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Frühjahrssolo
© Heike Gewi   
26. 02. 2008

Mit dem Bauern
auf's Feld hinaus..
Lumpensack und Stock

Am Teich das Koepfewiegen..
Kibitzblumen

Wenn jemand kommt
lass die Fetzen fliegen..
Vogelscheuche

Nur ein Spatz
sitzt auf ihrem Arm.
Ob er das Kleid kennt?

Schafe! Oben wie unten.
Er streichelt den Hund.

Unterm Lupenglas
der Genbauer..
Gott, de Kieh werrn jeck!
Kommentare (2)Add Comment
...
geschrieben von hans lesener, March 03, 2008
So ein klassisches Haiku-Thema , die Vogelscheuche , hier in Form des Solo-Rengay behandelt , wäre doch eigentlich schon längst eines Kommentares
wert gewesen . Noch dazu , wenn , vielleicht bis auf die letzte, jedenfalls mir, unklare Strophe , so anrührende Dreizeiler dabei herausgekommen sind wie der vom Spatz , der das Vogelscheuchenkleid
vielleicht kennt , wieder erkennt.
Mir unbekannt sind "Kibitzblumen" - da ist das Kopfschütteln bei mir .
Und bei der letzte Strophe habe ich gleich zwei Fragen , liebe Heike :
Warum der plötzliche Übergang zum Dialekt -"de Kieh werrn jeck", ist das ein in den Kreisen der Vogelscheuchen gängiger Ausruf der Verwunderung und des Erstaunens ? Oder hat das einen anderen Grund ?Und " unterm Lupenglas der Genbauer" klingt so , als werde soeben der Bauer einer mikroskopischen Betrachtung unterzogen, was de Kieh jeck wernn lässt ; aber gemeint ist doch wahrscheinlich, dass der Bauer unter der Lupe was sieht am Genmais oder sonstwo , was nicht ok ist... ?

Mein Französischlehrer auf der Penne pflegte in solchen Zweifelsfällen zu sagen : Erkläret mir , Graf Orandur , diesen Zwiespalt der Natur ...!"
Also Heike , mach mal den Lumpensack auf und hol die Erläuterungen
raus - aber bitte nicht mit dem Stock auf mich eindreschen...
Ich hab Dein Rengay ganz unbefangen gelesen, ganz naiv , und der Spatz auf dem Arm ist mir das ganze Wochenende nicht aus dem Kopf gegangen...

Grüße , Hans.

...
geschrieben von Heike Gewi, March 04, 2008
Hans traegt nun offen, will meinen, er laesst einen gucken. Dafuer, dass ich von Dir nicht ueberinterpretiert wurde, sondern ein Spatz sich ein Wochenende lang einnisten konnte, meinen Dank!
Klassisches Thema Vogelscheuche in den Fruehling versetzt, wo alles anfaengt, und erdverbunden, weil nahezu frevelhaft in den Boden gerammt, einem Stossgebet gleich (die Brutalitaet, die in letzterem Wort steckt hat mich schon immer fasziniert - und welche Brutalitaet ging dem voraus? - Kausalitaeten): die Erde gut, der Himmel offen - hoert, hoert! Den Knueppel lassen wir als Stecken. Moege er Wurzeln schlagen...
Die pickenden Heerscharen der Zugvoegel in der Fruehjahrssaat [Kibitzblumen = Fruehjahrsblueher!], das Koepfewiegen [ a) Abwaegen, welch' Bild sich wohl den Bauern bietet ueber das man "zuenftig" debattieren koennte - Konjunktiv, suggestion.., b) ein Lueftchen weht - durch die Blumen...Sag an! Sag an, die Botschaft mir ].
Zu den Redewendungen in Vogelscheuchenkreisen:
Der Perspektivenwechsel innerhalb des Gedichtes / Rengay ist offensichtlich, denn das Lupenglas ist keine "verpoente Metapher", sondern wortwoertlich zu nehmen. Bauern lesen nicht nur Federn, sondern mehr und mehr zwischen den Zeilen. Mitunter zur Brille noch die Lupe: Kann man seinen Augen noch trauen?
Artikel ueber Artikel haeufen sich. "So ein Scheisshaufen!", entfaehrt es Kunert der Folgendes liest:

Sehen wir uns nochmals die Ursachen für den Rinderwahn, der in Großbritannien die Fleischindustrie an den Rande des Kollaps gebracht hat, und seine Ursachen an (Die Information dazu stammen aus dem Artikel "Rinderwahn - und nun?" von Idina Le Geyt, der am 26.02.99 in einer Internet-Seite von SHARE INTERNATIONAL veröffentlicht wurde.). Schon 1923 fragte der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, bei einem Gespräch in Dornach: "Was würde geschehen, wenn der Ochse Fleisch, anstatt Pflanzen fressen müßte?" Ob Rudolf Steiner seherische Qualitäten hatte, ob schon damals vereinzelt Tiermehl zur Fütterung verwendet wurde, oder ob er schlicht die Skrupellosigkeit mancher Menschen und deren negative Folgen logisch voraussah, kann man heute nicht mehr nachvollziehen. Fakt ist, dass seine Theorie genau zutraf. Denn der Schluß seiner Theorie war die Aussage "müßte der Ochse direkt Fleisch aufnehmen, würde er verrückt werden" (Anm. des Autors: Die Frage bleibt, ob die zunehmende "Verrücktheit" der normalen menschlichen Gesellschaft eine Folge der direkten Fleischaufnahme durch den Pflanzenfresser Mensch ist?) "Das BSE-Desaster ist der Preis dafür, dass Lebensmittel um des Profits willen - und nicht um der Menschen willen - produziert werden" meint Professor Colin Tudge. Die Fleischindustrie paßt sich, ebenso wie der Rest der Lebensmittelindustrie, unseren Gepflogenheiten in der Wirtschaft an - Gewinnmaximierung um (fast) jeden Preis...BSE erst 1986 entdeckt. Eine der möglichen Ursachen ist die Tatsache, dass man aus Kostengründen Mitte der achtziger Jahre die Verarbeitungstemperatur von Fleisch- und Knochenmehlkonzentraten gesenkt hatte, und so die Scrapie-Erreger nicht mehr vernichtet wurden. Scrapie, eine endemische Seuche bei Schafen, wird als vermutliche Ursache von BSE angesehen. Der Erzeuger habe in Rinderfutter aus Schafhirn überlebt und so sei die Artenbarriere durchbrochen worden. (Eine andere mögliche Erklärung wäre vielleicht die Frage, ob es BSE nicht schon seit Einführung der Fütterung von Tierkörpermehl gibt und dies nur bis 1986 verschwiegen wurden?...) 1996 glaubte man in zehn Fällen von Creutzfeld-Jakob-Erkrankungen eine neue Variante von BSE entdeckt zu haben, die jüngere Menschen befällt. Sollte sich diese Theorie bestätigen, so kann man gespannt sein, wie sich der übermäßige Fleischverzehr auf die nächste Generation auswirken wird - denn man rechnet mit einer Inkubationszeit bis zum Ausbrechen der Krankheit von 5 bis 30 Jahren./diealternativen.de


Literaturtipp: Jeremy Rifkin - "Beyond Beef"

Die Vogelscheuche Solo - im Feld. Singvoegel, sonnenverwoehnt, "empfaengt" sie mit offenen Armen. Ihr Kleid verschreckt sie. Der Zeitgeist verrueckt?..

LG - Heike

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