Sicher: Buddhas Lächeln über einen klebrige Zuckerwatte geniessenden zahnlosen Mund hat was. Es verleitet zum mitfühlen, um nicht zu sagen, sich wie Buddha fühlen. Auf jeden Fall zwingt es einem ein Grinsen auf, wie man es von manchen Buddha-Figuren her kennt.
Das witzige an dem haiku ist: man darf es nicht hinterfragen. Sonst hat Buddha sofort den zahnlosen Mund.
Du hast dir sicher jedes Wort überlegt, Walter. Ich hätte das "ein" weggelassen und das "klebt" ans Ende der zweiten Zeile gehängt.
Der Unterstollen allerdings - ich hab jetzt die Vorschriften nicht im Kopf: soll er den Oberstollen nicht unterstützen? Der Sprung in eine andere Ebene kam doch erst in der dritten Strophe bei dieser anderen Gedichtform, wie heisst sie nochmal gleich...
Jedenfalls ist mir der Unterstollen zu philosophisch, sag ich mal. Ich würde eine Zeile auswechseln:
zahnloser mund an der zuckerwatte klebt buddhas lächeln
im becher des kindes schmilzt das eis
Man kann nicht früh genug dorthin schauen, wo Buddha hinschaut. :-) Klaus
... geschrieben von Heike Gewi,
October 23, 2008
Klaus, das ist Zahnstochermanier...
Heike ;-))
... geschrieben von Klaus Stute,
October 23, 2008
"Zahnstochermanier..." Also du meinst, ich hätte mit meinem kleinen Vorschlag quasi den abgeleckten Zuckerwattestab zum Zahnstocher umfunktioniert und aus der zahnlosen Dings alles rausgeholt, was drin war!?
Naa... So hätte ich das jetzt nicht gesagt... :-) Klaus
... geschrieben von Heike Gewi,
October 24, 2008
Ist doch aber amuesant, ein Laecheln zu verinnerlichen oder wieder sichtbar werden zu lassen...und dann doch versuchen, das jeweils Letzte herauszuholen...
da werden sogar die Steine unter den gefrorenen Fuessen weich ;-)
... geschrieben von Heike Gewi,
October 24, 2008
P.S.:
Achja! Wenn Klausi meint, dass 'zahnlos' nicht geht, insbesondere nicht bis zum philosophischen Wegende [moeglicherweise im Hinterkopf die Tragbahre?], und ich den Blick auf Entdeckungsreise geschickt hatte, dann bringt Klaus bestimmt 'zahnlos' mit 'kurzsichtig' in einen Zusammenhang... Als Zweitvariante waere diskutabel der Blick nach unten:
Auf kalten Steinen schmilzt schon/das Eis.
Buddhas Laecheln birgt erwaermende Hintergedanken... Die Dialektik der Gegensaetze (Oberflaeche/Tiefe; Waerme/Kaelte; Ruehrung/Haerte > abrufbare Assoziationen in nicht alltaeglicher Art > Oberstollen/Unterstollen) Was sind den Haiku ohne Ueberraschungen, nicht wahr?
... geschrieben von Klaus Stute,
October 24, 2008
Hm? Wo hab ich gesagt, dass "zahnlos" nicht geht? Das Bild ist doch toll. Voller Heiterkeit; selbst Buddha findet doch Gefallen daran.
Aber das Eis schmilzt nicht am Ende des Weges; das muss vorher passieren. Am besten so früh wie möglich. Am Ende des Weges gibts Zuckerwatte.
Klaus
... geschrieben von Walter Mathois,
October 24, 2008
Ihr Lieben,
schön, dass Euch ein Lächeln entweicht. Erstmal vielen Dank für Eure Kommentare.
Die Form des Oberstollens möchte ich nicht ändern. „ein“ bleibt. Es ist zwar unbestimmt und geheimnisvoll (ein Kleinkind…ein Stadtstreicher….ein HartzIV-Konsument), doch nicht so absolut „unpersönlich“. Aus dieser kurzen, süßen Freude strömt das Endliche, die Begrenztheit unseres „Hiers“. Der (oder das) „ein“ hebt den Blick…guckt entlang des Weges, welcher durch den Adventmarkt führt…am Ende des Markts, des Weges….beim „Maronibroda“ (Heiße Speisekastanien)…nur noch Pfützen, kein Eis mehr.
Ich sehe zwei Bilder…etail und Totale…
Was ich natürlich (ich, persönlich, subjektiv) dahinter sehe: Das Leiden und das Vergehen, die Freude des Augenblicks, und vor dem Kistensprung gibt es keine Masken, kein eisiges Schutzschild.
Liebe Grüße in den Herbst (der Blödmann kam zurück und hat dem Winter sein Eis geschmolzen) Walter
... geschrieben von Walter Mathois,
October 24, 2008
upps.. etail .... heißt Detail
... geschrieben von Klaus Stute,
October 24, 2008
Haha: ich glaub, ich muss "mein" Bild der obigen Szene doch mal genauer erklären, bevor mich weiterhin keiner versteht:
bei "Buddhas Lächeln" denke ich natürlich an eine dieser großen Buddha-Figuren, die in unseren Breitengraden bekanntlich eher nicht rumstehen.
Und bei "zahnlosem Mund" hab ich natürlich an einen zahnlosen Mund gedacht - und nicht an ein Kind, dem vielleicht zwei Milchzähne fehlen.
"Mein" Buddha lacht also über einen zahnlosen Greis, der sich an Zuckerwatte erfreut. Und Buddhas Lächeln - eher natürlich sein Blick - "klebt" sozusagen auch wohlgefällig an der Watte.
Neben dem zahnlosen Greis dann ein Kind mit einem Eis - welches schmilzt, weil das Kind ganz fasziniert demselben zahnlosen Schauspiel folgt, wie Buddha.
Nun - jetzt wisst ihr, was ich unter haiku verstehe :-)
Klaus
... geschrieben von Klaus Stute,
October 24, 2008
NS: bitte nicht mit profanen Details nach mir werfen: es ist mir im Augenblick egal, ob Zuckerwatte und Eis eher westliche Leckereien sind.
Und bitte mich nicht mit übler Rhetorik erschlagen, wie sie gerade bei haiku.de in ist. Dass ich hier gerade eine alberne unrealistische Szene ausgemalt habe, würde auch hier nichts über mich sagen, sondern eher über den Rhetoriker.
Klaus
... geschrieben von Walter Mathois,
October 24, 2008
Hallo Klaus,
leider verstehe ich die Aussage Deines letzten Beitrags nicht.
- was hat haiku.de mit LUX zu tun? - wer will Dich hier mit übler Rhetorik erschlagen? - wo sind hier versteckte Albernheiten oder unrealistische Szenen? - Welchen Rhetoriker wolltest Du hier konkret ansprechen?
Fragt leicht verwundert Walter Mathois
... geschrieben von Klaus Stute,
October 24, 2008
Ok. Nach der kleinen Drohgebärde im Hinblick auf bekannte pikierte bis unwillige bis überzogene Reaktionen (meine Erfahrung, die ihr zum Teil ja mitbekommen habt, ist, dass irgendwelche Leute anscheinend auf der Lauer liegen, um mir was auch immer heimzuzahlen bzw. mir mal eins überzubraten) - jetzt noch ein letzter Hinweis auf die von mir konstruierte Greis-Kind Version:
ich wollte lediglich den humorvollen Ansatz aufgreifen und von der Beschreibung des Weges hin zu einer Verdeutlichung, genauer gesagt der Überlagerung von Weg und Ziel gelangen. In dem Schmilzen des Eises und quasi der Zielbetrachtung seitens des Kindes liegt ja die Verschmelzung.
Sicher ist das mit einem zwinkernden Auge zu betrachten. Erforderlich für diesen Umgang mit haiku ist allerdings eine Offenheit, die viele derzeit anscheinend nicht haben.
Klaus
... geschrieben von Klaus Stute,
October 24, 2008
Ach Walter unsere letzten Beiträge haben sich überschnitten. Ich habs ja dort erklärt, dass ich momentan das Gefühl habe, die Nachtigallen warten darauf, auf mir rumzutrapsen. Jedesmal, wenn ich die profane Realität eines Dreizeilers verlasse und versuche, in haiku-Ebenen vorzudringen bzw. dem Dreizeiler durch kleine Änderungen ein paar haiku-Möglichkeiten zu verpassen, laufe ich anscheinend Gefahr, mit Häme überzogen zu werden - seitens diverser haiku-Kenner.
Ich betrachte den Dampfer also derzeit mit gemischten Gefühlen. Halte mich aber noch etwas an der alten Fahrkarte fest.
Du trägst Schlips? Zieh ihn aus. :-) Klaus
... geschrieben von Heike Gewi,
October 24, 2008
Niemand schmeisst mit Lehm, guter Klaus, der kratzt sich schlecht vom Glashaus ab.
Es bleibt beim wandernden Blick und dem "Bloedmann", der noch Blaetter heftet und aus Absaetzen Hufe macht. Muss ich betonen (erneut), dass niemand sich fuer seine Lesart entschuldigen muss. Haben doch nicht alle die Klaussche brille auf oder meine, die staendig von der Nase will. Auch da ist Bewegung...
;-)))
P.S.: Ich glaube, dass jeder die Meinung des anderen voellig verstanden hat und aber auch jeder von seiner Variante ueberzeugt ist, da die andere Meinung nicht ueberzeugen konnte.
... geschrieben von Philip Gass,
October 24, 2008
Darf ich anmerken: Um ein Kind bzw. um ein Baby kann es sich nicht handeln: Kinder bekommen nach ein paar Monaten (6-10) ihre ersten Zähne. Und die Ernährungsprinzipien von Eltern, die Kindern in diesem Alter Zuckerwatte zu essen geben, hielte ich für sehr bedenklich. Ich kenne keine, die es täten, meine ich.
Und: Oh mei, der gute alte Buddah, aber wer ist das eigentlich? Oder anderherum, wer oder was ist es nicht?
Grüße
Philip
... geschrieben von Walter Mathois,
October 27, 2008
Hallo Klaus,
Deine Metapher...einfach köstlich.
Ich hatte keinen Schlips um (wo denkst Du hin...ich brauche keine Würgemale). Ich hatte mich auf eine andere Ebene begeben, um zu hinterfragen, was Du mir sagen wolltest.
Liebe Grüße Walter
... geschrieben von Walter Mathois,
October 27, 2008
Hallo Philip,
der Absolutheit, die Du in die Aussage "Um ein Kind bzw. um ein Baby kann es sich nicht ..." legst, kann ich nicht beipflichten. Na klar ist es ernährungstechnisch unklug, Zuckerwatte .. ZUCKER .. Z U C K E R in reinster Form aufzunehmen. doch wo sind die Ordnungshüter, die den Konsum von Zuckerwatte überprüfen; häufiger sehe ich KINDER, KLEINKINDER, die an diesen Fadenzeug zupfen.
Ich danke Dir für Deinen Kommentar, obwohl ich ihn nicht sehr hilfreich für diesen Text empfinde.
Liebe Grüße Walter
... geschrieben von sonja raab,
October 29, 2008
*lach* schmunzelnd lese ich eure beiträge, möchte an dieser stelle philip erklären, daß kinder mit etwa 6-7 jahren ihre zähne wieder verlieren (ich bin dreifache mutter ich weiß das).
klaus, durch dich habe ich gelernt genauer hinzuschauen, du entdeckst immer wieder dinge, die andere nicht sehen, des taugt ma so an dir. ich verstehe gar nicht, wie jemand nach dir schmeissen kann mit lehm oder kravatten oder sonstwas. (ich drück dich mal feste), bleib dir treu und lass dich nicht einsperren, letztendlich ist doch die individualität auch am haiku so schön.
und walter, zuerst hab ich auch einen zahnlosen alten mann gesehen, ich dachte sofort an "jahrmarkt" und überlegte, was das mit dem buddha zu tun hat? aber was weiß ich schon, welche skulpturen ihr in wien am prater rumstehen habt! *lach* mir würde auch das eis schmelzen vor lauter schauen dort. alles liebe euch allen und einen wunderschönen tag, sonja
Kommentar schreiben
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben. Bitte registrieren, wenn Sie noch kein Konto haben.
Das witzige an dem haiku ist: man darf es nicht hinterfragen. Sonst hat Buddha sofort den zahnlosen Mund.
Du hast dir sicher jedes Wort überlegt, Walter. Ich hätte das "ein" weggelassen und das "klebt" ans Ende der zweiten Zeile gehängt.
Der Unterstollen allerdings - ich hab jetzt die Vorschriften nicht im Kopf: soll er den Oberstollen nicht unterstützen? Der Sprung in eine andere Ebene kam doch erst in der dritten Strophe bei dieser anderen Gedichtform, wie heisst sie nochmal gleich...
Jedenfalls ist mir der Unterstollen zu philosophisch, sag ich mal. Ich würde eine Zeile auswechseln:
zahnloser mund
an der zuckerwatte klebt
buddhas lächeln
im becher des kindes
schmilzt das eis
Man kann nicht früh genug dorthin schauen, wo Buddha hinschaut.
:-) Klaus