Mensch Hans - kannst du / solltest du nicht langsam mal etwas kürzer treten!? Aber die Frage: ob die Kräfte dann länger halten - oder ob man dann schneller rostet - ist natürlich schwer zu beantworten - während der Arbeit...
:-) Klaus
... geschrieben von hans lesener,
August 24, 2009
Hallo Klaus :
1. Es hat sich einfach so angesammelt. 2. Das Lux. beleben. 3. Wissen wollen , was ihr davon haltet. 4. Statt "noch" wirbelt "schon" im Wind. 5. Kürzer treten ? Lieber Klaus , darf ich daran erinnern, dass allein bei Haiku.de etwa 2400 Kommentare von Dir verzeichnet sind ? > Respekt !!!!!!
Grüße , Hans.
... geschrieben von Klaus Stute,
August 24, 2009
Oha - dann entschuldige ich mich mal zügigst für die kleine Unterstellung, dass du dich mit diesem haiku an einem Selbstportrait versucht hast. Sie war natürlich von deinem eigenen Kommentar gesteuert, den ich als Hinweis auf zuviel Arbeit für die alten Knochen gedeutet habe.
Also: zwar macht ein (pardon) in die Jahre gekommenes Blatt "noch" ganz schön viel Spätsommerwind :-) ...aber darum geht es in dem haiku anscheinend doch nicht, sondern um ein erstes welkes Blatt, das "schon" an besagtem Spätsommerabend von sich reden macht.
Hm. Jetzt muss ich aber sagen, dass mir der erste spätsommerliche Wirbelwind mit den leicht angewelkten Haaren besser gefiel.
:-) Klaus
... geschrieben von Klaus Stute,
August 24, 2009
NS: ...und der den Weg zu einem nicht unbeschriebenen Blatt zu seinem Ziel gemacht hat.
... geschrieben von Klaus Stute,
August 24, 2009
...erfolgreich, wollte ich sagen.
Zum haiku: der "schon" Gedanke gefällt mir nicht so gut. Ich sehe ja, wie gesagt, in dem haiku nicht den Wind, der ein armes welkes Blatt beutelt, sondern ein angewelktes Blatt, welches selber noch kräftig rumwirbelt. Aber das hast du doch so formuliert.
Allerdings wirbelt es den ganzen Tag.
... geschrieben von Klaus Stute,
August 24, 2009
Ach Himmel!! Jetzt seh ich erst, dass du gleich 4 neue haiku eingestellt hast ...und verstehe die Bemerkung, dass es sich "einfach so angesammelt" hat. Also erstmal "Arbeit" bzw. Beschäftigung für die anderen. Na mal schauen: auf drei, vier weitere Kommentare sollte es mir nicht ankommen...
:-) Klaus
... geschrieben von hans lesener,
August 24, 2009
Hallo Klaus, In früheren Fassungen stand mal "noch", mal "schon". Ich neigte dem "schon" zu : "Schon wieder geht das Jahr zuende !" Aber beide Alternativen geben zu Mißverständnissen Anlass. Also habe ich beide weggelassen.
Und bitte : Für Unterstellungen, Vermutungen und Nachhallvarianten ist das Lux ( cum grano salis ) schließlich da , Entschuldigungen sind gar nicht nötig ...
Hans.
... geschrieben von Beate M. Conrad,
August 26, 2009
Sehr schön, Hans! Du bist bei der sprachklanglichen Erkundung der Alliteration und Stabreime, die es hier schon etwas herbstlich frisch in der Bewegung werden lassen, wo sich sonst anscheinend nichts bewegt (was dem Ort, aber auch dem Sommer bzw. dessen vergangener Hitze vielleicht zuzuschreiben wäre). Interessante Gegensätzlichkeit von Welken und Wirbeln in einem, ebenso von Wärme, Kühle, Erstarrung und Bewegung, auch in übertragener Sicht.
In c "ein welkendes Blatt"? Der Vorteil des Adverbialen, es löste die Schwierigkeit von "noch" oder "schon" auf in einen konkret-anschaulichen Prozeß und ließe im s-Laut nochmals den Sommer anklingen.
Was bei der sprachklanglichen Gestaltung vielleicht zu bedenken ist — selbiges gilt übrigens auch für die Musik: der Wechsel in der Harmonie gegenüber dem Gleichklang im Gesamtgefüge. Auf den enharmonischen Wechsel sprechen wir Westlichen wohl am meisten an. Wobei das für den Sprachklang, was da dem Enharmonischen am besten entspräche, wohl nicht so einfach zu beantworten wäre. In der neueren fächerübergreifenden Forschung rücken da aber nun Rhythmus und Klang der Sprache mit der Musik etwas dichter zusammen, was unter bisherigen Paradigmen eine Unmöglichkeit war. Aber das nur ganz am Rande.
Meine Perspektive der obigen Szene mit etwas anderem audialen, taktilen und kinästhetischen Akzent der Bewegung zwischen den Polen (auch in der jahreszeitlichen Bewegung), kein Änderungsvorschlag (!), möchte ich so formulieren:
Spätsommerabend. Mit dem ersten Wind segelt ein welkendes Blatt.
Beate
... geschrieben von Horst Ludwig,
August 27, 2009
Ich hab mal ein Haiku geschrieben, wo der Oktober(?)wind, jedenfalls Spätherbst-, vielleicht auch Novemberwind, an einem letzten Blatt an einem Zweig zerrt; und mit der Schreiberfahrung hier also: Hans Leseners Fassung bringt zur Einstimmung in a etwas sehr Beruhigendes, — obwohl's sich ja eigentlich nur um eine Zeitangabe handelt, genau wie bei "es ist jetzt sechs". Laut und Assoziation bewirken eben auch das Ihre. Dazu steht jedoch dann "wirbelt" in krassem Gegensatz. Weiter: Entweder meint es, daß das Blatt noch am Zweig ist — und mit der Bedeutung gefällt mir "wirbelt" sehr, oder es ist aber abgerissen und wirbelt im Wind durch die Luft. Das ist nicht ganz klar, und daß es eben beides bedeuten könnte, liegt mir irgendwie quer. Jedoch: Vielleicht soll mit dem Text im Leser gerade derartige Unsicherheit provoziert werden. Beate Conrads Vorschlag ("kein Änderungsvorschlag [!]"; sehr gut!) bringt eine andere Szene, für mich eine mit mehr Klarheit und Ruhe. Da ist mir dann aber "segelt" schon wieder fast zuviel der Ruhe und des Geradlinigen. Ich würde es hier wagen, in b zu schreiben "Aufkommender Wind flattert / ein welkendes Blatt" und "flattern" dabei also transitiv zu benutzen. Auch onomatopoetisch hätte derartiges b wohl einiges für sich. Leseners Text sollte so bleiben, wie er ist. Die Verstörung, die er bei genauem Lesen bewirkt, ist durchaus heilsam. Beates und auch mein Haiku von früher liegen thematisch in dessen Nähe, sind aber davon verschieden. Doch der Einladung zum vorgetragenen kritischen Vergleich sollte man — nach ruhigem Bedenken statt mit schnell noch gekauften Blumen, weil sich's ja gehörte — zu eigenem und jedermanns Nutz und Frommen durchaus nachkommen.
... geschrieben von Klaus Stute,
August 27, 2009
Dass der Wind für alles und jedes verantwortlich ist bzw. den Anstoß gibt, ist m.E. doch in unzähligen haiku abgearbeitet worden.
Das Besondere an diesem haiku ist doch die Möglichkeit, das Blatt selber hier als aktiven Wirbler zu sehen. Der Wind begleitet dieses (letzte) Wirbeln doch nur. Fast hätte ich gesagt: er ist hier nur der Zuschauer.
Unabhängig von Hans' Absichten mit dem haiku (pardon) - werde ich wohl bei dieser Sichtweise bleiben.
Klaus
... geschrieben von Klaus Stute,
August 27, 2009
NS: ...und Hans' haiku den Vorzug geben.
... geschrieben von Beate M. Conrad,
August 28, 2009
Ein Vergleich von Haiku zu Haiku ist selbstverständlich unter dem Aspekt des "Nutzen und Frommens" hilfreich. Wenn hier die Perspektive die des Ähnlichen und des rein Ländlichen ist, dann ist "... / Aufkommender Wind flattert / ein welkendes Blatt" inhaltlich und onomatopoetisch eine wunderbare Lösung. Vielen Dank dafür. Bei meiner Perspektive ist jedoch etwas anderes beabsichtigt. Das wird inhaltlich vielleicht deutlicher, wenn a und b zunächst einmal allein betrachtet werden: "Sommerabend. / Mit dem ersten Wind segelt" Hier wäre die Vervollständigung etwas, das segelt, bspw. ein Schiff, ein Flugzeug, ein Vogel bei implizitem Sonnenuntergang (Genau, der späte Abend als Zeitangabe). Es geht um ein Aufbrechen: aus der sommerlich ausgedehnten Ruhe (mit der Vorahnung des Herbstes) in die Welt bei der ersten sich bietenden Gelegenheit (den ersten Wind nutzen). Aber vielleicht ist es auch ein Heimwärts aus der abenteuerlichen Welt, denn der Abend, der Sommer ist ja schon weit fortgeschritten. Mit c kommt die Wende ins Ländliche und das Unternehmungslustige wird zur Heimkehr aus der Fülle und/oder zum Sehnen (noch einmal lossegeln (aktiv) / oder gesegelt/getragen werden (passiv)) eines Blattes, dessen Kräfte schwinden. Der Akzent der Bewegung ist hier durch den Wechsel der impliziten Elemente, der Entfernungen (Luft, Wasser, Land), der Gelegenheiten und die sich dabei wandelnde emotionale Einstellung (in der Zeit) gesetzt. Die unterschiedliche Perspektive der beiden Texte steckt in der jeweilig dahinterstehenden emotionalen Empfindung und in ihrer Einstellung dazu (neben implizit optisch Gebotenem). Etwas verkürzt — Hans: Egal wie es ausgeht, wir wirbeln. Beate: Egal wie wir wirbeln, wie es ausgeht, das wissen/fühlen wir. Eine scheinbar ruhige Kehrseite als Teil des Ganzen; denn diese Einstellungen gehören natürlich und dialektisch zusammen. Das war also als Abschluß meines Kommentares schlicht und kurz in Haikuform zum inhaltlich Tieferen gedacht.
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H.