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Wellenringe
© hans lesener   
14. 10. 2009
Wellenringe

Morgensonne malt
Fenstersprossen auf die Wand.
Mein Tag schon verplant. 

Verkehrslärm im Dorf. 
Der Klang der Kuhglocken ...

Finsterer Bergsee.
Weit draussen Wellenringe.
Fische ? Gedanken ?

Zwei alte Herren.
Die Frühlingssonate.
Sonnenschein im Saal.

Vergessen der Streit, 
verweht im Duft des Tees.

Im Mondlicht fröstelnd
die Hügel über dem See. 
Des Herbstes Bühne.
Kommentare (2)Add Comment
...
geschrieben von Heike Gewi, December 13, 2009
In Vers 3 wuerde ich keine Fragezeichen setzen;
nur Leerzeichen lassen.

Holla, der Tee blueht auch [mein Parfuem > Bluetenduft des weissen Tees] > ist also nicht unbedingt mit Herbst zu verbinden [nicht eineindeutig].

Vers 6: Koennen Huegel froesteln?

Im Mondlicht fröstelnd
die Hügel über dem See.
Des Herbstes Bühne.


vielleicht

Im Mondlicht, fröstelnd,
die Hügel über dem See -
des Herbstes Bühne

oder generell saemtliche Interpunktion weg lassen [ich trenne hier das trennbare Verb - Kann-Bestimmung - da ich "weg" betone!]
Da wirkt b dann auch als Schiene. Sind Punkte jetzt modern?

Im Mondlicht fröstelnd
die Hügel über dem See
des Herbstes Bühne


Aber ansonsten gefaellt es mir sehr, insbesondere 1-3.

Vers 4 > manno, schonne widder Punkte!!!!!!!!!!

Heike;-)

...
geschrieben von hans lesener, December 14, 2009
Sind Punkte jetzt modern?
Weiß ich nicht.
Aber , meine liebe Heike, was aus Interpunktions-Willkür werden kann, kann man sehr gut auf haiku.de studieren :
Ob eine Zeile inhaltlich "offener" bleibt , wenn kein Punkt dahinter steht - ich habe meine Zweifel. Deshalb habe ich mir seit einiger Zeit angewöhnt , einem Rat von Horst Ludwig zu folgen und die normale Interpunktion und Groß- und Kleinschreibung zu verwenden : Satzende ? Punkt !

Die Fragezeichen in 3 haben meiner Meinung nach Sinn , weil ich selbst nicht weiß, ob die wahrgenommenen Wellenringe durch Fische hervorgerufen oder nur eingebildet waren , oder - was mir am besten gefallen würde - ob meine Gedanken sie real produziert hätten ...Würden nicht bei Leerzeichen den Fischen Gedanken unterstellt ? So weit wollen wir aber wohl doch nicht gehen , oder ?

Zum Kigo-Charakter von Tee : OK , wieder was gelernt , danke !

Fröstelnde Hügel : Ich glaube schon , dass es die gibt, und dass man so formulieren kann . Wer in den Bergen mal gesehen hat , wie ein Alpenglühen verschwindet und die bläulich schimmernden Gipfel übrigbleiben , der weiß was ich meine. Nicht der Betrachter fröstelt, die Berge machen den Eindruck . es fröstele sie ; das ist eine alte Beobachtung aus den Berner Alpen , die ich oft gemacht und entsprechend verinnerlicht habe. Literaturbeispiel für die Ver-Persönlichung von Gegenständen gibt es sicher auch.
"Des Herbstes Bühne" ist ein leicht verändertes Bashô-Zitat ( Krähenhaiku ); mich wundert , dass da niemand den Finger draufgelegt hat ( " Du , DU !") ; oder wird eine solche Formulierung schlicht als altmodisch empfunden ?

Das mir liebste von allen Haiku dieses Rengay ist das mit der Frühlingssonate . Während des Urlaubs , in dem diese Texte einzeln entstanden sind , habe ich viel die Frühlingssonate von Beethoven gehört , gespielt von Y. Menuhin und Wilhlem Kempf , als beide schon in vorgerücktem Alter waren. Und diese beiden alten Herren spielen die Sonate wie die jungen Götter , so frisch , naiv und freudig - da geht einfach die Sonne auf ! Für mich ist das vorbildlich , das Haiku ist es wohl leider nicht .

Es freut mich jedoch , liebe Heike , das Du Dich überhaupt mit meinen armen kurzen Texten beschäftigt hast und einige Dir sogar gefallen . Was will man mehr ?
Danke , und herzliche Grüße in den fernen Süden !
Hans.


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