Gestern, während ich wie an jedem Arbeitstag beruflich mit meinem Auto unterwegs war, fielen mir besonders diese gelben Blumen zwischen den Grashalmen auf. Nachdem ich mich beeilen musste und deshalb nicht einmal vom Auto genauer beobachten konnte, um welche Blumen es sich dabei handelt, blieb in mir der Zweifel, welchen Namen diese wohl haben.
Ein Thema das schon so oft aufgegriffen wurde, doch handelt es sich in meinem Fall um eine reelle und persönliche Erfahrung. Für mich war es also wert diese so niederzuschreiben.
... geschrieben von Andrea D Alessandro,
May 01, 2007
Hallo Günther,
natürlich ist es dieses Erlebnis wert aufgeschrieben zu werden. Mit deiner kleinen Geschichte dazu kann ich das sogar sehr gut nachempfinden. Es gibt diese "wachen" Momente, wo man in der Alltagshektik etwas entdeckt, das sich wie ein Blitz ins Gedächtnis einbrennt. So ähnlich stelle ich mir das Erleben deines Haiku vor.
Ich würde den Weg zu Arbeit, den Berufsverkehr oder einfach den Alltag mit in das Haiku aufnehmen, als Gegenpol zu diesen unbekannten Blumen.
Oder aber, was ich mir hier auch sehr gut vorstellen könnte, wäre ein ganz kurzes Haibun mit diesem Haiku als Schluss.
Bis dann, Andrea
... geschrieben von sonja raab,
May 01, 2007
im vorbeirasen die gelben blumen -wie sie wohl heissen?
... geschrieben von Beate M. Conrad,
May 01, 2007
Zwischen den Gräsern Blumen so gelb, namenlos ziehen sie vorbei
Ein schöner Moment von Erfassen und Flüchtigkeit, Günther!
LG Beate
... geschrieben von Günther Peer,
May 01, 2007
Hallo Andrea, Sonja und Beate,
ich danke euch ganz herzlich für eure Kommentare, denn ich glaubte im ersten Moment etwas Banales geschrieben zu haben. Besonders die letzte Zeile wurde sinngemäß doch so oft schon benutzt. Aber es war wirklich so,ich könnte es nicht anders ausdrücken.
Dann versuch ich mal eure Vorschläge und guten Rat ganz einfach einzubauen ohne das Haiku zu sehr auf den Kopf zu stellen:
Beim Autofahren fallen gelbe Blumen auf - wie sie wohl heißen?
Könnte eurer Meinung nach das Haiku so gut gehen?
Vielen Dank und herzliche Grüße Günther
... geschrieben von Heike Gewi,
May 01, 2007
Ich merke, lieber Guenther, dieser Tage beschaeftigt Dich "die Frage" als solche im Haiku sehr. Da im Haiku Fragen nur rethorischen Charakter haben sollen, bin ich mir nicht sicher, ob das, was Du so herzlichst ausdruecken moechtest, hier machbar ist, denn es ist eine echte Frage (s. Hinweis Haibun - Vorschlag finde ich super!), eben eine Wissensfrage ist...keine fiktive Sache im Erfassen des Fluechtigen/fluechtigen Momentes. Ich finde Beates Version fuer das, was Du ausdruecken willst hilfreich. Sofern es bei der Frage bleiben soll: - "Warum rase ich?", - "Was haelt mich?", - "War's Loewenzahn?". (so in der Richtung vielleicht)
Sei lieb gegruesst Heike
... geschrieben von Heike Gewi,
May 01, 2007
Und wieder Tippfehler... *am verzweifeln*
... geschrieben von Günther Peer,
May 01, 2007
Liebe Heike,
es ist mir unklar, wo du diese Regel, dass Fragen nur rethorischen Charakter haben, aufgestöbert hast. Mir scheinen die Fragen,die sich klassische Meister gestellt haben keineswegs rethorisch. Bald versteht man überhaupt nichts mehr, denn jeden Tag wird - mein Eindruck - eine neue Regel eingeführt.
Beim Haibunschreiben hab ich etwas Probleme, mag nicht so sehr Geschichten schreiben über meine Erfahrungen. Ich bechreibe es lieber in 3 Zeilen und fertig.
Hab das Haiku entsprechend der von Andrea, Sonja und Beate gegebenen Ratschläge auch umgeändert und so kommt mir vor, dass es so genügen müsste.
Deine drei Vorschläge erachte ich dankend als sehr wertvoll, dennoch in meinem Sinne nicht treffend.
Liebe Grüße Günther
... geschrieben von Klaus Stute,
May 01, 2007
Aber eine der obersten Regeln im haiku, lieber Günther, ist doch, dass man den Leser nicht auf irgendetwas festnageln soll. Du formuliert die Frage und hältst sie dem Leser vor die Augen. Das geht m.E. nicht. Fragen müssen sich aus dem haiku ergeben, ohne dass sie explizit gestellt wurden. D.h.: welche Fragen der Autor sich stellt, will man nicht im haiku lesen, sondern sich selber fragen.
Ich würde denn auch von dem "vorbeiziehen" ausgehen bzw. von einer Autofahrt und auf sowas hin arbeiten wie
an der landstrasse endlose gelbe blumen
Naja - etwas magersüchtig. Und abschweifend: die Frage, wie sie heissen, stellt sich offenbar gar nicht... (wenn Klaus fährt).
Es ist nicht so einfach, deinen haiku-Gedanken ohne "haiku-Fehler" (also irgendwelche geschriebenen oder ungeschriebenen "Gesetze") umzusetzen.
Im Moment fällt mir nur die Lösung der Ausgangs-Frage an sich ein:
picknick im grünen - die kinder sammeln butterblumen
Klaus
... geschrieben von Günther Peer,
May 01, 2007
Oh,nein Klaus,was du da behauptest ist sehr leicht wiederlegbar. Nachfolgend 3 Beispiele vom Haijin, der als Vater des modernen Haiku gilt, ABER von 3 verschiedenen Übersetzern.
Auf roten Nelken der weiße Schmetterling - Von wem die Seele? Shiki (übers.Jan Ulenbrook)
Ah,der erste Schnee! Was für Berge sind denn das, drüben, überm Meer?
Shiki (übers.Gerolf Coudenhove)
Ein Frühlingsabend. Was er wohl lesen mag, der Junggeselle?
Shiki (übers.Dietrich Krusche)
Jeden Tag eine neue Haiku-Regel, das ist zu viel des Guten. Egal ob geschrieben oder ungeschrieben, ich glaube, dass Haiku-Regeln nicht gerade so wie man sie braucht, aus heiterem Himmel erfunden werden sollten.
Also sollten deine "obersten Regeln" zumindest durch Quellenhinweis belegt sein. Und sag bloß nicht, dass Japaner sich niemals Fragen stellen.
Ich hoffe immer noch auf konstruktive Kritik und dass hier sich jeder als Haiku-Schüler bekennt.
Günther
... geschrieben von Beate M. Conrad,
May 01, 2007
Lieber Günther,
relax, ist doch alles halb so wild, hm. Es sind doch alles einfach Überlegungen, um Dir verschiedene Perspektiven mit auf den Weg zu geben. Übrigens denke ich schon, dass Fragen im Haiku ihre Berechtigung haben. Allerdings sollte es schon so gemacht sein, dass es nicht nur um das Vordergründige geht, das der Leser sowieso schon erlebt und sieht. Das scheint auch genau das zu sein, was in Deinen angeführten Beispielen passiert. Die Frage deutet jeweils auf ein noch ganz anderes, für den Leser zu entdeckendes Detail, das das Bild des Haikus in der Gesamtschau erst vervollständigt. Genau so sollte in Deinem Haiku solch eine Frage auch angelegt sein. Wenn Du sagst, so viele Blumen, wie heissen sie? Da fragt sich der Leser, na und .. und eben nichts und! Darum (und das auch nur zur Verdeutlichung) noch einmal ein anderer Vorschlag möglichst dicht an Deiner Version orientiert:
Auf der Landstrasse - endloses Gelb zieht vorbei Dein Name.. Blume (?)
LG Beate
... geschrieben von Beate M. Conrad,
May 01, 2007
P.S.: Klar lernen wir alle und entdecken das Haiku immer wieder neu und anders, mit unter ganz von vorn.
... geschrieben von Klaus Stute,
May 02, 2007
Ja die Psyche. Was man nicht leiden kann, wird offenbar manchmal zur Vermeidungs-Regel; oder aus-dem-Weg-Geh-Regel :-) und dann versucht man das noch durchzusetzen...
Sorry. Also stellt eure Fragen Klaus
... geschrieben von Klaus Stute,
May 02, 2007
Ich könnt's natürlich auch mal probieren:
All diese gelben Blumen an der Landstrasse - wo wollen sie hin
:-) Klaus
... geschrieben von Günther Peer,
May 02, 2007
Liebe Beate,
bis gestern war ich zu metaphorisch, jetzt sind plötzlich meine Aussagen zu vordergründig?Und was ist dann mit deinem Kommentar oben wo du schreibst "Ein schöner Moment von Erfassen und Flüchtigkeit"
Und wenn die Blumen vor dieser Flüchtigkeit warnen wollen? Weil es schöne, gute, wichtige Dinge gibt, bei denen man Halt machen sollte? Aber was ist, wenn man nicht weiß ...
DANKEND zu deinem letzten Vorschlag: Auf der Landstraße sind m.E. keine gelben Blumen, evtl. längs der Landstraße. Ich bin mit Andreas Ansicht einverstanden, darum hab ich mit "Beim Autofahren" die 1.Zeile der 1.Fassung korrigiert. "Endloses Gelb zieht vorbei" Mit dieser Ausdrucks- weise kann ich mich einfach nicht anfreunden,sorry aber was soll ich tun? Schließlich: "Dein Name... Blume(?) ist m. E. stilitisch auch nicht gerade umwerfend.
Entschuldigung,aber meine zweite Version finde ich gar nicht sooooo schlecht.Vielleicht lässt sich was ändern,aber was?
LG Günther
... geschrieben von Günther Peer,
May 02, 2007
Klaus, du schreibst: "Ja die Psyche. Was man nicht leiden kann, wird offenbar manchmal zur Vermeidungs-Regel; oder aus-dem-Weg-Geh-Regel :-) und dann versucht man das noch durchzusetzen..."
Wenn du die Psyche kennst,dann weißt du auch,dass man sehr oft anderen genau das vorhält, was für sich selbst zutrifft. "Der Spiegeleffekt"
Wenn Beate oben noch sagt: P.S.: Klar lernen wir alle und entdecken das Haiku immer wieder neu und anders, mit unter ganz von vorn. Lieber Klaus,bei dir hab ich wohl meine Zweifel. Das sag ich dir in aller Kollegialität, sofern du mich überhaupt als Kollege betrachtest.
Auch dir dankend zu deinem Vorschlag: Sorry, aber es sind nicht die Blumen, die irgendwo hinwollen. Der Sinn des Haiku wäre somit total auf den Kopf gestellt.Geht also nicht,leider! Lies bitte dazu meinen letzten Kommentar an Beate.
Danke Günther
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mir besonders diese gelben Blumen zwischen den
Grashalmen auf. Nachdem ich mich beeilen musste
und deshalb nicht einmal vom Auto genauer beobachten konnte, um welche Blumen es sich dabei
handelt, blieb in mir der Zweifel, welchen Namen
diese wohl haben.
Ein Thema das schon so oft aufgegriffen wurde, doch handelt es sich in meinem Fall um eine reelle
und persönliche Erfahrung. Für mich war es also
wert diese so niederzuschreiben.