwas arbeiten sollte, herzlichen Dank für deine Kritik.

Lieber Gruss, Roger
...
geschrieben von Horst Ludwig, August 31, 2008
Mir entgeht hier offenbar etwas: Das Original versucht, aus der Sprache etwas herauszuholen, was sie offenbar nicht so recht in sich hat. Ich sehe jedenfalls keine "Mehrdeutigkeit" in dieser Version. Denn auch wenn die Zeichensetzung ausgelassen ist, — wir haben es hier doch mit einer Aussage in Satzform zu tun: Subjekt ist "Der Schatten des Geiers" und direktes Objekt (Akkusativobjekt) ist "das Zebra". Sonst ergibt das Nebeneinander der Segmente keinen Sinn (denn "streifen" im Sinne von engl. "roam", "herumstreifen") braucht im Deutschen nun mal ein Adverb. Dem Sinn "berühren" steht der Nominativ von "Schatten" ("der") entgegen (und Genitiv Plural ist auch nicht drin). Und daß ein Schatten Futter sucht, naja, das ginge noch zur Not; aber hier ist es doch wohl der Schatten eines fliegenden Geiers! — Zur gewünschten "Mehrdeutigkeit" bieten sich hier eher feminine und neutrale Singualarformen und Pluralformen an. Um auf Heikes Vorschlag aufzubauen: "... / Zebras streifen / Geierschatten" oder "... / Geierschatten / streifen Zebras".

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