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umsorgt von
© Markus Sulzberger   
06. 11. 2008
umsorgt von
Tante Schwester und Mutter
der rosa Wonneproppen
Kommentare (9)Add Comment
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, November 07, 2008
Zuerst dachte ich: hä, Haiku? Aber dann sah ich das Bild vor mir, wie da sämtliche weiblichen Familienangehörigen um das Baby herum sausen, und bei dem kleinsten Quietscher zur Stellen sind...
Ist der Mutter das recht?, Als erstes erwähnst du die Tante, dann die Schwester und zuletzt die Mutter. Dabei wäre diese doch am wichtigsten für ihr Kind. Das ist Hektik pur! Jede weiß es besser, jeder hat einen guten Tipp auf Lager und meint es doch nur gut. Aber braucht ein Baby und die Mutter nicht vor allem Ruhe?

Und dann kam mir noch in den Sinn, dass da ja auch "rosa Wonneproppen" steht. Noch so ein Hinweis auf die Übermenge an Fürsorge. Bei jedem Schrei gleich das Fläschen in den Mund? Vielleicht hat das Kind ja auch ganz andere Bedürfnisse.

Alles in allem also wirkt dieses Haiku gar nicht nett und idylisch auf mich, sondern eher als Beginn einer kleinen Katastrophe. Meine Interpretation.

Bis dann,
Andrea
...
geschrieben von Markus Sulzberger, November 11, 2008
Ganz so war es nicht, aber das kommt aus dem Haiku nicht heraus.

Es war im Bus. Die drei Frauen schoben ihren Kinderwagen und drängten mich damit in die Ecke. Sie sahen das Kind nicht, aber ich. Es war ganz friedlich und entspannt und guckte sogar etwas vorwitzig aus dem Wagen. Die drei Frauen waren so lieblich besorgt, dass es eine Freude war. Etwas, das ich in der Schweiz nur noch bei Völkern des Balkan beobachte. Es war nicht aufdringlich sondern eher schüchtern, besorgt, zurückhaltend, basierend auf einer Herzensfreude über das Kind. Sie bildeten eine Aura um das Kind, einen lichten und weichen Watteschutzschild.

Markus
...
geschrieben von Klaus Stute, November 11, 2008
Wenn wir die heile rosarote Welt nur so aufnehmen sollen, wie sie beschrieben wurde: schön, heil, rosarot - und sie tatsächlich auch nur so gemeint ist - dann ist es kein haiku.

Haiku bedeutet: hinter die Kulissen sehen.

Und dort geht es um Besitzergreifung und vor lauter Liebe erdrücken und was weiß ich alles.

Ein Aufschrei -
Tante, Oma, Mutter greifen
nach ihrem Wonneproppen

Klaus
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, November 12, 2008
Haiku bedeutet: hinter die Kulissen sehen.

Und somit kennen wir auch die Klaussche Definition von Haiku smilies/wink.gif

Da hab ich mich aber ganz schön verinterpretiert, würde ich sagen. Allerdings wirkt das Bild auf mich wirklich so. In solch verschiedene Richtungen können also die Gedanken gehen, wenn man ein Haiku liest und die Hintergründe dazu nicht kennt. Das schreit nach einem ganz kleinen Haibun, Markus!

Einen schönen Abend,
Andrea

...
geschrieben von Markus Sulzberger, November 12, 2008
Hallo - bin auch noch nicht glücklich, es sollte klarer hervorkommen. Aber Klaus Version, die meine ich eben nicht.
...
geschrieben von Klaus Stute, November 12, 2008
Schon bevor ich Andreas ersten Kommentar gelesen hatte, war mein haiku-Moment der "gemeinsame Besitz" an dem neuen Kind.

Im Betüddeln liegt m.E. immer auch ein Heischen nach Aufmerksamkeit. "Jetzt schaut er/sie/es MICH an!!" - nimmt MICH wahr - ist m.E. die verkappte Zielsetzung. Darin sehe ich die haiku-Vielschichtigkeit. Und in dem gemeinsamen Betüddeln haben wir dann noch eine Konkurrenz-Situation.

Meine "Aufschrei"-Version sollte den (un)eigennützigen haiku-Moment dann in den Nachhall führen - nämlich dass die Damen beim kleinsten Anzeichen eines "Hilferufes" sich in einer Art Hechtsprung auf "ihren" Wonneproppen stürzen, und dabei völlig vergessen, wer hier das Recht das ersten Zugriffs hat.

Naja - soweit die Klaussche Sicht der Väter, die in solchen Situationen ja nur in der zweiten Reihe stehen dürfen...

Und jetzt schauen wir mal gespannt, wie Markus seinen zufriedenen Blick, dass alles geregelt ist und er nicht gefordert ist - in seinem haiku noch etwas klarer zum Ausdruck bringt.

:-) Klaus
...
geschrieben von Markus Sulzberger, November 12, 2008
ich bin dran, Klaus - aber es war eben nicht so, es war echte Liebe und Anteilnahme, sehr zurückhaltend. Ich muss die richtigen Worte finden.

Markus
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, November 13, 2008
Vielleicht ist der Ausdruck "rosa Wonneproppen" ein bisschen vorbelastet. Ich jedenfalls stelle mir da ein wirklich überbehütetes und "überversorgtes" Kind vor.

Mal so ein Versuch, dem was du vielleicht ausdrücken möchtest, mit meinen Worten näher zu kommen:

lärmendes Zugabteil -
versunken in ihrer Welt
die Frauen und das Baby

Na ja, ein Versuch halt.

Andrea
...
geschrieben von Horst Ludwig, November 15, 2008
umsorgt von / Tante Schwester und Mutter / der rosa Wonneproppen
Ich finde den Text klasse: er hat Humor! Die Sequenz "Tante Schwester und Mutter" bringt mich zum Lachen, zumal der innere Sprecher genau weiß, wer hier wer ist — und dann eben, in welcher Reihenfolge sich diese drei weiblichen Wesen um das Kind bemühen, dem deren ganze Sorge gilt, — wobei die stolze Mutter sich zunächst zurückhält, aber dann eben auch noch was zurechtzuzupfen findet. Und dazu kommt dann noch der innere Sprecher selbst, — auch er blickt mit Wohlgefühl auf das Kleine. Seine Wortwahl zeigt es. Honi soit wer bei sowas gleich an den Beginn eines später total verzogenen und nutzlosen Teenagers denkt! Man spürt nämlich, wie auch der innere Sprecher ob dieser Szene lächelt. — Übrigens, was keiner hier weiß, - aber vor langen Jahren war ich nämlich dieser Wonneproppen. Aber es war nicht im Bus; es war im Zug. Und ich erinnere mich noch ganz genau an den Mann mit dem freundlich beobachtenden Blick hinter meinen drei Großen. Ja.

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