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Stille atmen...
© Andrea D Alessandro   
16. 10. 2008

Stille atmen...
nur das Summen der Sterne
auf dem See



Tannenwipfel ragen
bis tief unter den Glanz





(Andrea D`Alessandro)
(Markus Sulzberger)
Kommentare (9)Add Comment
...
geschrieben von sonja raab, October 17, 2008
*ächz*
das verschlägt mir glatt die sprache.

WUNDERSCHÖN!!!!!

*applaus*

liebe grüsse, sonja
...
geschrieben von 1o2 1o2 1o2, October 17, 2008
Hallo,
ein interessanter Text. Bei "Stille atmen" kann ich mit. Das verbindet deutsche Lyrik durchaus mit Haiku. "Das Summen der Sterne" bereitet mir noch Schwierigkeiten. Ich werde die klassische Zeile "die Sonne tönt in alter Weise" nicht los. Konkret würde ich "das Plätschern der Sterne" vorziehen, oder "das Murmeln der Sterne/auf dem Bach". Zwei Metaphern (Stille atmen, Summen der Sterne) sind mir zu viel. Wenn jedoch nur "Stille atmen" da steht und die Sterne in Spiegel-Haiku-Manier mit dem See oder Bach eng verknüpft sind, ist meiner Meinung nach der Text nicht mehr metaphorisch überladen.
Zeile 5 und 6 des Tanrenga kann ich gut nachvollziehen - wie die Wipfel sich tief im Wasser spiegeln.

Herzlich
Rudi
...
geschrieben von Heike Gewi, October 23, 2008
stimme Rudi zu.
das surren/summen macht mir kopfzerbrechen und "passt nicht ins bild"

haucht nicht schulmeisterisch
deine bewunderin
Heike
...
geschrieben von Klaus Stute, October 23, 2008
Wir kennen ja alle diese allgemeinen statements über haiku, "dass ein haiku möglichst offen sein soll" etc. etc.

Diese haiku ist etwas tricky. Es testet, ob der Leser offen ist.

Also: wenn dir jemand ernsthaft von einer neuen Erfahrung erzählt - sagst du dann gleich "was ist das denn für ein Kappes!?" (Humbug)

Das "Summen der Sterne" steht hier doch für eine Entdeckung. Diese ist weder alltäglich, noch austauschbar. Es ist natürlich eine Metapher; aber meines Erachtens hätte sie nicht besser umschrieben werden können. Und ich sag es jetzt einfach mal so, wie ich es verstanden hab: es ist die Erfahrung einer Art ausserirdischer Lebendigkeit.

Er gibt allerdings noch zwei wichtige Aspekte:

Dieses Summen der Sterne ist eine überraschende Entdeckung - für den Leser! Er wird konfrontiert mit dieser Erfahrung. Für den Autor war da in der Stille lediglich noch dieses SELBSTVERSTÄNDLICHE Summen.

Der zweite bzw. letzte Trick: dieses Summen, das auf den ersten Entdecker- bzw. Skeptikerblick etwas überzogen aussieht - ist in Wahrheit die Bescheidenheit pur: es wurde (in dem haiku) EBEN NICHT die Hand ausgestreckt nach irgendeiner Erleuchtung oder Gotteserfahrung, sondern lediglich dieses bescheidene, quasi etwas überirdische Summen konstatiert.

Für mich kann ich dazu nur sagen: all diese größeren Nummern mit Blut und Theatralik und späterer Heiligsprechung... geschenkt.

Dieses Summen der Sterne - möchte ich auch gerne mal hören - und selbstverständlich träume ich davon, so offen zu sein, dass ich es auch tatsächlich mal hören kann.

Und damit sind wir beim "Unterstollen". Jeder, der die Möglichkeit hat, zu partizipieren an so einer Erfahrung, dem geht es natürlich unter die Haut oder bis in alle Fingerspitzen und der Glanz wird nicht nur nachhallen, sondern auch prägend sein.

:-) Klaus
...
geschrieben von Heike Gewi, October 24, 2008
Der zweite bzw. letzte Trick: dieses Summen, das auf den ersten Entdecker- bzw. Skeptikerblick etwas überzogen aussieht - ist in Wahrheit die Bescheidenheit pur: es wurde (in dem haiku) EBEN NICHT die Hand ausgestreckt nach irgendeiner Erleuchtung oder Gotteserfahrung, sondern lediglich dieses bescheidene, quasi etwas überirdische Summen konstatiert.


aus diesem Grunde, um vom "ueberirdischen Weltschmerz" und seiner Therapie weg zu kommen, plaediere ich fuer "plaetschern", was weniger philosophisch und laenger in meinen Ohren nachklingt (ohne an der ueblichen Oberflaeche plaetschern zu wollen, denn Markus unterstuetzt hervorragend durch die Tiefe des Glanzes.

Und, Rudi, Stille atmen finde ich gar nicht metaphorisch, denn in der Stille einatmen
erweckt zwingend den Eindruck, dass Stille lebensnotwendig wie der Atem selbst ist...

LG - Heike
...
geschrieben von Klaus Stute, October 24, 2008
haiku lebt von den Dingen, die sein können. Ohne das haben wir nur die dahinplätschernde Realität eines Dreizeilers.

Und es geht natürlich um Projektion. Ich sage es nochmal: es geht in dem haiku nicht um das Summen der Sterne, sondern um einen Eindruck, den wir wegen seines Nachhalls als Moment der Erfahrung betrachten, und für den wir das Wort "erhaben" verwenden.

Zur Darstellung derselben ist das über allem schwebende Summen natürlich hier das richtige Wort - und nicht ein Plätschern, das irgendwo da vorne rumplätschert.

Ich behaupte mal, dass solche Dinge durchaus zum haiku gehören - und würde davon Abstand nehmen, mich mit "überirdischem Weltschmerz" etc. darüber lustig zu machen bzw. zu erheben.

Klaus
...
geschrieben von Klaus Stute, October 24, 2008
...na gut: das lustig-machen hab ich wahrscheinlich etwas provoziert, weil ich oben zur Abgrenzung des vorliegenden Momentes etwas drastisch auf frühere und weit abgehobenere Fingerzeige-von-oben und ihre Konsequenzen hingewiesen hab.

Hier haben wir natürlich erstmal ein rundum zufrieden sein bzw. eins-sein mit "allem", ein Gefühl, wie toll "das alles" doch ist, einen Moment der Harmonie, der Akzeptanz, der Richtigkeit; ein Ausatmen, ein "hmmmmm" - ein Summen.

Es ist allerdings nicht lediglich ein Wohlfühlen in meiner kleinen Welt, sondern das "Summen der Sterne" wird empfunden, also die über allem liegende Ordnung - oder wie immer das heisst.

Last but not least: das Summen steht natürlich auch für die Geschäftigkeit. Das heisst: wir haben hier im Atmen der Stille keineswegs einen Moment des Stillstandes. Alles ist in der Mache oder "im werden" oder wohin auch immer das führt.

Klaus
...
geschrieben von Markus Sulzberger, October 25, 2008
ohne - ihr lieben Kommentierenden - eure Kommentare irgendwie schmälern zu wollen - sei doch daran erinnert, dass es sich hier um ein Tanrenga und nicht um ein Haiku im streng formalen Sinne handelt.

Trotz all der sicher berechtigten Kritik in Richtung Gedankenlyrik versetzt der Oberstollen mich doch an den See und ich betrachte das Bild. Möglich dass nicht die Sterne Summen, aber man hört das Summen und sieht die Sterne, also summen die Sterne - ist irgendwie logisch. Es werden da scheinbar unzusammenhängende Sachen zusammengehängt, die aber dann einen Zusammenhang ergeben können. Erinnert sei da an den weiss erblühten Kirschbaum, der in einem Klassiker einer Wolke zugeordnet wurde.

Solche Zusammenführungen sind m.E. erlaubt, wenn sie der Verdichtung dienen. Darum setzte ich den Unterstollen hinzu um das Panorama abzurunden.

Liebe Grüsse über den See
Markus
...
geschrieben von Andrea D Alessandro, November 05, 2008
Da bin ich vom Urlaub zurück und hier überschlägt sich anscheinend alles. Das ist so viel zu lesen -nicht nur unter diesem TanRenga, sondern überall hier im Forum, dass ich wohl gar nicht alles "aufarbeiten" kann.

Nur noch eine knappe Zuwortmeldung von mir an dieser Stelle. Schließlich hab ja an diesem Text mitgearbeitet smilies/wink.gif

"Stille atmen" ist für mich nicht unbedingt eine Metapher. Es geht wirklich! Versucht mal diese absolute Stille zu finden, zu erfahren und zu atmen. Ein wunderbares Gefühl, wenn man es in einem solchen Moment schafft ganz in sich und dieser Stille aufzugehen. Es ist ein kurzer Blick auf das, was uns sonst verborgen bleibt, würde ich sagen.

Das "Summen der Sterne" ist bestimmt nicht mit unserem Gehörsinn zu erfassen, aber werft mal einen Blick auf den See in der Dunkelheit, wenn die Sterne funkeln... Sie summen!

Markus Unterstollen passt wirklich wunderschön zu dem Bild und zur Atmosphäre. Danke noch mal dafür!

Und jetzt hab ich Lesenachholbedarf in den anderen Threads.

Herzlich,
Andrea

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